Auffangstationen am Limit: Wildtiere leiden unter der Hitze
Bildquelle: WDR/ Lena WenschWDR. 00:44 Min.. Verfügbar bis 12.08.2028.
"Es ist eine Katastrophe. Sowas habe ich noch nie erlebt. Die Tiere kommen wirklich in einem desolaten Zustand. Sie sind dehydriert, krank und haben teilweise schon Organschäden." Gerlinde Heimann betreibt seit 15 Jahren in ihrem Haus in Bergisch Gladbach eine große Eichhörnchen-Auffangstation. Die 63-Jährige päppelt hilfsbedürftige und verletzte Eichhörnchen liebevoll auf.
Aktuell versorgt Gerlinde Heimann in ihrer Auffangstation 43 Eichhörnchen und mehrere Siebenschläfer. Die Siebenschläferjungen würden oft mit Eichhörnchen verwechselt werden, erklärt sie. Mehrmals am Tag klingelt ihr Telefon - immer mit der Anfrage, ob sie noch weitere Eichhörnchen aufnehmen kann. Doch die Station platzt aus allen Nähten.
50 Prozent höhere Auslastung als vor der Hitze
Gerlinde Heimann hat seit 15 Jahren eine Auffangstation
Bildquelle: WDR/ Lena WenschEichhörnchen nisten nicht nur auf hohen Bäumen, sondern auch unter Dächern oder auf Fensterbrettern. Dort kann die Hitze besonders für Jungtiere schnell zum Problem werden. "Dann springen die einfach runter, weil sie die Hitze nicht mehr aushalten. Und liegen dann die irgendwo herum und werden von den Müttern nicht mehr mitgenommen. Denn die kümmern sich nicht um verletzte Junge", erklärt Heimann.
Wenn die Eichhörnchen zu Gerlinde Heimann gebracht werden, sind die allermeisten total verschrumpelt. "Die können kaum noch schlucken und die Augen stehen schon hervor, weil sie seit Tagen nicht getrunken haben." Besonders drastisch sei die Situation bei manchen männlichen Jungtieren:
"Aus Verzweiflung versuchen die Eichhörnchen sogar ihren Urin zu trinken und haben dann total entzündete Geschlechtsteile." Gerlinde Heimann, Eichhörnchen-Auffangstation
Tiere können nicht ausgewildert werden
Ein dehydriertes Eichhörnchenjunges
Bildquelle: WDR/ Lena WenschDie Regeneration der Wildtiere dauert aktuell ungewöhnlich lange – was auch an dem desolaten Zustand liegt, in dem viele Tiere zur Station gebracht werden. "Normalerweise sind bei einem dehydrierten Tier nach zwei, drei Tagen die Falten weg. Aktuell dauert das teilweise bis zu 14 Tage", erklärt Heimann. So auch bei dem Eichhörnchenjungen auf dem Foto. Alle drei Stunden muss Gerlinde Heimann solche Jungtiere dann mit der Flasche füttern.
So entsteht in der Auffangstation ein immer größerer Rückstau: Die Außengehege sind bereits voll mit Eichhörnchen, die längst wieder in der Natur leben könnten. Doch die aktuellen Temperaturen machen das unmöglich.
"Die Tiere würden innerhalb von Stunden sterben. Die finden ja nichts mehr, kein Wasser und kein Futter." Gerlinde Heimann, Eichhörnchen-Auffangstation
Igel finden keine Nahrung mehr im Boden
Ein Igel in der Auffangstation in Sankt Augustin
Bildquelle: WDR/ Lena WenschAuch in der Igelstation in Sankt Augustin sieht die Lage nicht besser aus. Die Station ist mehr als voll. Und das, obwohl der Sommer früher die ruhigste Zeit des Jahres war. „Da konnte man auch mal in den Urlaub fahren. Heute ist hier Dauerbetrieb“, erzählt die Betreiberin. Denn in den ausgetrockneten Böden finden Igel kaum noch etwas zu fressen.
Aktuell versorgt sie 21 Igelbabys. Einige von ihnen muss sie mit der Hand füttern. "Die Boxen stehen direkt neben meinem Bett, damit ich nicht alle zwei Stunden aufstehen muss". Ob alle Jungtiere überleben werden, ist ungewiss.
Jeder kann Wildtiere unterstützen
Dabei kann jeder den Wildtieren durch die heißen und trockenen Tage helfen: Einfach eine Schale mit frischem Wasser auf den Balkon oder in den Garten stellen. Sonnenblumenkerne und Nüsse helfen Eichhörnchen bei der Futtersuche. Igel können mit Katzenfutter unterstützt werden.
Wer ein hilfsbedürftiges Wildtier findet, kann sich an den Verein "Die kleinen Wilden in Not" wenden. Der sucht aktuell auch dringend nach ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Unsere Quellen:
- Interview mit Gerlinde Heimann
- Interview mit der Igelstation Sankt Augustin
- Kleine Wilde in Not e.V.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 12.08.2026, 19.30 Uhr
