DLRG legt Zwischenbilanz zu den Badetoten im Sommer 2026 | WDR aktuell

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WDR 01:59 Min. Verfügbar bis 06.08.2028

Bereits 50 Tote Dramatischer Anstieg der tödlichen Badeunfälle in NRW

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Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft hat vorläufige Bilanz gezogen zu Badeunfällen dieses Jahr. Bis Ende Juli sind demnach bereits 50 Menschen gestorben - deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Die meisten tödlichen Unfälle gab es in Flüssen und Seen. 

Der Juni und Juli waren in NRW sehr heiß und trocken, mit mehreren Hitzetagen über 30 Grad. Viele Menschen haben bei diesem Wetter Abkühlung in Bächen, Seen und Flüssen gesucht - und dabei mitunter ihr Leben riskiert. Laut der DLRG sind in diesem Jahr, bis einschließlich 31. Juli, bereits 50 Personen in NRW beim Baden in Gewässern gestorben.

"Der Anstieg der Badeunfälle in NRW ist im Vergleich zum Vorjahr ziemlich dramatisch" Martin Holzhause, Pressesprecher DLRG Deutschland

2025 waren bis Ende Juli 35 Menschen beim Baden gestorben. In diesem Jahr sind in NRW schon jetzt mehr Menschen beim Baden tödlich verunglückt als im vergangenen Jahr insgesamt: 2025 ertranken 48 Menschen.

Dramatische Lage: Bisher 50 tödliche Badeunfälle in NRW

WDR 06.08.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 06.08.2028

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Flüsse, Kanäle und Seen sind besonders gefährlich

Die meisten Todesfälle in diesem Jahr gab es bisher im Juni, in dem 22 Menschen starben. Gerade während der Hitzewelle haben Menschen in Gewässern Abkühlung gesucht. "In dieser Zeit des Jahres sind Gewässer noch nicht stark erwärmt, sodass gerade die tieferen Schichten kühl sind", sagt Holzhause. Springt man dann in einen solchen kalten See oder Fluss hinein, kann es gefährlich werden.

"Der Körper, der erhitzt ist, trifft dann unvorbereitet auf kühles Wasser. Dieser Temperaturunterschied kann zu einem Schock führen. Wenn man dann unbewusst tief einatmet und bewusstlos wird, ist man im Wasser verloren." Martin Holzhause, Pressesprecher DLRG Deutschland

Die Unfälle passierten am häufigsten in Flüssen und Seen: 19 Menschen starben in Flüssen, 16 in Seen, neun in Kanälen. Ein ähnliches Bild hatte es zwar bereits 2025 gegeben: Damals hatten sich allein 21 der Todesfälle in Flüssen ereignet. Doch in diesem Jahr haben sich die Fälle bei Kanälen und Seen zum Teil verdoppelt.

Experten warnen immer wieder davor, dass gerade in Flüssen oft Strömungen, Temperaturunterschiede und die eigenen Fähigkeiten falsch eingeschätzt werden. Kanäle sind zwar stehende Gewässer, aber dennoch nicht weniger gefährlich. Gerade dann, wenn dort Schiffsverkehr passiert, der Strömung verursacht. "Kanäle sind zudem sehr eng und es ist schwer über eine Spundwand herauszuklettern", sagt Holzhause.

Tödlichster Fluss in NRW: Der Rhein

In NRW verunglücken die meisten Menschen im Rhein. In diesem Jahr waren es bisher zehn. Der Rhein ist dabei aus drei Gründen besonders gefährlich: Die Schifffahrt, Strudel und Wirbel sowie die hohe Geschwindigkeit, mit der das Wasser flussabwärts strömt. Hier kann es sogar im Uferbereich gefährlich werden.

In diesem Jahr war außerdem der Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen mehrfach Schauplatz von tödlichen Badeunfällen: Allein im Juni starben innerhalb weniger Tage ein 16-Jähriger und später ein 14-Jähriger und sein 19-jähriger Bruder nach einem Badeunfall. Ende Juni kam dort ein Sechsjähriger ums Leben. Weitere tödliche Unfälle gab es unter anderem in Essen, Höxter, Herne, Paderborn, Sassenberg und Kleve.

Leichtsinn und Risiko

Wie 2025 sind es auch in diesem Jahr bisher hauptsächlich Jugendliche und junge Männer, die beim Baden tödlich verunglücken. Von den 50 Badetoten waren 42 Personen männlich. Die meisten von ihnen waren zwischen 11 und 20 Jahre alt.

"Wir haben jetzt im zweiten Jahr in Folge einen deutlichen Anstieg bei jungen Menschen verzeichnet, die beim Baden tödlich verunglücken. Das macht uns Sorgen" Martin Holzhause, Pressesprecher DLRG Deutschland

Jungs und Männer unterschätzen oft die Gefahr von Gewässern. "Jungs und junge Männer trauen sich häufig infolge von leichtsinnigem Verhalten und Selbstüberschätzung zu viel zu und gehen Risiken ein", sagt Holzhause. Das müssten nicht immer spektakuläre Aktionen sein, häufig reiche ein Sprung in ein zu kaltes Gewässer. "Wenn man dann noch vorher Sport gemacht, in der Sonne gelegen oder Alkohol getrunken hat, kann es sehr gefährlich werden."

