Mitarbeiter raubt seinen Arbeitgeber aus
Bildquelle: WDR/ Markus SchmitzWDR. 33 Sek.. Verfügbar bis 15.09.2028.
"Ich schäme mich so", sagt der Angeklagte heute im Kölner Gerichtssaal. Seine ersten Sätze nach der Verlesung der Anklageschrift sind das, was man "einen reinen Tisch machen" nennt. "Die Tat war genau so, wie sie gerade vorgelesen wurde", so seine Worte. "Ich habe einen extremen Fehler gemacht." Und er wolle sich bei seinen ehemaligen Kollegen und bei der Firma, bei der er 28 Jahre angestellt war, entschuldigen. Bei diesen Aussagen flossen Tränen.
Mit Sturmhaube und Skibrille maskiert, betritt der 61-jährige Mann Anfang April den Verwaltungstrakt des großen Möbelhauses "Porta" in Frechen bei Köln. Sein Ziel ist das Büro eines Mitarbeiters, dem er laut Staatsanwaltschaft einen Zettel vorhält.
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger
Bildquelle: WDR / Markus SchmitzDer jetzt Angeklagte richtet eine Waffe auf den Mitarbeiter. Dass es sich dabei nicht um eine scharfe Waffe, sondern um eine Softairpistole handelt, konnte der Mitarbeiter nicht erkennen. Die Pistole ist von einer scharfen Waffe auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Während des Überfalls lief der Verkauf im Möbelhaus ungehindert weiter.
Raub bei Porta: "Tresor open, Money, no police ..."
Der Mann hatte offenbar vor, während der Tat kein Wort zu sagen, um nicht erkannt zu werden. Er hatte seine Forderungen auf einen Zettel, unmissverständlich notiert. Laut Anklage stand darauf geschrieben: "Tresor Open, Money, No Police, Dawei". Mit dem Wort "Dawei" ist vermutlich der russische Ausdruck für "Los" gemeint.
In der Anklage der Kölner Staatsanwaltschaft steht, dass der 61-Jährige auch eine Mitarbeiterin in seine Tat verwickelt und sie aufgefordert haben soll, einen Tresor zu öffnen. Dabei soll er dann auch mehrmals das Wort "Dawei" gesagt haben.
Staatsanwaltschaft in Köln: "akute Geldsorgen"
Letztendlich soll der Mann 40.000 Euro erbeutet haben. Bei einer späteren Durchsuchung seiner Wohnung soll er nur noch 14.000 Euro besessen haben. Außerdem fand die Polizei in der Wohnung eine Softairpistole. Vor Gericht sagte der Angeklagte, dass er massive Geldsorgen hatte. "Wenn ich Geld in der Hand hatte, rieselte es mir wie Sand durch die Finger", sagte er.
Die Sanierung seines Elternhauses lief aus dem Ruder, er kaufte und verkaufte regelmäßig Autos mit Verlust und er war nach seinen Worten abhängig von Kokain. Allein für das Rauschgift, 60 Gramm im Monat, das er bei ihm unbekannten Dealern in Hürth gekauft habe, zahlte er etwa 4.500 Euro im Monat.
Der Angeklagte sagte, dass er nach der Tat zwei Wochen in Urlaub gefahren sei. Dabei sei es ihm besser gegangen, er habe Geld dabei gehabt. Gleichzeitig habe er auch Angst gehabt, er habe Mist gebaut, dass könne nicht glimpflich an ihm vorbei gehen.
13.000 Euro im Altkleidercontainer
Der Angeklagte überraschte während seines Geständnisses noch mit dieser Aussage: Als er gefragt wird, wo große Teile der Beute abgeblieben sind, sagte er, dass er 13.000 Euro in eine Jacke gesteckt habe, die er versehentlich in den Altkleidercontainer geschmissen habe. Er habe sich aber nicht mehr getraut den Container aufzubrechen.
Der Vorsitzende Richter nahm das ungläubig zur Kenntnis und sagte, dass er es merkwürdig finde, dass der Angeklagte seinen Arbeitgeber überfällt aber sich nicht traue einen Altkleider-Container aufzubrechen.
Der Mann ist wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Es sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Ende September gesprochen werden.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Köln
- Beobachtungen eines WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Geständnis: Mann raubt eigene Möbelfirma aus, 15.09.2026, 13:44 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 15.09.2026, 18:30 Uhr
Erstveröffentlichung am 15.09.2026