Das Kölner Landgericht hat dem WDR mitgeteilt, dass der Anwalt des Unfallfahrers kurz vor Ablauf der Frist Revision eingelegt hat. Damit wird sich nun der Bundesgerichtshof mit dem Urteil beschäftigen. Bis zu einer Entscheidung können voraussichtlich mehrere Monate vergehen.
Kölner Landgericht hatte 21-jährigen Fahrer zu Haft verurteilt
Die Revision bedeutet nicht, dass der Prozess neu aufgerollt wird. Der Bundesgerichtshof überprüft vielmehr, ob bei dem Verfahren Rechtsfehler passiert sind. Das Kölner Landgericht hatte den 21 Jahre alten Fahrer zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. Außerdem sollte er den Hinterbliebenen mehr als 190.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
Fahrer fuhr über rote Ampel
Das Gericht war nach sieben Verhandlungstagen zu der Überzeugung gekommen, dass der damals 20-Jährige bewusst über eine rote Ampel gefahren war. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass die Ampel bereits seit rund vier Sekunden Rot zeigte, als er die Haltelinie überquerte.
Der Angeklagte selbst war bis zuletzt bei seiner Darstellung geblieben, er sei auf eine gelbe Ampel zugefahren. Dieser Version schenkte das Gericht keinen Glauben.
Eltern von verstorbenem Schulbegleiter gründen Stiftung
Bei dem Unfall kam ein zehn Jahre altes Mädchen und ein 25-jähriger Schulbegleiter ums Leben. Die Eltern des Schulbegleiters Luis Paulo gründeten nach dem Unfall die Luis-Paulo-Stiftung. Sie setzt sich unter anderem für mehr Verkehrssicherheit von Kindern und Präventionsarbeit mit Jugendlichen ein.
Revision völlig unerheblich
Lilian und Marcus haben ihren Sohn verloren
Die Eltern des getöteten Schulbegleiters, Luis Paulo, betonen, dass es für sie völlig unerheblich sei, dass der Unfallverursacher in Revision geht. "Mit einem Gerichtsurteil ist ein Verfahren zwar irgendwie beendet, den tiefen Schmerz über den Verlust unseres Sohnes kann es jedoch nicht heilen", betont Marcus Jochim.
"Für uns ist der Prozess und das Urteil abgeschlossen. Wir richten unseren Blick jetzt nur noch nach vorn." Marcus Jochim, Vater des getöteten Schulbegleiters
Der Blick nach vorn
Für die Familie Jochim bestehe jetzt der Weg zur Bewältigung darin, "den Schmerz in Mitgefühl, Solidarität und die Unterstützung anderer Menschen zu verwandeln". So wollen sie ihrem Leben einen neuen Sinn geben. Sie planen ihre Kraft noch intensiver in den Ausbau ihrer Luis-Paulo-Stiftung zu stecken.
Auch die Familie der getöteten zehnjährigen Avin hält die Erinnerung an das Mädchen wach. Nach ihrem Tod konnten mehrere schwer kranke Menschen durch ihre Organspende ein neues Leben beginnen. Der Vorsitzende Richter hatte den Prozess später als den "emotionalsten" seiner Laufbahn bezeichnet.
Unsere Quellen:
- Landgericht Köln
- Gespräch mit Marcus und Lilian Jochim
Sendung: WDR.de, Revision nach tödlichem Unfall in Hürth, 20.07.2026, 22:00 Uhr