Todesfall auf Frühchen-Station Paderborn

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Aktuelle Stunde 22.08.2026 39:07 Min. UT Verfügbar bis 22.08.2028 WDR Von Carsten Upadek

Paderborner Klinik Frühchen stirbt nach Infektion mit Bakterium

Stand:

In der Paderborner St. Louise Frauen- und Kinderklinik sind vier Kinder mit einem Enterobacter-Bakterium infiziert. Ein Kind starb an einer Blutvergiftung.

Der Gesundheitszustand eines weiteren Frühchens hat sich weiter verbessert, heißt es am Sonntagmorgen aus der Klinik. Sicher außer Lebensgefahr sei das Kind aber noch nicht. Der Säugling befinde sich immer "noch in einem kritischen Zustand", so Dr. Cho-Ming Chao, Chefarzt der St. Luise Frauen- und Kinderklinik Paderborn. Bei zwei weiteren Säuglingen wurde der Erreger bereits im Juli nachgewiesen, sie zeigten jedoch keine entsprechenden Symptome.

Enterobacter-Bakterium in Frühchenstation in Paderborn

Das Bakterium wurde in der neonatologischen Intensivstation, also der Frühchenstation, festgestellt. Die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen seien danach deutlich erhöht worden, heißt es weiter.

Es sind Wegweiser zu sehen auf denen die Richtung zur Frauen- und Kinderklinik St. Louise Paderborn angezeigt wird. Im Hintergrund Gebäude.

In der Frauen- und Kinderklinik St. Louise in Paderborn ist ein Frühchen gestorben

Bildquelle: WDR/Oliver Köhler
"Der Tod des Kindes erschüttert uns sehr. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Eltern und Angehörigen. Gleichzeitig gilt unsere volle Aufmerksamkeit der Versorgung des erkrankten Kindes sowie der konsequenten Aufklärung und Eindämmung des Geschehens." Geschäftsführer Markus Funk und Bernadette M. Putz

Warum Bakterien für Frühgeborene so gefährlich sind

Laut Robert Koch-Institut (RKI) steige das Risiko bei Frühgeborenen, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Zudem gebe es durch Zugänge und Katheter im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung mehr Möglichkeiten, dass die Bakterien in Bereiche gelangen, wo sie nicht hingehören.

Enterobacter: Was ist das für ein Bakterium?

  • Bakterien der Gattung Enterobacter gehören laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zur normalen Darmflora und kommen in fast allen Lebensräumen vor - nachgewiesen wurden sie bereits in Stuhl- bzw. Kotproben von Mensch und Tier, in Pflanzen, im Wasser, in Insekten und in Lebensmitteln wie Milchprodukten.
  • Das Bakterium Enterobacter ist nicht automatisch gefährlich. Ein Mensch könne das Bakterium tragen, ohne krank zu werden.
  • Gefährlich wird es, wenn es beispielsweise in den Blutkreislauf, die Lunge oder die Harnwege gelangt. Dann kann es Infektionen auslösen.
  • Besonders gefährdet sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, die an einer ernsten Vorerkrankung leiden oder chirurgisch behandelt wurden.

Kein multiresistenter Keim in der Geburtsklinik Paderborn

Laut Klinik in Paderborn handelt es sich bei dem nachgewiesenen Erreger der Frühgeborenen nicht um einen multiresistenten Erreger. Das kann bedeuten, dass es gute Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Multiresistente Bakterien sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen mehrere Antibiotikaklassen unempfindlich, wodurch die Behandlung erschwert werde. Laut WHO sind solche Keime eine globale Bedrohung für die Gesundheit. Schätzungen zufolge waren solche Resistenzen im Jahr 2021 weltweit mit mehr als 4,7 Millionen Todesfällen verbunden.

Eine Frau mit Schutzhaube und Handschuhen betrachtet eine Petrischale.

Das Enterobacter-Bakterium wird in Paderborn jetzt genau untersucht

Bildquelle: dpa/ Sebastian Kahnert

Suche nach Enterobacter-Erregerquelle in Paderborner Klinik läuft

In der Paderborner Klinik sei man derzeit noch auf der Suche nach der Ursache für die Infektion. Bei der Erstaufnahme seien zunächst keine Erreger bei den Kindern nachgewiesen worden. Der Nachweis sei erst im weiteren Verlauf erfolgt. Daher werden nun unterschiedliche Übertragungswege untersucht, erklärt die Klinik. Zudem werde geprüft, ob die betroffenen Babys den gleichen Erreger haben.

"Wir wissen noch nicht genau, woher dieses Bakterium stammt, wie die Übertragungswege sind." Dr. Cho-Ming Chao, Chefarzt der St. Luise Frauen- und Kinderklinik Paderborn

Seit Freitag gilt ein Aufnahmestopp - es werden aktuell keine Kinder neu in die Station aufgenommen. Die Notfallversorgung bleibe aber sichergestellt. "Individuell ist das natürlich abzuwägen, wenn das eine notfallmäßige Versorgung ist, werden wir die gewährleisten können", so Dr. Cho-Ming Chao.

Man arbeite eng mit dem Gesundheitsamt, der Krankenhaushygiene und der Mikrobiologie zusammen. Auch die Polizei wurde über den Vorfall informiert. Das sei aber ein Standardprozedere. Erst einmal seien keine Sofortmaßnahmen geplant, sagte ein Polizeisprecher.

Christophs Hände am Desinfektionsmittelspender

Die Klinik in Paderborn weitet nach dem Tod des Frühgeborenen jetzt Hygiene- und Schutzmaßnahmen aus

Bildquelle: WDR

Vergleichbare Fälle mit Infektionen in Bremen und Lippstadt

Erst im April dieses Jahres hat es einen vergleichbaren Fall in Bremen gegeben. Dort ist ein Frühgeborenes nach einer Infektion mit dem Bakterium Serratia marcescens gestorben. Ein Bakterium, das ebenfalls für gesunde Menschen häufig unproblematisch ist, bei Frühgeborenen aber zu gefährlichen Infektionen führen kann. In Bremen wurde der Erreger bei insgesamt drei Kindern festgestellt.

In NRW hat es den gleichen Erreger 2017 in Lippstadt im Evangelischen Krankenhaus gegeben. Ein drei Wochen altes Frühgeborenes war dort nach einer Infektion gestorben. Auch hier waren noch weitere Neugeborene infiziert.

Totes Frühchen in Paderborner Klinik

WDR 21.08.2026 00:34 Min. Verfügbar bis 20.08.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Frauen- und Kinderklinik St. Louise Paderborn
  • WDR-Gespräch mit Dr. Cho-Ming Chao
  • Polizei Paderborn
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • Robert Koch-Institut (RKI)
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Erstveröffentlichung des Artikels am 22.08.2026
Sendung: WDR.de, 
Frühchen in Paderborner Klinik verstorben, 22.08.2026, 11:09 Uhr

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