Ab jetzt Bußgeld fürs Rasensprengen
WDR. 00:30 Min.. Verfügbar bis 22.06.2028.
Wasserknappheit im Norden von OWL : Ab jetzt Bußgeld fürs Rasensprengen
Stand:
Die anhaltende Trockenheit und ein extrem hoher Wasserverbrauch haben in Teilen Ostwestfalen-Lippes drastische Konsequenzen. Weil freiwillige Sparappelle verpuffen würden, schaltet der Wasserbeschaffungsverband "Am Wiehen" die Trinkwasserampel auf den Ausnahmezustand.
Seit Mittwoch gelten in vier Kommunen im Norden von OWL strenge Verbote. Bei Verstößen drohen hier Bußgelder. Gleiches gilt auch für die Mindener Stadtteile Hahlen und Minderheide. Auch die Städte Bielefeld, Rheda-Wiedenbrück und Rietberg haben ihre Trinkwasserampeln auf "Gelb" gestellt.
Die Bürgermeister der vier besonders stark betroffenen Kommunen des Wasserbeschaffungsverbandes (Bad Oeynhausen, Hille, Hüllhorst und Löhne) haben in einer Krisensitzung den Erlass einer gemeinsamen ordnungsbehördlichen Verordnung beschlossen. Damit greifen die Behörden zu einem drastischen und verbindlichen Instrument, um die Wasserversorgung vor dem Kollaps zu schützen.
Trotz Warnungen: Wasserverbrauch in OWL sehr hoch
Hintergrund der Maßnahme ist eine dramatische Zuspitzung der Trinkwassersituation. Obwohl die lokale Trinkwasserampel bereits seit dem 19. Juni auf "Rot" steht, sollen viele Verbraucher die Warnungen ignoriert haben. An Spitzentagen sei die Abgabemenge um mehr als 25 Prozent, auf über 20 Millionen Liter, gestiegen.
Die Bürgermeister haben die Verfügung beschlossen.
Selbst vorübergehende Regenfälle und kühlere Temperaturen am Wochenende hätten keine Entlastung gebracht. Die Folge: Aus den Hochbehältern des Verbandes wird deutlich mehr Wasser entnommen, als durch eigene Brunnen und Zulieferer nachfließen kann.
Was beim Wasser in einigen OWL-Kommunen jetzt verboten ist
Die wichtigste Nachricht: Die Grundversorgung ist gesichert. Kochen, Trinken und die tägliche Hygiene sind weiterhin OWL-weit uneingeschränkt möglich. Verboten ist ab Mittwoch jedoch jegliche Verschwendung von Trinkwasser in den vier Kommunen. Dazu zählt insbesondere:
- Das Bewässern von Rasenflächen und Gärten
- Das Befüllen von privaten Pools, Zisternen oder anderen Wasserspeichern
- Die Nutzung von Trinkwasser für die Autowäsche sowie für die Außenreinigung von Gebäuden und Terrassen
Die Einhaltung dieser Regeln wird von den kommunalen Ordnungsämtern kontrolliert. Wer beim illegalen Rasensprengen oder Poolbefüllen erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Die genaue Höhe der Strafe regeln die Kommunen individuell.
"Möglichkeiten auf der Beschaffungsseite erschöpft"
Laut dem Verbandsvorsteher Michael Kasche wurde im Vorfeld alles versucht, um zusätzliches Wasser zu organisieren. Die eigene Förderung wurde maximal hochgefahren und über Partner wurden kurzfristig 650.000 Liter pro Tag zusätzlich organisiert. Trotzdem: "Die Verbrauchsmengen haben ein Niveau erreicht, das sich allein über Freiwilligkeit nicht mehr beherrschen lässt", so Kasche.
Kasche selbst ist Bürgermeister der Gemeinde Hüllhorst. Jeder Mitarbeiter sei verpflichtet, darauf zu achten, dass sich alle Bürger an die Vorgaben halten, sagt er. Ziel sei es, die Menschen dazu zu bringen, nicht mehr Wasser als sonst auch zu verbrauchen. Das sind laut Kasche 112 Liter pro Person und Tag. Zuletzt waren es "Am Wiehen" aber um die 200.
Kommunen mit Wasserknappheit konferieren täglich
Die neue Verordnung bedeutet für die Kommunen reichlich Arbeit. Alle richten momentan eine Hotline ein, damit Bürgerinnen und Bürger nachfragen können, was denn nun erlaubt ist und was nicht. Zusätzlich schaltet man sich täglich am Vormittag zu Sitzungen zusammen, um über den aktuellen Wasserverbrauch zu sprechen. Mechanismen, die an die Corona-Zeit erinnern.
Wie lange der Ausnahmezustand gilt, ist derzeit noch völlig offen. Da die Situation durch die geringeren Zuliefermengen dauerhaft angespannt bleibt, könnte die Verordnung auch weit über die aktuelle Hitzeperiode hinaus bestehen bleiben - so lange, bis sich die Versorgungslage nachhaltig stabilisiert hat.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Wasserbeschaffungsverband "Am Wiehen"
- Michael Kasche, Bürgermeister Hüllhorst
- Pressemitteilung Stadt Minden
- Pressemitteilung der Stadtwerke Bielefeld
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 22.06.2026, 19:30 Uhr