Die runden Ballen mit der grünen Folie stapeln sich zu Hunderten. Vor dem Kuhstall, hinter dem Kuhstall, entlang des Treckerparkplatzes, auf der Wiese. Die 160 Milchkühe und 80 Jungtiere auf dem Hof in Kierspe im Sauerland werden gut durch den Winter kommen.
Nur ein paar Kühe, die in wenigen Tagen Kälbchen bekommen, stehen im Stall.
Bildquelle: Claudia Roelvinck / WDRWeil das Gras auf den Weiden so gut gewachsen ist, konnten die Landwirte es fünf Mal schneiden. Meistens klappt das nur drei oder vier Mal. Jetzt hoffen die Bauern sogar, dass es deutlich kälter wird und das Gras dadurch endlich aufhört zu wachsen. Denn eine sechste Ladung Winterfutter können sie nicht gebrauchen.
Mehr als genug "Kuh-Sauerkraut"
Die Ballen mit dem Winterfutter stapeln sich vor dem Kuhstall.
Bildquelle: Claudia Roelvinck / WDRIn den grünen, luftdichten Folien ist das Gras monatelang haltbar. Es vergärt darin – vergleichbar mit Sauerkraut. Noch fressen die Kühe das frische Gras von der Wiese. Doch sobald es kälter wird und sie in den Stall kommen, gibt es das „Kuh-Sauerkraut“. Und zusätzlich gehächselte Maispflanzen. Auch hier war die Ernte so gut wie lange nicht. Die Silos sind bis zum Anschlag gefüllt.
Was die Landwirte aus dem Sauerland berichten, gilt für ganz NRW. Fast überall ist der Mais außergewöhnlich gut gewachsen. Nur an Standorten mit sandigem Boden haben die Pflanzen etwas zu wenig Wasser bekommen, die Maiskolben sind kleiner geblieben.
Im ganzen Land sind die Kartoffeln sehr gut gewachsen. Das betrifft sowohl die Menge als auch die Größe. Doch die ungewöhnlich gute Ernte sorgt nicht nur für Begeisterung. Manche Bauern wissen gar nicht mehr, wohin mit all den Kartoffeln.
Biogasanlage statt Kartoffellager
Weil es so viele Kartoffeln gibt, zahlen die großen Abnehmer aktuell nicht so viel wie sonst. Die Bauern könnten die Kartoffeln über Wochen in großen Hallen einlagern und frisch halten - doch das kostet Geld, das am Ende über den Verkaufspreis vielleicht nicht wieder hereinkommt.
So mancher Bauer hat für sich ausgerechnet, dass er einen Teil der Ernte daher lieber in die Biogasanlage gibt, als die Kartoffeln über mehrere Monate hinweg aufwändig frisch zu halten.
Vor einem ähnlichen Problem stehen auch mache Obstanbauer. Weil es im Frühjahr zur Blütezeit keinen Frost gab, hängen gerade auch die Apfelbäume sehr voll. Es gibt so viele Früchte, dass sie nicht alle frisch oder im Kuchen gegessen werden können.
Äpfel kann man in großen Hallen mit niedriger Temperatur und Stickstoffzufuhr über Monate frisch halten. Doch die Erzeuger müssen gut überlegen, ob sich der Aufwand am Ende finanziell rechnet. Immerhin gibt es für die Äpfel aber eine Alternative zur Biogasanlage: die Saftpresse.
Unsere Quellen:
- Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
- Rheinischer Landwirtschaftsverband
- Landwirtschaftskammer NRW