In Altenburg wirkt die Ahr heute friedlich. Theo Frisch sitzt am Ufer. Für ihn ist sie trotzdem der Fluss, der alles verändert hat. "Das ist und bleibt halt der Gegner dieser Gegend. Ich mag den Fluss nicht so besonders", erzählt der 36-Jährige nachdenklich.
Damals ist er extra mit seiner Freundin nach Altenburg gezogen. Zusammen wollen sie hier die schöne Natur genießen. Dafür kaufen sie sich ein Kanu. Aber statt schöner Touren auf der Ahr erlebt er in der Flutnacht 2021 einen Albtraum.
Hilferufe in der Dunkelheit
Damals steigt die Ahr direkt vor seiner Haustür immer weiter. Als es Nacht wird, dringen plötzlich Hilferufe durch die Dunkelheit. Theo holt sein Kanu aus dem Garten. Sein Nachbar Jan hilft ihm und leuchtet ihm den Weg.
Er kämpft sich durch die reißende Strömung und rettet eine Familie, die auf dem Geländer ihres Balkons um ihr Leben bangt. Aber Theo kann die drei Kinder, die Mutter und die Oma mit dem Kanu in Sicherheit bringen.
"Das war die verstörendste Erfahrung, die wir jemals machen mussten. Ohne Theo hätten uns die Wassermassen einfach mitgerissen." Dennis Caspary, der älteste Sohn der Familie
Sieben Menschen verdanken Theo ihr Leben
Als der damals 31-Jährige weitere Hilferufe hört, paddelt er weiter durch die Dunkelheit. Beim nächsten Rettungsversuch kentert sein Boot. Der Retter gerät selbst in Gefahr. Am Ende kann er insgesamt sieben Menschen mit seinem Kanu vor den Wassermassen retten.
Albträume, die bleiben
Der ausgebildete Soldat und Feuerwehrmann hilft nach der Rettung auch noch bei der Bergung der Toten in der Region.
"Wir haben die Leichen dann auf einen Pick-up der Feuerwehr gestapelt. Ab und zu begegnen mir die Bilder. Manchmal hat man Albträume." Theo Frisch
Höchste Ehrung für den Kanuretter
Für seine Taten erhält Theo Frisch eine der höchsten Auszeichnungen, das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Doch auch die nimmt ihm die schlimmen Erinnerungen nicht.
Theo hat das Ahrtal verlassen
Um das Erlebte zu verarbeiten, hat er das Ahrtal verlassen. Zurück bleibt ein Ort voller Erinnerungen und Menschen, die ihm ihr Leben verdanken. Er zieht in die Nähe seiner Familie in den Rhein-Sieg-Kreis. Helfen kann Theo noch immer nicht lassen: Heute engagiert er sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Theo Frisch
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Warum der Kanu-Retter mit seinen Erinnerungen kämpft, 13.07.2026, 5:00 Uhr