Wenn Heinrich Schäfer auf die Erft im Vogelwäldchen von Bergheim-Kenten blickt, dann geht ihm das Herz auf. 2013 wurde der Fluss aus seinem begradigten Verlauf in ein naturnahes Flussbett verlegt. Seitdem schlängelt sich die Erft durch eine Aue und kann sich bei Hochwasser ausdehnen.
Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbands, blickt auf die neue Erft bei Kenten.
Bildquelle: WDR/ Stephan PeschSo wie in Kenten soll die Erft noch an weiteren Stellen für den Kohleausstieg fit gemacht werden. 2030 soll es soweit sein.
Kein Grundwasser mehr aus dem Tagebau Hambach
Nicht weit vom Vogelwäldchen entfernt strömen große Mengen Wasser in die Erft. Es ist Grundwasser, das RWE rund um den Tagebau Hambach abpumpt, damit Braunkohle gefördert werden kann. Dieses Grundwasser wird über die Erft in den Rhein bei Neuss-Grimlinghausen entsorgt. Mit dem Ende des Tagebaus Hambach im Jahr 2030 soll kein Grundwasser mehr abgepumpt werden.
Die Erft wird dann deutlich weniger Wasser haben. Der vor Jahrzehnten ausgebaute Fluss muss deshalb verändert und auch in einigen Abschnitten verlegt werden. Aber es gibt Widerstand gegen die Pläne.
Anwohner der Erft fordern Änderungen
In Wevelinghoven, einem Stadtteil von Grevenbroich, fließt die Erft schnurgerade und dicht am Ort vorbei. Anwohner haben sich am Ufer Terrassen gebaut. Auf einer sitzen Mitglieder der "Interessengemeinschaft Erft-Wevelinghoven" und besprechen ihr weiteres Vorgehen. Die Anwohner sind zwar für einen naturnahen Umbau. Sie wollen aber nicht, dass die Erft in ein etwa 200 Meter entferntes Auengebiet verlegt wird.
Anwohner der Interessengemeinschaft Erft-Wevelinghoven sprechen über den Umbau der Erft.
Bildquelle: WDR/ Stephan PeschDie Anwohner fordern, dass die Pläne mit ihnen gemeinsam überarbeitet werden. Man sei darüber im Austausch, sagt Dietmar Jansen vom Erftverband. Die Erft in die Aue verlegen - wie in Bergheim-Kenten - sei aber für den Hochwasserschutz die beste Lösung, so Jansen. Er ist für den Umbau der Erft zuständig.
Umstrittene Staurechte entlang der Erft
Aber es gibt noch mehr Streit: Auf ihrem Weg in den Rhein strömt die Erft immer mal wieder durch gewaltige Schleusen. Sie gehören zu den teils jahrhundertealten Wassermühlen. Ihre Eigentümer haben das Recht, den Fluss zu stauen. Darüber wird jedoch hinter den Kulissen heftig gestritten.
Mitarbeiter des Erftverbands zeigen den neuen Verlauf der Erft bei Bergheim-Kenten.
Bildquelle: WDR/ Stephan PeschDer Erftverband warnt vor den ökologischen Folgen, wenn in der Erft nur noch wenig Wasser fließt und trotzdem weiter gestaut wird.
"Wenn wir so heiße Wochen haben, dann kann die Erft bei Stauhaltungen auch mal umkippen." Dietmar Jansen, Erftverband
Naturnahe Erft - Wichtig für NRW
Das NRW-Umweltministerium betont auf Anfrage, dass die naturnahe Gestaltung der Erft eine hohe Priorität habe. "Denn ein frei fließendes Gewässer weist eine höhere Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen auf", erläutert das Ministerium. Deshalb wurden die Staurechte für die Wassermühlen teilweise widerrufen.
Allerdings klagen die betroffenen Eigentümer dagegen. Diese Verfahren könnten sich über Jahre hinziehen, befürchtet der Erftverband. Er hofft auf eine schnelle Einigung, damit der Umbau der Erft bis 2030 doch noch gelingen kann.
Unsere Quellen
- Erftverband
- Ministerium für Umwelt, Natur und Verkehr NRW
- Interessengemeinschaft "Erft-Wevelinghoven"
- Stadt Bergheim
- Stadt Grevenbroich
Sendung: WDR.de, Ab Bergheim: Umbau der Erft gerät unter großen Druck, 02.09.2026, 5:03 Uhr
