Das Szenario: Ein NATO-Staat wird angegriffen, das Militärbündnis erklärt den Verteidigungsfall. Deutschland wird zur wichtigen Drehscheibe für den Transport von Militärfahrzeugen und Soldaten. Es kommt zwar nicht zu direkten Angriffen, aber es häufen sich Sabotageaktionen im Land: Die Stromversorgung fällt in einigen Regionen für mehrere Tage aus. Einige Brücken wurden vorsätzlich beschädigt und sind nicht mehr befahrbar.
"Wir wollen alle nicht, dass der Ernstfall eintritt - aber wir müssen uns vorbereiten", sagt Karl-Ernst Hunting, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Minden-Lübbecke. Sein Blick gilt besonders den Unternehmen in seinem Bezirk. Wie können sie sich auf Krisen- oder Verteidigungsfälle vorbereiten?
IHK sieht erheblichen Handlungsbedarf
Das wichtigste Ergebnis: Es bestehe noch erheblicher Handlungsbedarf, vielen Unternehmen fehlten relevante Informationen. "Maßgebliche Institutionen sollten ihre Vorbereitungen für einen Extremfall deutlich beschleunigen", so eine Forderung der IHK.
Wo existieren Schutzräume für meine Mitarbeitenden? Kann ich den Betrieb aufrecht erhalten, wenn Arbeitskräfte dauerhaft fehlen, weil sie beim Roten Kreuz im Einsatz sind oder im Heimatschutz gebraucht werden? Was passiert, wenn Bahnstrecken ausfallen, weil Militärfahrzeuge verlegt werden müssen?
Viele sensible Bereiche in Ostwestfalen-Lippe
Mit der A2, dem Mittellandkanal und der wichtigen Ost-West-Bahnstrecke gibt es in der Region viel sensible Infrastruktur, die wahrscheinlich für Militärtransporte genutzt würde. Lieferketten für die heimische Wirtschaft könnten dadurch verzögert oder sogar unterbrochen werden.
"Wir sind die Region, durch die möglicherweise Truppentransporte im Ernstfall geführt werden. Für mögliche Angreifende ein Ziel. Darauf sollten wir vorbereitet sein." Karl-Ernst Hunting, IHK
Der IHK ist aber auch wichtig, dass keine Verunsicherung erzeugt wird. "Der Ernst der Lage erfordert jedoch eine angemessene und sachliche Auseinandersetzung mit den Themen, die auch in anderen Krisen- und Katastrophenszenarien relevant sein können", fasst Karl-Ernst Hunting zusammen Hunting.
Jeder und jede sollte sich mit dem Thema beschäftigen
Das Szenario eines Verteidigungsfalls spielt auch die Bielefelder Feuerwehr durch. Ihr Fokus liegt auf dem Bevölkerungsschutz. "Im Bündnisfall ist damit zu rechnen, dass Streitkräfte voraussichtlich Richtung Osten verschoben werden. Möglicherweise kommen Verletzte und Verwundete aus einem Krisengebiet zu uns", skizziert Gordon Majewski, Chef der Bielefelder Feuerwehr.
Majewski sagt aber auch: Es sei wohl eine "Generationenaufgabe", das Land und die Menschen darauf vorzubereiten. Er hält es trotzdem für wichtig, dass jeder und jede einzelne sich schon jetzt einmal fragt: Was müsste ich im Krisenfall beachten? Was könnte ich tun, wenn der Strom bei mir länger ausfällt? Habe ich pflegebedürftige Angehörige, was brauchen sie?
Fragen, die immer wichtig seien, sagt der Feuerwehrchef. Es müsse ja nicht der Verteidigungsfall sein, der eintritt. Aber vielleicht schon ein Stromausfall für ein oder zwei Tage, auf die alle dann besser vorbereitet wären.
Unsere Quellen:
- Interview Karl-Ernst Hunting, Industrie- und Handelskammer
- Interview Gordon Majewski, Feuerwehr Bielefeld
- Handelskammer Hamburg: Vorsorgeplan "Krisen, Katastrophen, Konflikte: Wie Sie Ihr Unternehmen in unsicheren Zeiten schützen."
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 21.07.2026, 6:30 Uhr
