Die Junge Union schaut in Paderborn die Rede von Merz nach den Wahlniederlagen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Bildquelle: WDR/Mareike ZeckSie schüttelten den Kopf oder vergruben ihr Gesicht in den Händen - die Mitglieder der Jungen Union (JU) im Kreis Paderborn waren sichtlich erschüttert als die ersten Hochrechnungen über die Leinwand im großen Sitzungssaal der CDU-Zentrale in Paderborn flimmerten.
"Unfassbar enttäuschend" und "total peinlich" waren die ersten Reaktionen auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und das Berliner Ergebnis, das offen lässt, ob die CDU zukünftig noch an der Regierung sein wird, traf die knapp 15 Gäste der Paderborner Wahlparty auch persönlich. Denn viele von ihnen waren im August drei Tage in Berlin um für CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers Wahlkampf zu machen.
Die Berliner CDU-Niederlage ist ein bisschen auch eine Paderborner Niederlage
"Das Ergebnis in Berlin macht uns sehr traurig, weil wir im direkten Gespräch mit den Leuten waren und wir es anscheinend auch nicht hinbekommen haben, ihnen Zuversicht und eine politische Perspektive aufzuzeigen", sagt Nico Grosse, der Vorsitzende der JU im Kreis Paderborn.
Bad Lippspringes Bürgermeister Ulrich Lange (r.) schaut mit JUlern auf die Wahlergebnisse.
Bildquelle: WDR/Mareike ZeckDen Kontakt hergestellt hatte Ulrich Lange, CDU-Bürgermeister von Bad Lippspringe. Denn er ist mit dem Berliner Spitzenkanidaten Evers - der in Paderborn aufwuchs - schon lange befreundet.
"Das Ergebnis wird ihn treffen", sagt Lange über seinen Freund Evers, "denn er macht das nicht für sich selber, sondern für die Leute. Und wenn er nicht an den Hebeln sitzt, wo er schalten kann, dann trifft ihn das ziemlich hart, so wie ich ihn kenne."
Merz' Rede mit "Worthülsen, die wir immer schon gehört haben"
Lange schaute gemeinsam mit der Jungen Union nicht nur die Hochrechnungen sondern auch die Rede von Friedrich Merz an und man sah ihm an, das die ihn an diesem Abend kaum besänftigen konnte.
"Ich hätte mir mehr Aufbruch erwartet. Es ist nichts Neues von ihm gekommen. Es sind wieder Sätze und teilweise auch Worthülsen von ihm gekommen, die wir immer schon gehört haben." Ulrich Lange, CDU-Bürgermeister von Bad Lippspringe
In der Jungen Union im Kreis Paderborn sind sich alle bewusst, dass der Wahlkampf an den CDU-Ständen in Berlin und an den Haustüren der Berlinerinnen und Berliner durch die Bundespolitik überschattet wurde.
Junge CDUler sind gespalten, ob Merz als Kanzler noch der richtige ist
"Die Bundespolitik hat die Leute sehr bewegt. Das haben wir an den Haustüren mitgekriegt. Es ist auch schwierig, das voneinander zu trennen. Wir sind eine Partei", sagt Nico Grosse. Er stehe zwar weiter hinter Merz und der Rentenreform, die der JU besonders wichtig ist. Merz und die CDU müssten die Leute aber auch entlasten - an der Tankstelle zum Beispiel.
Grosses JU-Kollege Fabian Güthoff meint sogar Merz mache einen guten Job. "Es ist halt momentan ein schwieriges Erbe durch Olaf Scholz und Angela Merkel. Man braucht ein dickes Fell jetzt in dem Amt."
Mit Pizza die Ergebnisse verdauen - in der CDU-Zentrale im Kreis Paderborn.
Bildquelle: WDR/Mareike ZeckJUler Emran Asgharzadeh dagegen meint: "Merz bekommt es weder hin, das eigene Volk zusammenzuhalten noch die eigene Partei." Und das sei auch ausschlaggebend für die schlechten Wahlergebnisse im Moment.
Unsere Quellen:
- Junge Union Kreis Paderborn
- Ulrich Lange, Bürgermeister Bad Lippspringe
Sendung: WDR.de, "Junge Union im Kreis Paderborn zu Wahlniederlagen", 20.09.2026, 21.21 Uhr.