Rheinisches Revier - Warten auf den Netzanschluss | Westpol

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5 Min. 7 Sek. Verfügbar bis 13.09.2030

Microsoft KI-Rechenzentren im rheinischen Revier Geht der Industrie der Strom aus?

Dank Microsoft Milliarden hofft das rheinische Revier auf einen Aufschwung. Doch der droht am Stromnetz zu scheitern.

Von
Beate Becker
Beate Becker
und Jonas Enke

Die Stadt Bedburg liegt etwa 30 Kilometer westlich von Köln im Rheinischen Revier. Wo aktuell noch Felder sind, soll in ein paar Jahren ein hochmoderner "Hyperscaler" stehen, ein Rechenzentrum mit 170 Gigawatt an Leistung: Der Stromverbrauch einer Stadt der Größe von Siegen.

Vom großen Namen Microsoft erhofft man sich neue Strahlkraft für die Region. "Das haben wir aber von Anfang an auch in einem klaren Bewusstsein gemacht, dass wir gesagt haben, mit dem ersten großen Unternehmen sind wir sicher, dass weitere Unternehmen nachziehen", meint Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach (SPD).

Von der Kohle zur KI

Nicht nur in Bedburg erhofft man sich einen Aufschwung durch KI-Investitionen des US-amerikanischen Tech-Giganten. Über 3,2 Milliarden Euro plant Microsoft im Rheinischen Revier zu investieren. Neben Bedburg sollen auch in Bergheim, Elsdorf und Grevenbroich Rechenzentren entstehen.

"Da werden Tausende im Bau natürlich beschäftigt sein und dann permanent Hunderte. Aber es ist natürlich noch mehr als das. Wir investieren in Kompetenzprogramme für Menschen hier in Schulen, Auszubildende bis hin zu Finanzbeamten", betont Agnes Heftberger, CEO von Microsoft Deutschland und Österreich. Und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst unterstreicht:

"Wir entwickeln die einstige Kohleregion zu einem Hotspot für digitale Innovation und künstliche Intelligenz, und künstliche Intelligenz ist dabei längst mehr als eine neue Technologie, sie ist zentraler Wettbewerbsfaktor." Hendrik Wüst, Ministerpräsident NRW

Es sollen Arbeitsplätze entstehen, die im ehemaligen Braunkohlerevier dringend benötigt werden, KI statt Kohle.

Woher kommt die benötigte Energie?

Am Fall von Bedburg zeigt sich allerdings ein deutschlandweites Problem, dass die wirtschaftliche Entwicklung auszubremsen droht. Es geht um die Stromversorgung. Wollen sich neue Industriebetriebe ansiedeln, benötigen die oft eine große Menge an Energie. Und dazu braucht es leistungsstarke digitale Netze.

Sascha Solbach (SPD), Bürgermeister Bedburg

Sascha Solbach (SPD), Bürgermeister Bedburg

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Doch genau daran hapert es. Sascha Solbach erklärt: "Uns geht tatsächlich unterwegs der Saft aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben ein Problem im Bereich der Netzanschlüsse und das gefährdet jetzt zumindest diese Initiative, die jetzt am Anfang sich erstmal super gut entwickelt."

Das Stromnetz reicht nicht aus

Zuständig für die Netzanschlüsse in der Region ist der Netzbetreiber Westnetz. Die Nachfrage nach Anschlusskapazitäten für Batteriespeicher sei in den vergangenen vier Jahren um fast 1000 Prozent gestiegen,  teilte Westnetz auf Anfrage mit.

Wann genau die Unternehmen, die sich im Rheinischen Revier ansiedeln wollen, an das Stromnetz angeschlossen werden könnten, könne man pauschal nicht sagen. Man investiere allerdings umfangreich in den Ausbau und die Digitalisierung der Netze.

