Stirbt bald die Zigarrenindustrie in Bünde?
Bildquelle: WDR / Maurice FlegeWDR. 2 Min. 1 Sek.. Verfügbar bis 16.09.2028.
Seit Jahrhunderten ist Bünde das Zentrum der deutschen Zigarrenindustrie. Aktuell sitzen vier der sieben deutschen Produzenten in Bünde, ein weiterer in Minden. Doch die Branche steckt in der Krise. Schon lange nimmt das Interesse am gedrehten Tabak ab. Eine Steuererhöhung könnte die Lage jetzt nochmal verschärfen.
Luxusgut Zigarre
Die Pläne die Bundesregierung sehen vor, die Tabaksteuer ab kommendem Jahr stufenweise zu erhöhen. Und das mehr als erst geplant. Nach den neuesten Plänen würde eine Packung Zigaretten fast zwölf Euro kosten. Zigarren und Zigarillos könnten sogar bis zu 50/60 Prozent teurer werden.
"Arnold André" - das Traditionsunternehmen würde Folgen der Steuererhöhung bestimmt zu spüren bekommen.
Bildquelle: WDR / Maurice FlegeDas Unternehmen "Arnold Andre" ist einer der größten Zigarren-Produzenten Deutschlands, auch mit Sitz in Bünde. Geschäftsführer Thomas Strickrock befürchtet massive Auswirkungen auf das nationale Geschäft.
Zigarrenhauptstadt Bünde
Insgesamt arbeiten knapp 1.700 Menschen in der Zigarrenindustrie, ein Großteil davon in Ostwestfalen-Lippe. Strickrock erklärt, dass sich vor allem die Angestellten aktuell um ihre Jobs sorgten. Er selbst spricht von "Zweckoptimismus", wenn er auf die möglichen Steuererhöhungen schaut. Das Unternehmen habe in über 200 Jahren Unternehmensgeschichte schon einiges geschafft.
"Wenn die Preise mal eben 50 bis 60 Prozent in die Höhe gehen, dann ist die Industrie hier platt!" Thomas Strickrock, Geschäftsführer "Arnold Andre"
Wer pafft überhaupt noch?
Die Zahl der Raucher ist in den letzten Jahrzehnten stetig zurückgegangen. Mittlerweile raucht laut Statistischem Bundesamt nur noch jeder fünfte. Trotzdem glaubt Thomas Strickrock, dass sein Unternehmen bestehen wird. Mit neuen Marken und Sorten möchte er neue Kunden gewinnen. Und glaubt, dass viele die Zigarre bereits als Luxusgut sehen. Einige würden auch trotz der möglichen Preissteigerung weiter Zigarren kaufen.
Auch Einzelhandel glaubt noch an Zigarren aus Bünde
Silke Oberdiek verkauft seit über 30 Jahren bei "Pollner" in Bünde Zigarren. Auch sie schaut mit Sorge auf die mögliche Preisexplosion. Die Kunden setzen ihre Schmerzensgrenze beim Kauf einer Zigarre so zwischen zehn bis fünfzehn Euro, erklärt sie. Durch den neuen Steuersatz würden viele gängige Marken diese Grenze überschreiten.
Die Tabakwarenindustrie hat bereits einige Krisen durchlebt.
Bildquelle: WDR / Maurice FlegeSie geht davon aus, dass Bestandskunden auch weiterhin Zigarren kaufen werden. Aber vor allem auf die Kunden, die zum ersten Mal kommen oder einfach neugierig sind, könnten die Preise abschreckend wirken. Die Bundesregierung würde damit eines ihrer Ziele, nämlich den Konsum einzudämmen, erreichen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Thomas Strickrock
- Nachrichtenagentur dpa
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
- Statistisches Bundesamt
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 16.09.2026, 16:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 16.09.2026, 19:30 Uhr
