Hier wird das neue Stadthaus in Paderborn gebaut.
Bildquelle: WDR / Elke ViethIn Paderborn läuft aktuell ein Großbauprojekt für ein neues Stadthaus. Dabei werden insgesamt fünf Gebäudeteile saniert oder teilweise neu gebaut.
Das Ganze kostet Geld: deutlich mehr als ursprünglich angenommen. Laut aktueller Prognose der Stadt liegen die Kosten bei knapp 78 Millionen Euro. Das sind etwa acht Millionen mehr als noch vor zwei Jahren gedacht. Und die Kosten könnten weiter steigen.
Warum steigen die Kosten immer weiter?
Baukosten sind überall enorm gestiegen. Der Baupreisindex habe sich seit 2019 mehr als verdoppelt. Zudem kämen bei der Paderborner Baustelle weitere Einflussfaktoren: So seien während der Baumaßnahmen mehr Schadstoffe vorgefunden worden. Außerdem sei die Bausubstanz des Gebäudes aus den 50er Jahren marode - maroder als zuvor angenommen. Das erfordert zusätzliche Sanierungsmaßnahmen, die wiederum mehr Geld kosten.
Hier soll das neue Stadthaus Paderborn entstehen.
Bildquelle: WDR / Jana HaverTrotz der steigenden Kosten solle schnell weitergebaut werden: "Je schneller wir hier einziehen, desto schneller können wir Interimskosten, Zinsaufwendungen etc. vermindern", so die Projektleiterin Johanna Jablonski. Jedes Jahr liegen alleine die Interimskosten bei etwa 1,27 Millonen Euro. Das Projekt hat sich bereits aus verschiedenen Gründen immer wieder verzögert.
Wer soll das alles bezahlen?
Ziel der Verantwortlichen ist es, die Bürger und Bürgerinnen nicht noch mehr zu belasten. Eine Möglichkeit, Geld zu sparen, wäre, auf die Nachhaltigkeits-Zertifizierung zu verzichten. Das würde eine halbe Millionen Euro sparen. Zusätzlich braucht es aber noch deutlich mehr Geld. Die Stadt setzt auf Förderungen.
"Neben den bereits zugesagten 15,4 Millionen werden wir weiter rund 14 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes über das Land Nordrhein-Westfalen bekommen. Da sind wir sehr froh drüber." Kämmerer Markus Tempelmann (CDU)
Dieses Sondervermögen des Bundes könne für die Sanierungsmaßnahmen verwendet werden - nicht für den Neubau selbst. Somit würde die Belastung für den Haushalt sogar sinken. Dafür fehlt das Geld dann natürlich bei den insgesamt knapp 67 Millionen Euro Sondervermögen für Insfrastruktur für die Stadt Paderborn. Wie das Geld insgesamt investiert werden soll, werde aktuell intern ausgearbeitet, soll aber noch im Herbst bekannt gegeben werden.
Das Stadthaus: Ein Begegnungszentrum
Um die Gesamtkosten einzuordnen, hat die Stadt ähnliche Projekte mit Verwaltungsgebäuden verglichen.
"Wir bauen nichts, das übermäßig teuer ist - auch im Vergleich mit anderen Kommunen." Johanna Jablonski, Projektleiterin Stadthaus Paderborn
Stand jetzt soll das neue Stadthaus 2029 eröffnet werden. "Das Warten lohnt sich auf jeden Fall, weil wir ein Stadthaus für alle Bürger und Bürgerinnen bauen", sagt Kämmerer Tempelmann.
Markus Tempelmann, Johanna Jablonski und Sören Lühr von der Stadt Paderborn begutachten die Baustelle des neuen Stadthauses.
Bildquelle: WDR / Jana Haver"Wir bauen kein klassisches Verwaltungsgebäude, sondern ein Begegnungszentrum hier im Herzen der Stadt mit unterschiedlichen Dienstleistungen", sagt Jablonski. "Mit Bibliothek, Café, Aufenthaltsmöglichkeiten und mit Dienstleistungen, die über das Verwaltungsthema hinausgehen."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Johanna Jablonski, Projektleiterin Stadthaus Paderborn
- Gespräch mit Markus Tempelmann (CDU), Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Paderborn
- Gespräche und Beobachtungen der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Wie eine Großbaustelle Kommunen unter Druck setzt, 15.09.2026, 20:30 Uhr