Agnes Heftberger

Agnes Heftberger, CEO Microsoft Deutschland & Österreich

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Microsoft selbst hat sich die Stromversorgung inklusive Netzanschluss bereits frühzeitig gesichert. Anders als viele Hightech-Unternehmen, die sich um die entstehenden Rechenzentren ansiedeln wollen. Dabei sind sie es, die den Strukturwandel in die Region bringen. Sie müssen teilweise über ein Jahrzehnt warten bis sie einen Netzanschluss bekommen. Da gibt der Standort Deutschland kein überzeugendes Bild ab, kritisiert die Microsoft-Deutschland-Chefin.

"Es ist schon irritierend, wenn man in einem Land unterwegs ist, das Industrieland ist, dass an der Spitze mitspielen möchte, aber wo dann in Aussicht gestellt wird, Netzanschluss gibt es vielleicht in zwanzig Jahren, 2040 plus x. Das ist schön dass es erste Schritte in die richtige Richtung gibt (…), das allein wird es nicht stemmen, wir werden noch schneller und mehr bauen müssen." Agnes Heftberger, CEO Microsoft Deutschland & Österreich

IHK kritisiert: Kohleausstieg ohne Plan

Nicole Grünewald, Präsidentin IHK Köln

Nicole Grünewald, Präsidentin IHK Köln

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Nicole Grünewald von der Industrie- und Handelskammer Köln findet die derzeitige Lage für ansiedlungswillige Unternehmen erschreckend. Schließlich sei der notwendige Strukturwandel seit Jahren bekannt. Sie wirft der Landesregierung vor, keinen logischen Zeitplan zu verfolgen.

"Wir fragen, seitdem der Kohleausstieg auf 2030 vorgezogen wurde, dass man uns die Strategie und den Zeitplan schickt, damit wir das nachvollziehen können. Jetzt sehen wir, dass es anscheinend keine Strategie oder zumindest keine plausible Strategie und auch keinen vernünftigen Zeitplan gab. Wir haben da kein Verständnis für, weil hier geht es um die Zukunft einer ganzen Region." Nicole Grünewald, Präsidentin der Industrie und Handelskammer Köln

Bürokratische Hürden aus Berlin

Verschärft hat sich die Lage durch das aktuelle Vergabeverfahren. Derzeit müssen Netzbetreiber die Unternehmen und Haushalte bedienen, die zuerst einen Antrag stellen. Dabei spielt keine Rolle, ob es überhaupt umsetzungsreife Pläne für einen Bau auf der Fläche gibt.

Projekte ohne absehbares Bauvorhaben verstopfen so das System für Firmen, die schon in wenigen Jahren mit der Produktion starten wollen. Auch nutzen Spekulanten die Mangellage und treiben die Preise für erschlossene Industrieflächen in die Höhe.

Das sogenannte "Netzanschlusspaket" von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche soll das jetzt ändern. Der Gesetzesentwurf ist Ende Juni vom Bundeskabinett beschlossen worden, muss allerdings noch durch den Bundestag. Er soll es Netzbetreibern ermöglichen, vom Windhundprinzip abzuweichen. Dadurch könnten sie Anschlusskapazitäten für prioritäre Nutzungsarten zeitweise zurückhalten.


Hoffen auf den Aufschwung

Die Gesetzesänderung könnte auch in Bedburg weiterhelfen. Bürgermeister Sascha Solbach hofft weiterhin auf mehr Arbeitsplätze und auch Steuereinnahmen durch die neuen Rechenzentren. Die Nachfrage von Firmen nach weiteren Entwicklungsmöglichkeiten rund um den entstehenden Microsoft Standort sei immens. Ob sich das rheinische Revier allerdings wirklich zu einem High-Tech Standort entwickeln kann, steht und fällt mit der Stromversorgung.

Unsere Quellen:

  • WDR Interview mit Sascha Solbach (SPD), Bürgermeister Bedburg
  • WDR Interview mit Agnes Heftberger, CEO Microsoft Deutschland & Österreich
  • WDR Interview mit Nicole Grünewald, Präsidentin IHK Köln
  • Westnetz GmbH

Sendung: WDR.de & WDR-Fernsehen, Rheinisches Revier - Warten auf den Netzanschluss, 13.09.2026, 19:30 Uhr

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