Zweiteilung des Rheins wegen Niedrigwasser möglich | Video
Bildquelle: WDRWDR. 00:42 Min.. Verfügbar bis 10.08.2028.
Die Stelle an dem für Schifffahrt und Wirtschaft wichtigen Pegel Kaub zwischen Koblenz und Mainz ist selbst bei normalen Verhältnissen herausfordernd, erzählt Jens Schwanen dem WDR. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) erklärt: Hier müsse man sehr aufmerksam sein, weil die Fahrrinne dort weniger tief sei.
Kaub gilt bei der Schifffahrt auch deswegen als besonders herausfordernd, weil dort Felsen das Flussbett einengen. Nun wird an dem Pegel am Freitag nur noch ein Stand von 4 Zentimetern erwartet. "Und das darf einen tatsächlich besorgen, weil es führt dazu, dass an dieser Stelle gewerbliche Schifffahrt de facto nicht mehr möglich ist, auch wirtschaftlich keinen Sinn mehr geben würde", sagt Schwanen.
Neben dem Gütertransport wäre auch die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt davon betroffen. Darauf hatte Schwanen zuvor in der "Rheinischen Post" hingewiesen. "Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt."
"Wir haben jetzt eine wirklich dramatische Situation, von der wir nicht wissen, wie lange sie dann tatsächlich noch andauern wird." BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen im WDR-Interview.
Doch was bedeutet das konkret? Zwischen den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie Nordrhein-Westfalen bis etwa Köln könne der Schiffsverkehr weiterhin stattfinden. Weiter südlich gäbe es dann noch Verkehr an den Nebenflüssen Neckar, Mosel und Main sowie auf dem Main-Donau-Kanal, so der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt.
An der Rhein-Engstelle Kaub droht der "Kollaps"
Dass die Lage ernst ist, betont auch Andreas Wagner aus dem ARD-Wetterteam. "Für den Rhein bei der Engstelle in Kaub droht der Kollaps", so der Hydrologe. Er erwartet ebenfalls: Dort werde wahrscheinlich im Laufe der Woche kein Schiffsverkehr mehr möglich sein.
Zum Wochenstart lag der Pegelstand in Kaub nur noch bei 17 Zentimetern. Das ist ein Rückgang von 6 Zentimetern im Vergleich zum Vortag, wie Hydrologe Andreas Wagner betont. Für ihn ist es durchaus plausibel, dass in der zweiten Wochenhälfte am Pegel Kaub der Wert in den einstelligen Bereich geht.
Niedrigwasser am Rhein: Experte spricht von "neuen Dimensionen"
"Das sind neue Dimensionen", betont ARD-Experte Wagner. Der bisherige Tiefstand aus dem Oktober 2018 habe bei 25 Zentimetern gelegen - rund viermal mehr als jetzt erwartet werden. Deshalb gebe es hier keine Erfahrungswerte.
Sollte der Pegelstand sogar auf 0 Zentimeter fallen, läge die Tiefe der Schifffahrtsrinne nur noch bei rund 1,2 Metern. Dann könnten nur noch kleinere Schiffe passieren, so Wagner.
Niedrigwasser-Lage: Blick auf den Rhein bei Köln.
Bildquelle: IMAGO/Rene TrautRhein-Pegelstände: keine nachhaltige Entspannung in Sicht
Eine wirkliche Entspannung ist bei den Rhein-Pegelständen derzeit auch nicht in Sicht, sagt ARD-Experte Wagner. Bis Ende dieser Woche erwarten die Mehrheit der Wettervorhersagemodelle nämlich keine bedeutsamen Regenmengen.
Allerdings gibt es für die Zeit danach zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer. Doch dafür, dass sich die Niedrigwasser-Lage nachhaltig verbessert, seien viel größere Mengen nötig, als aktuell vorhergesagt werden.
Auch Jens Schwanen vom Verband BDB rechnet nicht mit einer schnellen Verbesserung. Er verweist auf einen Experten der Bundesanstalt für Gewässerkunde. "Und der sagte mit äußerster Vorsicht, es sei wahrscheinlich Ende August damit zu rechnen, dass die Wasserstände wieder leicht steigen würden". Das sei keine gute Prognose, betont Schwanen.
Großer wirtschaftlicher Schaden erwartet
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt rechnet mit einem großen wirtschaftlichen Schaden. Wie hoch der genau ausfallen wird, lasse sich derzeit nicht annähernd beziffern. "Ich kann nur sagen, er ist mit Sicherheit größer als es bereits 2018 gewesen ist, als wir dieses Niedrigwasserereignis hatten", betont Geschäftsführer Schwanen.
Rhein-Zweiteilung: Überbrückung der unpassierbaren Strecke per Lkw unrealistisch
Leeres Binnenschiff am Krefelder Hafen
Bildquelle: IMAGO/Martin WagnerDoch was würde konkret passieren, wenn es wirklich zu einer Zweiteilung des Rheins kommen würde - würde dann die Ladung für die gesperrte Strecke erst auf Lkw umgeladen und danach wieder zurück auf ein Schiff?
Theoretisch wäre das denkbar, teilte das Logistikunternehmen Rheincargo dem WDR mit. Entscheiden müssten das die Kunden. Doch realistisch sei das nicht, denn es dürfte zu teuer sein. Rheincargo verweist zudem darauf, dass die Schiffe ja wegen des Niedrigwassers bereits jetzt mit geringerer Ladung unterwegs sind, was ein Umladen zusätzlich finanziell unattraktiv macht.
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt verweist auf eine gemeinsame Anstrengung von Schifffahrt, Schiene und Straße. Aber zum Beispiel für die chemische Industrie sei es gar nicht möglich, ohne weiteres den Verkehrsträger zu wechseln.
Die Schiffe würden große Mengen an Gütern transportieren. Man habe gar nicht genug Lkw und Fahrer, um sie komplett zu ersetzen, sagt Geschäftsführer Schwanen im WDR-Gespräch. "Und trotzdem ist das gemeinsame Bemühen richtig und notwendig in so einer, man kann schon sagen krisenhaften Situation".
Müssen wegen des Rhein-Niedrigwasser noch mehr Lkw unterwegs sein?
All das bedeutet: Auch wenn es keine einfache Lösung gibt, dürften erstmal mehr Waren-Transporte auf Schiene und Straße umgelegt werden. Wegen des extremen Niedrigwassers haben NRW und weitere Bundesländer bereits das Sonntagsfahrverbot für bestimmte Lastwagen gelockert.
Doch wie sollten Politik und Wirtschaft künftig mit Niedrigwasser am Rhein umgehen? Schließlich rechnen Expertinnen und Experten damit, dass solche Probleme durch den Klimawandel mehr werden. BDB-Geschäftsführer Schwanen verweist im WDR-Interview darauf, dass schon nach dem Niedrigwasser 2018 ein Aktionsplan mit dem Bundesverkehrsministerium aufgestellt wurde.
Davon sei auch schon viel abgearbeitet worden. Aber einer der Punkte sei auch gewesen, wie man als längerfristige Maßnahme mit den sich häufenden Niedrigwasser-Ereignissen umgehen könne. "Und das ist in meinen Augen bisher noch nicht ausreichend bearbeitet worden", findet Schwanen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Jens Schwanen vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt
- Berichterstattung der "Rheinischen Post"
- Einschätzungen von Andreas Wagner aus dem ARD-Wetter-Team
- WDR-Gespräch mit Logistikunternehmen Rheincargo
- Nachrichtenagentur Reuters
Sendung: WDR.de, Wird der Rhein jetzt zweigeteilt?, 10.08.2026, 12:04 Uhr.