Hohe Kosten für Bochumer Bauprojekte
Bildquelle: WDR / Rainer KukaWDR. 3 Min. 22 Sek.. Verfügbar bis 31.08.2028.
Die Kosten für die Neugestaltung des Husemannplatzes in der Bochumer Innenstadt sind explodiert: von 4,1 Millionen Euro auf 18,6. "Ich glaube, niemand in der Verwaltung hat gewusst, wie man eine Bunkerdecke saniert", sagt Dr. Volker Steude, Mitglied der Ratsgruppe "die Stadtgestalter/Volt".
Der Teufel steckt im Detail. Unter dem zentralen Platz liegt eine dreigeschossige Tiefgarage, die in den siebziger Jahren auch als Bunker gebaut wurde. Doch der Beton bekam im Laufe der Jahrzehnte Risse und musste letztlich aufwendig saniert werden.
Kostenexplosionen, lange Bauzeiten, wenn die Stadt Auftraggeberin ist - das ist in Bochum keine Seltenheit. Und wahrscheinlich nicht nur hier.
Schulzentrum: 120 statt 50 Millionen
Das Schulzentrum Bochum Nord: Politiker berichten, dass der Bau für ein Gymnasium und eine Realschule ursprünglich 50 Millionen Euro kosten sollte. Daraus wurden zwischenzeitlich 150 Millionen und pendelt sich jetzt bei 120 Millionen Euro ein.
Der Kreisverkehr im Stadtteil Weitmar Mark hat rund 3,4 Millionen gekostet. Das blieb von den Kosten her zwar im Rahmen, aber die Bauzeit hatte sich gezogen wie Kaugummi. Immerhin mögen die Bürger ihren Kreisel und die dort gepflanzten Wildblumen.
Das Schulzentrum Bochum Nord kostet voraussichtlich 120 statt 50 Millionen
Bildquelle: WDR / Rainer Kuka"Wir diskutieren einfach zu lange." Sebastian Pewny, Bündnis 90/Die Grünen
Zeit zwischen Planung und Umsetzung dauert zu lange
In Bochum regieren seit fast 30 Jahren SPD und Grüne. Sebastian Pewny, Fraktionschef der Grünen im Rat, sieht einen Teil der Schuld für die hohen Kosten und die langen Bauzeiten auch in der Politik. "Wir diskutieren einfach zu lange. Die Verwaltung legt eine Planung vor und dann gibt es von uns hier Änderungswünsche und da und dann wird wieder umgeplant und die Kosten laufen aus dem Ruder."
Und Pewny nennt weitere Gründe: "Der Zwang, immer den billigsten Anbieter zu nehmen, führt zu Nachbesserungen und dann wird alles teurer." Kommunen sind aus Gründen der Sparsamkeit gehalten, die Firma mit dem günstigsten Angebot auszusuchen.
Forderung nach Generalunternehmer
Davon will Pewny weg und spricht sich für die Vergabe an Generalunternehmer aus. Private Investoren machen das in der Regel so. Dadurch gibt es nur einen Ansprechpartner für die Geldgeber. Bisher ist es so, dass bei Bauprojekten die Stadt die einzelnen Gewerke beauftragt.
Dr. Volker Steude schlägt vor, dass die Verwaltung für ein Bauprojekt mehrere Kostenplanungen vorlegt. "Wenn man dann feststellt, die Kosten schnellen in die Höhe, kann eine einfachere Ausführung statt der besseren gewählt werden." Denn immerhin würden die Ratsmitglieder Steuergeld ausgeben. "Manchen Politikern sind die schönen Fotos bei der Eröffnung wichtiger als die Rechnung, die letztlich der Bürger zahlen muss."
Stadt Bochum: Bauunterlagen nicht vollständig
Die Stadt Bochum kann jede Kostensteigerung begründen. Mal sind es gestiegene Materialkosten, mal unvorhergesehene Krisen, die lokal durchschlagen. Oder - wie im Falle des Husemannplatzes: Da waren frühere Bauunterlagen nicht mehr auffindbar beziehungsweise lückenhaft.
Ob die Bürger den Husemannplatz einmal mögen werden, wenn er fertig ist, darf durchaus bezweifelt werden. Grün und etwas Wasser befindet sich an den Rändern. "Ein bisschen viel Beton", findet eine Passantin.
Unsere Quellen:
- Sebastian Pewny, Fraktionsvorsitzender B90/ die Grünen
- Dr. Volker Steude, Ratsherr, Ratsgruppe "die Stadtgestalter/ Volt“
- Stadt Bochum
- Beobachtungen des WDR Reporters vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 31.08.2026, 9:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Hohe Kosten für Bochumer Bauprojekte, 31.08.2026, 16:45 Uhr
