"Noch digitaler werden" - Das will das digitalste Dorf der Welt in OWL
07:32 Min.. Verfügbar bis 24.07.2027.
Etteln - Das 1800 Seelen Dorf südlich von Paderborn hat 2024 die Welt überrascht. Es wurde als beste "Smart City" - das digitalste Dorf der Welt ausgezeichnet. Jetzt will das Dorf die prämierten digitalen Systeme weiterentwickeln und schon ab September unter anderem einen digitalen Arzthelfer anbieten.
Ärztemangel in Etteln: KI und Online-Sprechstunde als Lösung
Der digitale hausärztliche Versorgungsassistent ist vor allem an ältere Menschen gerichtet, die sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen müssen. Statt zum Arzt sollen die Patienten dann zu einer ausgebildeten Krankenschwester in einer ehemaligen Hausarztpraxis, gehen. Dort wird dann zum Beispiel ihr Blut abgenommen.
Digitale Leinwände in Etteln
Die Ergebnisse werden von einer Künstlichen Intelligenz voranalysiert, an einen Arzt weitergeleitet, der mit den Patienten dann per Videoschalte spricht. Das soll vor allem die Wartezimmer im Ort entlasten. Etteln hat zwar noch ein paar Ärzte, aber es werden immer weniger. Der Nachwuchs fehlt und fast die Hälfte aller Ärzte in Ostwestfalen-Lippe sind schon wenigstens 60 Jahre alt.
Kommunale Datenräume für mehr Sicherheit
Der Vorteil von kommunalen Datenräumen ist, dass alle Daten in der Region bleiben und nicht auf Server im Ausland gespeichert werden. Genau deshalb will Etteln jetzt einen eigenen Datenraum einrichten. Genutzt werden soll er zum Beispiel für Bürgerdaten, Energie- und Umweltdaten.
In einem weiteren Pilotprojekt sollen damit für einige Haushalte versuchsweise dynamische Strompreise ermittelt werden. Dabei werden Technologien aus dem nicht ganz unumstrittenen europäischen Gaia-X Projekt genutzt.
Eine Europäische Digitalplatform für Etteln - aber nicht ohne Kritik
Ortsvorsteher von Etteln, Ulrich Ahle
Gaia-X wurde schon 2019 ins Leben gerufen und sollte die digitale Souveränität Europas stärken. Und das mit Transparenz und Kontrolle. Das ausgerechnet Gaia-X in Etteln zum Einsatz kommt, scheint kein Zufall. Der Ortsvorsteher von Etteln, Ulrich Ahle, ist auch der Geschäftsführer von Gaia-X.
Kritiker finden Gaia-X zu komplex, zu abstrakt und wenig greifbar. Zu viele Gremien und Akteure würden Entscheidungsprozesse in die Länge ziehen. Außerdem seien mit Microsoft, Amazon und Google nicht-europäische Software-Riesen mit im Boot, was deutlich gegen den ursprünglichen Gedanken einer europäischen Digitalplattform spräche.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Stadt Borchen-Etteln