"Drei, zwei, eins - und Wechsel" - Der 15-jährige Viktor ist konzentriert: "Man muss auf den Rhythmus achten." Etwa eine Minute wird reanimiert, dann ist schon der Nächste dran. Jonte geht in die 7. Klasse, er ist aufgeregt – auch wenn natürlich kein echter Mensch, sondern eine Puppe reanimiert wird. "Ich habe das noch nie vorher gemacht und am Anfang gemerkt, dass es eigentlich richtig schwierig ist, die Kraft aufzuwenden, aber das hat am Ende gut funktioniert", erzählt der 12-Jährige. Nach der Herzdruckmassage darf jeder auf dem großen Banner in der Eingangshalles des Krankenhauses unterschreiben.
"Ich hoffe, dass ich das irgendwann auch mal einsetzen kann. Also ich hoffe nicht, dass jemand ohnmächtig wird, aber falls jemand ohnmächtig wird, dass ich ihm helfen könnte.“ Jonte. 7. Klasse Marienschule Bielefeld
168 Stunden Herzdruckmassage am Stück
Die ganze Woche wird in der Eingangshalle des Bielefelder Krankenhauses an einer Puppe eine Herzdruckmassage durchgeführt - ohne Pause - auch nachts. Ziel ist es, auf die Wichtigkeit der schnellen Reanimation aufmerksam zu machen, die oft Leben rettet.
Am Montagvormittag waren vor allem Schulklassen bei der Aktion dabei.
Bildquelle: WDR/Jana HaverTagsüber werden hier vor allem Schüler und Schülerinnen aktiv - nachts dann wahrscheinlich überwiegend die Profis, wie Initiator Niels Rahe-Meyer. "Es ist wichtig, dass Laien die Herzdruckmassage durchführen können - bevor der Rettungsdienst kommt", erklärt der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie.
"Der Kreislaufstillstand ist die häufigste Todesursache in Deutschland und die einzige Todesursache, bei der wir als Laien den Tod wieder rückgängig machen können." Niels Rahe-Meyer, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie.
Wenn Laien reanimieren müssen
Jede und jeder kann in die Situation kommen Leben zu retten. "Bevor der Rettungsdienst kommt, droht das Gehirn abzusterben", erklärt der Experte. "Deswegen muss der Laie - nachdem er den Rettungsdienst gerufen hat - schon anfangen die Herzdruckmassage zu machen."
Marie und Lina üben die Herzdruckmassage an Extra-Puppen.
Bildquelle: WDR/Jana HaverRahe-Meyer erklärt den Schülern und Schülerinnen, wie die Reanimation geht – und wann man überhaupt reanimieren muss. "Wichtig ist natürlich, dass man erkennt, dass überhaupt so ein Kreislaufstillstand vorliegt. Da ist ein Mensch, den man nicht mehr aufwecken kann - weder mit Rütteln, Schütteln und Rufen und der nicht mehr atmet. Dann ruft man 112 und fängt an mit der Herzdruckmassage." So überbrückt man die Zeit bis der Rettungswagen kommt.
"Atemlos", "Staying alive" - Hauptsache der Rhythmus stimmt
Marie und Lina üben die Herzdruckmassage vorher an Extra-Puppen. Für den richtigen Rhythmus geht dabei das Lied "Atemlos" durch den Kopf. Bennet hat da ein anders Lied im Sinn: "Bei mir war es Staying Alive von den Bee Gees."
Mit der Herzdruckmassage Leben retten
Tagsüber wird sich fast minütlich beim Reanimieren abgewechselt. Die Zehntklässlerin Naemi freut sich dabei mitmachen zu dürfen. "Man macht was und weiß, dass man dabei ist. Das ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man bei einem Weltrekordversuch mitgemacht hat." Sie hofft, das Gelernte in der Praxis nicht anwenden zu müssen, ist aber natürlich bereit dafür.
"Ich hätte Respekt davor, das in echt zu machen – auch weil man vielleicht dabei Rippen bricht." Naemi, 10. Klasse Otto-Hahn-Realschule Herford
Aber wenn es drauf ankommt, würde die 15-Jährige nicht zögern, "weil ich dann ein Leben retten muss und dann ist es egal, ob ich mir da unsicher bin.“
Ayse, Jenni und Liv unterschreiben ihre Teilnahme am Weltrekordversuch
Bildquelle: WDR/Jana HaverAyse hat heute zum ersten Mal eine Herzdruckmassage geübt: "Ich dachte, dass es anstrengender wird. Aber es war viel einfacher als gedacht." Im Anschluss an die Aktion unterschreibt sie mit ihren Mitschülerinnen auf dem großen Banner zum Weltrekord. "Wenn ich das mal bei einem richtigen Menschen machen müsste, wäre das bestimmt aufregender", sagt sie.
Reanimation als offizieller Schulbestandteil
Seit diesem Schuljahr ist Reanimationsunterricht an Schulen in NRW Pflicht. Alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 9 sollen verpflichtend in Laienreanimation ausgebildet werden, so das Land. "Die Schüler sollen das Reaniminieren schon früh lernen - auch damit keine Ängste im Spiel sind und sie das nötige Selbstbewusstsein bekommen", erklärt Niels Rahe-Meyer. "Auch um das zu feiern, machen wir hier jetzt diesen Weltrekordversuch."
Mit der Aktion will das Krankenhaus auf die lebensrettende Bedeutung der Reanimation aufmerksam machen. Das Ganze wird wird in einem Livestream übertragen. Schulen und die Bevölkerung sind zum Mitmachen aufgerufen. Die Aktion findet im Rahmen der Woche der Wiederbelebung statt.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
- Gespräch mit Niels Rahe-Meyer, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie
- Gespräche mit Schülern und Schülerinnen vor Ort
Sieben Tage Reanimation am Stück
Bildquelle: WDR/Jana HaverWDR. 1 Min. 37 Sek.. Verfügbar bis 21.09.2028.
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 12.45 Uhr, 21.09.2026
