Rettungskräfte kämpfen gegen Badeunfälle

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WDR 03:14 Min. Verfügbar bis 05.08.2038

Zwischen Alltag und Ertrunkenen Der Mann, der nicht gebraucht werden will

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Wenn der Melder geht, muss Damian Wiegand innerhalb weniger Minuten los. Der 33-Jährige Troisdorfer ist Einsatztaucher bei der DLRG Rhein-Sieg. Im Juni hat er einen Ertrunkenen aus dem Neffelsee bei Euskirchen geborgen.

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Max Fassbender

Es ist ein Montagmorgen Ende Juni. Die neue Woche hat gerade angefangen, Damian Wiegand sitzt an seinem Schreibtisch und hat eben erst begonnen zu arbeiten. Da geht sein Melder - Einsatzbefehl! Der 33-Jährige ist ehrenamtlicher Einsatztaucher bei der DLRG. Im Hauptberuf arbeitet der gelernte Maschinenbauingenieur in einer Firma für Schienenfahrzeugtechnik in Bergisch Gladbach.

"Mein Chef weiß von meinem Ehrenamt und unterstützt mich dabei, sonst könnte ich es gar nicht machen." Damian Wiegand

An diesem Montagmorgen muss er seine Arbeit liegen lassen, denn er wird über seinen Melder an den Neffelsee bei Euskirchen beordert.

Ein Sommer voller Badeunfälle fordert DLRG

Gerade in diesem Sommer sind ehrenamtliche DLRG-Kräfte wie Wiegand auf das Verständnis ihrer Chefs angewiesen, denn der Juni war für sie nahezu ein Vollzeitmonat. Bundesweit ertranken in diesem Monat 99 Menschen durch Badeunfälle - so viele wie seit dem Hitzesommer 2003 nicht mehr. Auch am Neffelsee war ein Mann untergegangen.

Der 39-Jährige aus Düren war mit einer Freundesgruppe am See gewesen. Sie hatten laut Polizei Euskirchen Alkohol getrunken, dann war der Mann weit hinausgeschwommen und in Not geraten. Der Rettungsversuch eines Freundes scheiterte. Die Gruppe setzte den Notruf ab.

Neffelsee bei Euskirchen liegt still da und ein paar Enten schwimmen darin.

Im Neffelsee bei Euskirchen ertrank Ende Juni ein 39-jähriger Mann

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Der Neffelsee liegt mitten im Naturschutzgebiet. Still und unscheinbar. Außer Enten darf sich hier eigentlich niemand abkühlen, denn es herrscht Badeverbot. DLRG und Einsatzkräfte rückten mit einem Großaufgebot von 200 Kräften an und legten sogar eine Schotterpiste bis ans Ufer, um schweres Gerät an die Wasserkante zu bringen. Den ganzen Sonntagnachmittag suchten sie nach dem Vermissten. Mit dem Tageslicht schwand auch die Hoffnung auf eine Lebendrettung.

Belastende Bergungen gehören zum Alltag der Taucher

"Natürlich hoffen wir immer auf ein Happy End", sagt Damian Wiegand. Doch gerade Personensuchen enden für Taucher wie ihn häufig mit einer Bergung. Denn getaucht wird nur nach jenen, die lange nicht mehr aufgetaucht sind. Diese Bergungen gehören zwar zu den belastendsten Einsätzen eines Einsatztauchers, machen das Ehrenamt aber längst nicht allein aus.

Wiegand sichert Veranstaltungen ab, unterstützt bei Hochwasserlagen und übernimmt unterschiedlichste Einsätze unter Wasser. Nach der vergeblichen Suche in der gesamten Nacht mussten die Taucher abgelöst werden. Gegen frühen Montagmittag erreicht auch Wiegand den Einsatzort.

Erfolg ohne Glücksgefühl

"Die Sicht unter Wasser war eigentlich recht gut", erinnert er sich. Bei stehenden Gewässern sei das eher ungewöhnlich. Durch fehlenden Wasseraustausch und Algenwachstum trüben Seen häufig ein, was Risiken für Schwimmer erhöht, Chancen für Wasserretter schmälert.

Zwei Einsatztaucher in Tauchausrüstung an einem Seeufer.

Rund 200 Wasserretter waren am Neffelsee im Einsatz - wenn die Taucher ran müssen, ist meist wenig Hoffnung übrig

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Mit einer Sicherungsleine verbunden taucht Wiegand nach dem Suchmuster "Scheibenwischer" ab. Schließlich erkennt er den Vermissten in rund zehn Metern Tiefe an dessen Wade, markiert die Fundstelle mit einer Boje. Anschließend übernimmt die Kriminalpolizei.

