Moorprojekt im Lütener Wald startet | Aktuelle Stunde

00:23 Min. Verfügbar bis 12.01.2028

Weltweit einzigartige Forschung: Lüntener Wald soll wieder nass werden

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Der Lüntener Wald bei Vreden soll so werden wie vor 120 Jahren: nämlich nass. Darum müssen die Entwässerungsgräben weg - wissenschaftlich begleitet. Ein weltweit einzigartiges Forschungsprojekt.

Von Nicole Albers

Seit Montagmorgen arbeiten Landschaftsgärtner mit Bagger und Schaufeln im Lüntener Wald. Knietief stehen sie im Wasser mitten in einem Graben. Ihr Ziel ist es, in den Graben ein Wehr zu setzen, also eine Sperre, bestehend aus einem dicken Holzbrett. Das Wehr soll dafür sorgen, dass nur wenig Wasser abfließen kann. In anderen Teilen des Waldes wurden im Herbst 2025 bereits abgesägte Bäume in den Graben gelegt. Dort staut sich bereits das Wasser.

Der Wald soll wieder ein Moor werden

Christoph Lünterbusch betreut für den LWL das Projekt zur Waldvernässung im Lüntener Wald

Christoph Lünterbusch betreut für den LWL das Projekt zur Waldvernässung im Lüntener Wald

Genau darum geht es bei dem Projekt: Grund- und Regenwasser sollen im Wald bleiben und sich über die Fläche ausbreiten. Dadurch soll aus dem Wald in Teilen wieder eine Moorlandschaft werden. "Das ist wunderbar, so können sich hier wieder Tier- und Pflanzenarten ansiedeln, die in der Trockenheit keine Chance haben", erzählt Christoph Lünterbusch. Er arbeitet beim LWL und betreut das Projekt.

Für ihn ist das nicht irgendein Unternehmen. "Mir liegt das schon sehr am Herzen, denn ich kenne den Wald schon von Kindesbeinen an." Und so weiß er auch, wie trocken große Teile des Gebietes waren. Schuld daran ist zum einen der Klimawandel, aber der trockene Boden im Lüntener Wald ist außerdem eine Folge der Forstwirtschaft.

Weltweit einzigartige Forschung: Lüntener Wald soll wieder nass

WDR Studios NRW 12.01.2026 00:40 Min. Verfügbar bis 12.01.2028 WDR Online

Wald wurde vor 120 Jahren trockengelegt

Vor gut 120 Jahren wurden dort tiefe Gräben gebuddelt, um den Wald trocken zu legen und Kiefern anbauen zu können. Heute jedoch weiß man, dass entwässerte Moore viel gespeichertes Kohlenstoffdioxid freisetzen - deswegen werden vielerorts Moore wieder vernässt.

Und jetzt auch im Lüntener Wald. Welchen Einfluss das auf Klima, Natur und Umwelt haben wird, das wird wissenschaftlich genau beobachtet. Und zwar schon seit diesem Sommer.

Wald steht unter wissenschaftlicher Beobachtung

Möglich ist das durch eine enge Zusammenarbeit des Instituts für Landschaftsökologie der Universität Münster, dem LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb und dem LWL-Museum für Naturkunde. Auch das eine Besonderheit, denn es gibt laut LWL "keinen vergleichbaren Fall, bei dem Treibhausgase in einem Moorwald sowohl vor als auch nach der Wiedervernässung präzise gemessen werden."

Messungen finden bereits seit mehreren Monaten statt

An einem Turm im Lüntener Wald ist in 30 Metern Höhe ein Sensor angebracht.

Dokumentieren alles: Sensoren auf dem extra errichteten Turm im Lüntener Wald

Ein bereits aufgestellter 30 Meter hoher Messturm ist seit Sommer Mittelpunkt des weltweit einzigartigen Forschungsprojekts - voll bepackt mit Messinstrumenten. Sie messen Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Strahlung in der Luft. Weitere Sensoren im Boden sorgen für ein Gesamtbild der Klimaentwicklung im Wald.

Die Forschung dient dem Ziel, die klimatische Wirkung von Wiedervernässungsmaßnahmen in einem bisher stark entwässerten Waldgebiet präzise über mehrere Jahre zu messen und langfristig zu bewerten. Dann soll der Turm wieder zurückgebaut werden.

Wasser staut sich in einem Graben in einem Wald

An einigen Stellen des Grabens stauen bereits die vor einigen Wochen hineingeworfenen Bäume das Wasser

Der Bau des Wehrs im Graben am Montag zeigt bereits Wirkung: Das gestaute Wasser sucht sich bereits einen Weg, und zwar mitten in die Fläche des Waldes hinein. Genau dort soll es auch hin.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • LWL-Museum für Naturkunde in Münster
  • LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb

Sendung: WDR 2, Lokalzeit Münsterland, 12.01.2026, 15.31 Uhr

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