Gerade die Kombination aus Alkohol, hohen Temperaturen und kaltem Wasser kann fatal sein, weiß Holzhause. "Alkohol macht nicht nur leichtsinniger, sondern belastet auch den Kreislauf. Alkoholisiert ins Wasser zu gehen führt dazu, dass der Kreislauf an heißen Tagen verstärkt arbeiten muss."

Schwimmbäder sicherer als Badeseen

Im Gegensatz zu Jugendlichen sind Kinder deutlich seltener von Badeunfällen betroffen. Martin Holzhause spricht davon, dass vor 20 Jahren noch etwa doppelt so viele Kinder bei Badeunfällen ums Leben gekommen seien. Damals seien noch häufiger Kinder in Pools oder Gartenteilen ertrunken.

Er beobachtet aber auch, dass Eltern unaufmerksamer werden, wenn sie mit Kindern baden gehen. "Es gibt zunehmend Schwimmbäder, die deswegen Kinder nur noch mit Bronzeabzeichen alleine reinlassen oder es eine Pflicht gibt, Schwimmflügel zu tragen."

Vor einem Schwimmbecken steht ein Schild mit "Nichtschwimmer" und "Schwimmer", da drunter hängt ein Rettungsring, im Hintergrund sieht man Menschen im Wasser

Auch im Schwimmbad kann es zu Badeunfällen kommen - zum Glück selten tödlich

Bildquelle: dpa / Elisa Schu

Daraus lässt sich möglicherweise auch ableiten, dass tödliche Badeunfälle in Schwimmbädern seit Jahren relativ konstant gering sind. Bis Ende Juli gab es in NRW zwei solcher Fälle. Holzhause erklärt das auch so: "In Schwimmbädern haben wir gute Sicht und kleinere Wasserflächen. Rettungskräfte können dort schnell und direkt helfen. Bei Badeseen kann es hingegen länger dauern, bis ein Notarzt da ist, auch weil es teilweise schwerer zu erreichen ist."

Schwimmbäder seien daher insgesamt sehr sicher. Trotzdem habe es auch dieses Jahr Unfälle mit Kindern gegeben, die wiederbelebt werden mussten - was nicht unbedingt heißt, dass diese alles heil überstanden haben.

Dunkelziffer bei Badeunfällen

"Eine gelungene Wiederbelebung ist zwar ein toller Erfolg - sie kann aber trotzdem bedeuten, dass eine Person Wochen später verstirbt oder infolge einer Sauerstoffunterversorgung ein Leben lang geschädigt ist", sagt Holzhause.

Solche Personen kommen in der aktuellen Statistik der DLRG jedoch nicht vor. Es gibt dazu derzeit keine konkreten Zahlen. Martin Holzhause spricht aber allein von 80 bis 100 Fällen pro Jahr bundesweit, bei denen Menschen durch Kopfsprünge in zu flache Gewässer langfristige Schäden davontragen, zum Beispiel durch eine Querschnittslähmung.

Badetote verhindern: Kombination aus Aufklärung und Verboten

Die DLRG will daher im kommenden Jahr noch mehr aufklären und sensibilisieren - und wünscht sich dabei mehr Unterstützung von Bund und Ländern. "In anderen Ländern gibt es beispielsweise nationale Aufklärungskampagnen, um auf die Gefahren des Ertrinkens aufmerksam zu machen. Das würden wir uns auch hier wünschen."

Eine weitere Idee der DLRG: Gerade vor den Sommerferien in Schulen gehen und auf die Gefahren hinweisen. Besonders in den höheren Altersklassen, in denen tendenziell leichtsinnige Jugendliche anzutreffen sind. "Natürlich wird es immer Menschen geben, die leichtsinnig sind", sagt Holzhause. "Aber wir haben noch einige Hebel, die die Zahl der tödlichen Badeunfälle verringern könnten."

Einer dieser Hebel könnte auch ein flächendeckenderes Badeverbot, zum Beispiel am Rhein sein, das es zum Teil in Köln, Leverkusen, Düsseldorf und Duisburg schon gibt. Die DLRG sieht, dass diese Verbote wirken. "In den Rheingebieten, wo das Badeverbot gilt, haben die Einsätze abgenommen", sagt Holzhause. Er sagt aber auch: Es brauche nicht unbedingt ein Badeverbot für den gesamten Rhein. Stattdessen sollte man sich unterschiedliche Flussabschnitte angucken und besonders gefährliche fürs Schwimmen verbieten.

Damit es in Zukunft weniger Badetote geben kann, setzt die DLRG auf eine Mischung aus Aufklärung und Verboten. Gerade ein Strafmaß von bis zu 1.000 Euro Bußgeld könne dazu führen, dass weniger Personen ins Wasser gehen, glaubt Holzhause. Aber allen voran ist er sich sicher: "Wer sich der Gefahren bewusst ist, der geht auch weniger Risiken ein."

Unsere Quellen:

  • Zahlen der DLRG
  • Gespräch mit Martin Holzhause von der DLRG

Sendung: Wdr.de, Dramatische Lage: Bisher 50 tödliche Badeunfälle in NRW, 06.08.2026, 10 Uhr.

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