Afghanisches Konsulats-Personal in Bonn tritt geschlossen zurück
02:46 Min.. Verfügbar bis 30.09.2027.
Anwohner wundern sich, dass die Warteschlangen vor dem Konsulat verschwunden sind. Die Bonner Polizei hat vergeblich versucht, Kontakt mit dem Konsulatspersonal aufzunehmen. Das Gebäude in einem Wohngebiet in Bonn-Ückesdorf ist leer und verschlossen.
Konsul befürchtet Übernahme durch Taliban
In einer Videobotschaft erklärt der derzeitige Konsul die Gründe. Er und alle seine Mitarbeiter hätten gekündigt aus Sorge vor dem zunehmenden Einfluss der Taliban. Das Personal im Bonner Konsulat war noch von der vorherigen afghanischen Regierung eingesetzt worden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lehnen die jetzt herrschenden Taliban ab.
Protest gegen Auswärtiges Amt
In seiner Videobotschaft nennt der Konsul die Einreise zweier Taliban "inakzeptabel".
In seiner Botschaft bezeichnete Konsul Hamid Nangialay Kabiri es als "inakzeptabel", dass das Auswärtige Amt vor kurzem zwei Taliban-Vertretern die Einreise nach Deutschland erlaubt hat. Offenbar sollen sie die afghanischen Konsulate in Bonn und Berlin übernehmen. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es, man habe ein Interesse daran, dass afghanische Staatsangehörige in Deutschland adäquat konsularisch versorgt werden. Möglich ist aber auch, dass die Bundesregierung so Beziehungen zu den Taliban aufbauen möchte, um leichter Abschiebeflüge nach Afghanistan durchzuführen.
Zukunft des Bonner Konsulats ungewiss
Ob die eingereisten Taliban-Vertreter die Übernahme der Botschaft vorbereiten sollen, ist unklar.
Anwohner in Botschaftsnähe fürchten, dass bald Taliban ihre neuen Nachbarn werden. In der Videobotschaft gibt es keine Hinweise auf die Zukunft des Konsulats in Bonn. Der bisherige Konsul sichert aber zu, Daten und Vermögenswerte dem Auswärtigen Amt zu übergeben. Und dann bedankt er sich noch für die Gastfreundschaft in Deutschland.
Unsere Quellen:
- Videobotschaft afghanischer Konsul
- Anwohner
- Polizei Bonn
- WDR-Reporter vor Ort