Warum hat er Leichen sexuell missbraucht?
Bildquelle: WDR / Oliver Köhler00:36 Min.. Verfügbar bis 24.08.2028.
Es wird still im Saal 2 des Landgerichts Bielefeld, als Rechtsanwalt Carsten Ernst das Wort ergreift. Wie schon zum Prozessauftakt Mitte Juli 2026 sind die Bänke im Zuhörerbereich bis auf den letzten Platz gefüllt. Das öffentliche Interesse an dem Verfahren ist groß.
Motiv für Leichenschändung
Mit dieser Erklärung des Verteidigers zum Tatmotiv hatte wohl niemand gerechnet: Sein Mandant habe aus Geldnot gehandelt, so Rechtsanwalt Ernst. Die ihm vorgeworfene Störung der Totenruhe treffe zu.
"Er wollte Schmuck der Verstorbenen stehlen. Dabei kam es auch zum Geschlechtsverkehr." Carsten Ernst, Rechtsanwalt aus Bielefeld
Mehr sagt der Rechtsanwalt nicht dazu. Nur, dass sein Mandant keine Nachfragen beantworten werde. Der Vorsitzende Richter vergewissert sich beim Angeklagten, ob das stimmt und ob die abgegebene Erklärung zu den Tatvorwürfen korrekt sei. Der Angeklagte nickt und antwortet kurz: "Ja." Mehr sagt er nicht.
Auch kinderpornografisches Material gefunden
Im Saal sitzt auch Dr. Oliver Dollase. Der Psychiater aus Bielefeld hat bei der Erklärung des Verteidigers genau zugehört und den Angeklagten dabei beobachtet. Dollase soll im Auftrag des Gerichts ein Persönlichkeitsprofil des 39-jährigen vierfachen Familienvaters aus Hiddenhausen erstellen. Auch zu seinen sexuellen Vorlieben.
Die Polizei hatte beim Angeklagten neben den selbst aufgenommenen Videos der Leichenschändungen auch kinderpornografisches Material gefunden. Den Konsum dieses Materials gab der Angeklagte am Montag ebenfalls zu.
Psychiater Dr. Oliver Dollase muss den Angeklagten begutachten.
Bildquelle: WDR / Oliver KöhlerDas Persönlichkeitsprofil wird der Psychiater am Ende der Beweisaufnahme erläutern. Vermutlich wird sich Dr. Dollase auch zu der Frage äußern, ob bei dem Angeklagte eine Nekrophilie, also die krankhafte sexuelle Vorliebe für Leichen, vorliegt.
Drogen- und Alkohlsucht
Sein Mandant habe in erheblichem Maß Amphetamine und Alkohol konsumiert, so hatte Rechtsanwalt Ernst seine Verteidigererklärung zum Tatmotiv eingeleitet. Der 39-Jährige sei in Geldnot gewesen. Deshalb habe er auch Einbrüche begangen. Und er gebe auch zu, nach einem Streit versucht zu haben, das Auto eines Nachbarn anzuzünden.
Mit Generalschlüssel in Leichenhalle
Der Angeklagte war als Reinigungskraft im Krankenhaus Bünde beschäftigt. Dort hatte er sich in der Leichenhalle an den Verstorbenen sexuell vergangen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft ihm vor, dort eingebrochen zu sein. Heute erklärte sein Rechtsanwalt, dass ihm ein mittlerweile verstorbener Mitarbeiter des Krankenhauses einen Generalschlüssel vor langer Zeit gegeben habe, damit er dort sauber machen konnte.
Die Richter werden die Erklärungen nun bewerten und weitere Beweise sammeln. Das Urteil könnte Mitte September gesprochen werden.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Rechtsanwalt Carsten Ernst
- Recherchen des WDR-Reporters am 4. Prozesstag
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 24.08.2026, 11:30 Uhr
