Mehr Hilfe für Frauen: Neues Gewaltschutz-Zentrum in Soest
Bildquelle: WDR / Eva Schulze-Gabrechten01:39 Min.. Verfügbar bis 26.02.2028.
Es ist schon viel los im neuen Gewaltschutz-Zentrum in Soest: Handwerker tragen neue Türen in das Gebäude unweit der Soester Innenstadt, bringen Gardinenstangen an oder kontrollieren den gerade installierten Fahrstuhl. Es sind die letzten Handgriffe nach über einem Jahr Bauzeit.
Im neuen Gewaltschutz-Zentrum gibt es mehrere Beratungsstellen für Frauen.
Bildquelle: WDR / Eva Schulze-GabrechtenDas Konzept des neuen Gewaltschutz-Zentrums am Feldmühlenweg ist einzigartig in der Region: Hier sollen Frauen, die Gewalt erlebt haben, alle Anlaufstellen an einem Ort finden: Die Frauenberatungsstelle des Kreises Soest, mehrere Fachberatungsstellen - beispielsweise für Prostituierte oder Opfer von sexualisierter Gewalt - und das Frauenhaus. Unter Leitung der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen sollen Betroffene an einem Ort umfassend unterstützt werden.
Doppelt so viele Frauenhaus-Plätze - aber noch immer zu wenige
Mit 16 Apartments bietet das Gewaltschutz-Zentrum doppelt so viele Plätze wie das bisherige Soester Frauenhaus, das es ersetzt. Trotzdem seien das leider noch immer nicht genug, erklärt Birgit Reiche, Leiterin der Evangelischen Frauenhilfe: "Im Kreis Soest müsste es eigentlich 30 Plätze geben, und unser Frauenhaus ist das einzige, das es gibt. Da haben wir zukünftig 16 Plätze. Schon im Kreisgebiet ist also auch mit dem großen Frauenhaus der Bedarf noch nicht gedeckt."
Zwei der neuen Apartments im Frauenhaus sind für Rollstuhlfahrerinnen eingerichtet
Bildquelle: WDR / Eva Schulze-GabrechtenTrotzdem sei das neue Gewaltschutz-Zentrum ein großer Fortschritt, so Reiche. Alle Apartments sind barrierefrei, zwei speziell für Rollstuhlfahrerinnen eingerichtet. Außerdem gibt es jetzt auch größere Apartments - beispielsweise für Frauen, die mehrere Kinder mitbringen. Das sei entscheidend, um diese Frauen zu erreichen. Denn ohne ihre Kinder würden Frauen eine Gewaltsituation nicht verlassen.
Adresse des neuen Gewaltschutz-Zentrums ist öffentlich
Ebenfalls ein Novum: Die Adresse des Gewaltschutz-Zentrums ist - im Gegensatz zum bisherigen Soester Frauenhaus - nicht mehr geheim. Die Idee dahinter: So wissen Frauen, dass es entsprechende Unterstützungsangebote gibt. Und die Hemmschwelle sinke, erklärt Reiche.
Wir sagen: Betroffene von häuslicher Gewalt sollen sich nicht verstecken müssen. Sondern mit einem geschützten Haus mit bekannter Adresse ist deutlicher, dass es Unterstützungsangebote für Frauen gibt. Birgit Reiche, Leiterin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen
Start in eine gewaltfreie Zukunft für Frauen und Kinder
Birgit Reiche, Leiterin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen
Bildquelle: WDR / Eva Schulze-GabrechtenZunächst aber hat Birgit Reiche vor allem einen Wunsch: „Ich wünsche mir, dass die Apartments hier ein Zuhause auf Zeit sein können, in denen die Frauen und Kinder sich stabilisieren können. Und in eine gewaltfreie Zukunft starten können.“ Am Freitag wird das neue Gewaltschutz-Zentrum in Soest offiziell eröffnet. Anfang März können die ersten Frauen einziehen.
Hilfsangebote für von Gewalt betroffene Frauen und Männer:
Hier finden Menschen, die selbst von Gewalt betroffen sind, und ihre Angehörigen Unterstützung:
Unsere Quellen:
- Evangelische Frauenhilfe in Westfalen
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 25.2.2026, 19.30 Uhr.