Der Geruch von Rauch liegt schon lange in der Luft. Die Straße windet sich durch die Berge der Region El Bierzo im Nordwesten Spaniens. Links und rechts ziehen sich verkohlte Hänge bis zum Horizont. Immer wieder steigt Rauch aus dem Wald auf.
Eigentlich sind die Feuerwehrleute aus Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zu ihrem ersten Einsatz. Nach rund 60 Stunden Fahrt quer durch Frankreich baut ein Teil der Truppe am Samstag Nachmittag das Lager auf, während sich der Rest direkt auf dem Weg zur Feuerfront macht. Jetzt soll es endlich ins Einsatzgebiet gehen.
Feuerwehr aus NRW löscht ersten Brand schon auf dem Weg zu eigentlichen Einsatz
Doch schon wenige Kilometer später wird der Konvoi gestoppt. Am Straßenrand schlagen Flammen aus dem verdorrten Gras. Ein sogenanntes Spotfeuer - ein kleiner Entstehungsbrand, der sich jederzeit zu einem größeren Feuer entwickeln kann. Einige Anwohner versuchen bereits, die Flammen mit Ästen niederzuschlagen.
"Wir kamen gerade zur rechten Zeit, haben das Feuer gelöscht und sind anschließend zum eigentlichen Einsatzort gefahren", erzählt Frank Frenser von der Feuerwehr Bonn.
Erst nachdem die Einsatzkräfte die Flammen gelöscht haben, setzt der Konvoi seine Fahrt fort. Vorbei an verbrannten Wäldern, tiefen Schluchten und kleinen Dörfern, die in den vergangenen Tagen teilweise evakuiert werden mussten.
Gemeinsam mit spanischen Kräften gegen die Flammen
Am eigentlichen Einsatzort geht es dann nicht in erster Linie darum den Brand zu löschen, sondern seine Ausbreitung zu verhindern. "Dort haben wir gemeinsam mit den spanischen Einsatzkräften und mit Hubschraubern, die Wasser abgeworfen haben, dafür gesorgt, dass sich das Feuer nicht weiter ausbreitet", sagt Frenser.
Die Region El Bierzo stellt die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Anders als in Nordrhein-Westfalen geht es hier durch enge Täler und steile Berghänge. Viele Brandstellen sind mit normalen Löschfahrzeugen kaum erreichbar.
56 Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen bekämpfen Waldbrand
Das sogenannte NRW-Waldbrandmodul besteht aus 56 Feuerwehrleuten aus mehreren Feuerwehren des Landes. Sie sind mit 21 Fahrzeugen nach Spanien gereist. Alarmiert wurden sie kurzfristig über den europäischen Katastrophenschutzmechanismus.
"Die Alarmierung kam am Mittwoch. Wir hatten also nur die Nacht, um alles zusammenzupacken – sowohl das Material für den Einsatz als auch unsere persönlichen Sachen. Danach ging es auf die fast dreitägige Reise bis hierher." Frank Frenser, Feuerwehr Bonn
Untergebracht ist die Einheit in einem ehemaligen Kloster in Vega de Espinareda. Dort können die Feuerwehrleute schlafen, essen und ihre Fahrzeuge für den nächsten Einsatztag vorbereiten.
Waldbrände in Spanien: Glutnester sind die größte Gefahr
Auch wenn vielerorts keine meterhohen Flammen mehr zu sehen sind, ist der Einsatz noch lange nicht vorbei. Die eigentliche Gefahr liegt jetzt unter der Oberfläche. Glutnester können stunden- oder tagelang unbemerkt weiter brennen. Kommt Wind auf, entstehen daraus innerhalb kürzester Zeit neue Feuer.
"Es ist wichtig, nicht nur die offenen Flammen zu löschen, sondern vor allem auch die Glutnester aufzuspüren, die noch im Boden oder in Bäumen stecken können", erklärt Frenser. "Diese müssen wir sehr gründlich ablöschen, damit sie vom Wind nicht erneut angefacht werden und sich das Feuer nicht weiter ausbreitet."
Die deutschen Feuerwehrleute werden voraussichtlich noch mehrere Tage in der Region bleiben. Mit ihrem Einsatz wollen sie einerseits die Kräfte in Spanien unterstützen - und zugleich Erfahrungen sammeln, die auch in Deutschland immer wichtiger werden. Denn mit längeren Trockenperioden und zunehmender Waldbrandgefahr wächst auch dort die Bedeutung einer spezialisierten Vegetationsbrandbekämpfung.
Als der Konvoi in der Nacht ins Camp zurückkehrt, sind die Fahrzeuge staubig, die Gesichter gezeichnet. Der erste Einsatztag liegt hinter ihnen. Und allen ist klar: Mit dem Löschen der sichtbaren Flammen ist die Arbeit in El Bierzo noch lange nicht beendet.
Brände in Spanien: Feuerwehr aus NRW vor Ort
WDR. 02.08.2026. 00:50 Min.. Verfügbar bis 01.08.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort in el Bierzo, Spanien
- Interview mit Frank Frenser, Feuerwehrmann aus Bonn
Sendung: WDR aktuell, WDR 2, 02.08.2026, 8:00 Uhr