Das Einsatzziel wurde erfüllt. Sich erfolgreich zu fühlen fällt jedoch schwer. Erneut ein Badetoter. Erneut ein Mann. Erneut ein Einsatz, der eigentlich nicht hätte sein müssen.

Leben an der Wasserkante mit Ehrenamt und Familie

Die Liebe zum Wasser begleitet Damian Wiegand seit dem Kleinkindalter. Mit fünf Jahren machte er sein Seepferdchen, seit 2012 ist er Einsatztaucher. Rund 50 "scharfe" Einsätze, also Einsätze mit Ernstfall, hat er bislang absolviert. Dazu rund 200 Übungseinsätze. Auch bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 wurde er eingesetzt. Drei Menschen hat er bislang selbst aus dem Wasser geborgen.

"Niemanden lässt das kalt. Man muss sich verdeutlichen, dass man am Ausgang selbst keine Schuld trägt." Damian Wiegand

Als Einsatztaucher ist man häufig mit den Schattenseiten des nassen Vergnügens konfrontiert. Trotz der häufig dramatischen Einsätze füllt Damian Wiegand sein Ehrenamt gerne aus. "Die Möglichkeit zu helfen, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Fähigkeiten für den guten Zweck einzusetzen", treibe ihn an. "Abgesehen von den traurigen Anlässen gibt es viele Aufgaben, die Spaß machen."

Zwei Männer vom DLRG überprüfen eine Tauchausrüstung.

Vor jedem Einsatz wird in der DLRG Zentrale die Tauchausrüstung überprüft.

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Heute trainiert er jede Woche im Schwimmbad, absolviert durchschnittlich 15 Übungstauchgänge pro Jahr und investiert rund drei Stunden pro Woche in sein Ehrenamt.

Liebe und Ehe aus der Wasserrettung gewachsen

Durch die Liebe zum Wasser tauchte eine weitere auf: Beim DLRG lernte Damian Wiegand auch seine heutige Ehefrau Johanna kennen. Zunächst habe man gemeinsam am Beckenrand gestanden - daraus sei eine Freundschaft entstanden und letztlich mehr.

Eine Frau und ein Mann stehen vor dem Eingang des AGGUA in Troisdorf.

Lernten sich beim DLRG kennen: Johanna und Damian Wiegand

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Die beiden sind seit fast zehn Jahren ein Paar und engagieren sich gemeinsam in der Wasserrettung. Mittlerweile sind sie Eltern. Sohn Malte ist vier Jahre alt. An den Abend vom Einsatztag am Neffelsee erinnert sich Johanna genau. Damian sei recht spät, aber aufgeräumt angekommen, klar und sachlich gewesen.

"Wir sprechen über den Einsatz, wir tauschen uns aus, was in so intensiven Situationen auch sehr wichtig ist. Manchmal putzen wir auch noch die Ausrüstung zusammen, als Ritual." Johanna Wiegand

Eltern-Kind-Kurse für mehr Sicherheit am Wasser

Mit Sohn Malte gehen die Eltern seit seinem dritten Lebensmonat jede Woche zum Kinderschwimmen. Drei bis vier Tage pro Woche verbringt die Familie im Schwimmbad. Kinder verändern Perspektiven. Auch die Sichtweise des Einsatztauchers auf sein Element.

"Man guckt definitiv anders auf das Baden mit der Familie." Damian Wiegand

Immer wieder fallen ihm Eltern auf, die das Risiko unterschätzen. Selbst er, der Profischwimmer, würde nicht im Rhein baden gehen. Gemeinsam mit seiner Frau engagiert er sich daher in Eltern-Kind-Kursen zur Schwimmsicherheit. Prävention ist für ihn der beste Weg, Menschenleben zu retten.

Ein Mann der DLRG schaut auf den Strand der Ostsee.

Im Sommerurlaub rettet Damian Wiegand an der Ostseeküste

Bildquelle: Privat/Damian Wiegand

Wenn die Arbeit ruht und die Ferien starten, fahren Damian und Johanna Wiegand mit Malte regelmäßig zum Wasserrettungsdienst an die Ostsee. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Mit einem entscheidenden Unterschied zu seinem Alltag als Einsatztaucher. Denn als Rettungsschwimmer kommt die Hilfe oft noch rechtzeitig.

Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Damian Wiegand

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 27.07.2026, 19:30 Uhr

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