Parka-Schlafsäcke für Obdachlose in Münster
Bildquelle: WDRLokalzeit Münsterland. 10.10.2025. 2 Min. 33 Sek.. Verfügbar bis 10.10.2027. WDR. Von Antje Kley.
Es ist das erste Mal, dass sich die Ehrenamtlichen von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Münster in diesem Jahr treffen. Es ist 21 Uhr und dunkel – gute Chancen, die Obdachlosen an ihren Schlafplätzen zu finden.
Acht sind zum Verteilen der sogenannten Sheltersuits, das sind wind- und wasserfeste Jacken mit Schlafsack, gekommen.
Sebastian Schauff von der Johanniter Hilfsgemeinschaft Münster
Bildquelle: WDRSebastian Schauff ist einer von ihnen und macht das seit fünf Jahren. Er teilt die Leute in drei Gruppen ein: jeder nimmt ein bis zwei Parka-Schlafsäcke. Dann geht es los: zu den Schlafplätzen. Zusammen mit einer Bekannten durchquert Sebastian Schauff die Fußgängerzone.
Ein Schlafsack zum Anziehen
Schon nach ein paar hundert Metern: die erste Obdachlose. Eine Frau, seit zwei Jahren auf der Straße. Er bietet ihr einen Parka-Schlafsack an und zeigt ihr, wie der funktioniert. Nachts ist der Sheltersuit ein Schlafsack.
Tagsüber kann man den Parka abzippen und so tragen – er ist warm und wasserfest. Die Frau ist begeistert – lehnt aber ab. Sie hat schon zu viel Gepäck, sagt sie.
Die nächsten beiden nehmen einen. Es sind ein Mann und eine Frau. Beide schwer angetan, dass man das Oberteil als Jacke tragen kann – sogar ein Schal ist eingenäht. Die Johanniter geben die Sheltersuits kostenlos ab. Genäht werden sie in den Niederlanden.
Best Practice aus Münster
Die Idee der Parka-Schlafsäcke finden die meisten super
Bildquelle: WDRMünster war die erste Stadt in Nordrhein-Westfalen, die Parka-Schlafsäcke an Obdachlose verteilt hat. Das war vor fünf Jahren. Seitdem haben andere Städte wie Bielefeld oder Essen nachgezogen. Die Sheltersuits kosten 300 Euro pro Stück. Finanziert werden sie über Landeszuschüsse und Spenden.
Sebastian Schauff hat den nächsten Obdachlosen angetroffen – auch der will noch keinen Parka-Schlafsack. "Es ist zurzeit noch warm genug", sagt Schauff. Sobald es nachts unter 10 Grad geht, steigt die Nachfrage – das ist seine Erfahrung.
Rund 1.000 Obdachlose in Münster
Rund 1000 Obdachlose gibt es in Münster, allein 45 in der Innenstadt – die Zahl steigt. Und damit auch der Bedarf an den Sheltersuits.
In dieser Nacht verteilen die Ehrenamtlichen der Johanniter-Hilfsgemeinschaft fünf Sheltersuits. In der kommenden Woche machen sie weiter. Bis in den Februar hinein ziehen die Freiwilligen los – solange es kalt ist. So wollen sie Menschen vor dem Erfrieren retten.
Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Johanniter-Hilfsgemeinschaft Münsterland