Die 19-jährige Sophia hat das Event mit ihrem Vater Roland organisiert.
Bildquelle: WDR/MichelDie Wanderschuhe sind geschnürt, die Rucksäcke gepackt. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen die Fotobox in der Nieheimer Lehmkuhle, posieren gemeinsam vor der Kamera und halten ihre Vorfreude auf die bevorstehende Wanderung fest.
Um 8 Uhr begrüßt Sophia Florin die ersten Wandernden. Die 19-Jährige steht mit einem Mikrofon vor der Gruppe und freut sich, dass so viele Menschen ihrer Einladung nach Nieheim gefolgt sind. Dann zählt die Menge gemeinsam herunter: "Fünf, vier, drei, zwei, eins!" und die ersten setzen sich in Bewegung.
43 Kilometer in Feuerwehrkleidung
Vor ihnen liegen 43,4 Kilometer. Unterwegs führt der "NIEHEIMarsch" durch einen großen Teil des Stadtgebietes – vorbei an Feldern, Wiesen, Wäldern und mehreren kleineren Ortschaften. Unter den Teilnehmern ist auch Andre Hauswerth. Der 46-Jährige trägt Feuerwehrkleidung und verbindet die sportliche Herausforderung mit einem guten Zweck.
Andre Hauswerth (links) in voller Feuerwehr-Ausrüstung mit seinem Kumpel.
Bildquelle: WDR/MichelEr sammelt Spenden für den Verein Drachenpaten, der Kinder und Jugendliche mit besonderen Herausforderungen und deren Familien unterstützt. Sein Ziel: in der schweren Feuerwehrkleidung möglichst gut durchkommen und dabei nicht aufgeben. "Unser Motto lautet: niemals aufgeben. Das können die Kinder auch nicht."
Eine spontane Idee bei einer Wanderung im Wald
Die meisten Teilnehmer kommen aus der unmittelbaren Umgebung, andere haben eine deutlich längere Anreise auf sich genommen. Eine Gruppe ist eigens aus Berlin nach Ostwestfalen gekommen. Die Idee zum "NIEHEIMarsch" sei eher spontan entstanden, erzählt Sophia.
"Ich war an Ostern mit anderen im Wald unterwegs und habe von einer Langstreckenwanderung erzählt, an der ich im vergangenen Jahr selbst teilgenommen hatte. So etwas gibt es hier nicht. Dann haben wir gesagt: Können wir das nicht einfach selbst machen?"
Sophia Florin und ihre Mitstreiter wollten zeigen, dass junge Menschen ihre Heimat selbst mitgestalten können.
"In Nieheim gibt es nicht so viel für junge Menschen. Das wollten wir nicht einfach so stehen lassen. Irgendwer muss es in die Hand nehmen. Also haben wir uns zusammengetan." Sophia Florin, Organisatorin des "NIEHEIMarsch"
Versorgungsstation mit den "Dorfmuttis"
Auf der Strecke warten insgesamt fünf Versorgungsstationen auf die Wandernden. Eine davon befindet sich am Gut Himmighausen. Betreut wird sie von den "Dorfmuttis", einer örtlichen Initiative. Hier gibt es kalte und warme Speisen sowie kalte und warme Getränke. Für viele ist die Station eine willkommene Pause: Zu diesem Zeitpunkt haben die Wandernden bereits rund 21 Kilometer zurückgelegt.
Die "Dorfmuttis" sorgen am Gut Immighausen für gefüllte Bäuche und gute Laune.
Bildquelle: WDR/MichelRund 50 Menschen organisieren und helfen
Jetzt heißt es: Durchatmen, kurz hinsetzen und neue Kräfte sammeln. Einige schütteln ihre müden Beine aus, andere versorgen erste Druckstellen und kleben Pflaster auf ihre Füße. Dann werden die Trinkflaschen noch einmal aufgefüllt.
Am Nachmittag kehren die ersten Wandernden in die Lehmkuhle zurück. Dort, wo am Morgen der Countdown lief, werden sie jetzt mit Applaus empfangen. Alle Finisher erhalten eine Medaille und eine Urkunde. Familien, Freunde und weitere Besucherinnen und Besucher feiern gemeinsam mit den Wandernden.
Wunsch nach einer Wiederholung
Für Sophia Florin endet damit ein langer Tag und eine noch längere Phase der Vorbereitung. Besonders viel bedeute es ihr, dass auch Menschen mit viel Erfahrung bei Langstreckenwanderungen die Organisation lobten.
"Es war unser erstes Mal. Gerade von erfahrenen Wanderern so ein Feedback zu bekommen, ist toll. Wir sind schon stolz auf uns." Sophia Florin, Organistorin des "NIEHEIMarsch"
"NIEHEIMarsch" 2027?
Ob es im kommenden Jahr einen zweiten "NIEHEIMarsch" geben wird, steht noch nicht fest. Das erste Event endet damit nicht nur mit müden Beinen, Medaillen und vielen persönlichen Erfolgserlebnissen. Er hinterlässt auch die Botschaft, mit der die jungen Organisatoren angetreten sind: Wer möchte, dass auf dem Land etwas passiert, kann selbst damit anfangen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Sophia Florin
- Gespräch mit den Organisatoren des Nieheimarsch
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, 19-Jährige macht den ersten "NIEHEIMarsch" zum Erfolg, 20.09.2026, 11:05 Uhr
