Die Grillen zirpen. Es ist kurz nach 22 Uhr am Sonntagabend im ehemaligen Kloster San Andrés in Vega de Espinareda, einem kleinen Ort im Nordwesten Spaniens. Im Innenhof stehen 56 Feuerwehrleute - der Großteil aus NRW, einige auch aus aus Niedersachsen - zusammen. Wenige Minuten zuvor haben sie von den spanischen Behörden erfahren, dass ihr Einsatz beendet ist.
Keine Jubelrufe. Kein Schulterklopfen. Stattdessen beginnt das Zusammenpacken. Auf große blaue Säcke und Kisten sind Zettel geklebt: Helm. Schutzbrille. Stirnlampe. Nackenleder. Einer nach dem anderen wirft seine Ausrüstung hinein. Es ist das Ende eines Einsatzes, der eigentlich gerade erst begonnen hatte.
Drei Tage Anreise - anderthalb Tage Einsatz
Erst am Samstagnachmittag waren die Feuerwehrleute aus Bonn, Düsseldorf, Leverkusen, Königswinter, Ratingen und weiteren Feuerwehren in Spanien angekommen. Alarmiert über den europäischen Katastrophenschutzmechanismus sollten sie die spanischen Einsatzkräfte bei den schweren Waldbränden in der Region El Bierzo unterstützen. Doch jetzt kommt es anders.
"Montagfrüh treten wir die Heimreise nach Deutschland an", sagt Frank Frenser, Pressesprecher der Feuerwehr Bonn. "Hintergrund ist, dass die Feuer hier in der Region inzwischen eingedämmt worden sind und offenbar auch der Großteil der Brände in Spanien so weit unter Kontrolle ist, dass wir nicht mehr benötigt werden."
Zwischen Erleichterung und Enttäuschung
Bei den Einsatzkräften löst die Nachricht der spanischen Behörden widersprüchliche Gefühle aus. Einerseits bedeutet sie, dass sich die Lage entspannt hat. Andererseits hatten sich viele auf einen deutlich längeren Einsatz eingestellt.
"Ein kleines bisschen enttäuschend ist das schon”, sagt Feuerwehrmann Thomas Trautewig. "Man hat sich gerade warmgearbeitet und bekommt dann die Botschaft, dass man wieder nach Hause fahren muss. Die Kameradschaft hat sich gerade wieder so schön gebildet, und jetzt muss man vielleicht wieder ein Jahr warten, bis man sich wiedersieht."
Sein Kollege Andreas Wilhelm versucht, die Situation einzuordnen:
“Wenn es nicht mehr brennt, erleiden die Menschen hier keine Not und verlieren nicht ihr Hab und Gut. Das ist natürlich die gute Seite.” Andreas Wilhelm, Feuerwehrmann
Trotzdem bleibt für ihn eine grundsätzliche Frage. Aus seiner Sicht könnten internationale Einsatzkräfte in manchen Fällen früher angefordert werden. "Man verfolgt die Berichterstattung, sieht, was passiert, weiß, dass man helfen könnte - und sitzt zu Hause auf gepackten Koffern und wird nicht gebraucht. Das ist frustrierend."
Noch elf Waldbrände - trotzdem kein weiterer Einsatz
Ganz gelöscht sind die Waldbrände in Spanien allerdings nicht. Nach Angaben der spanischen Behörden brennen landesweit weiterhin elf Waldgebiete. Internationale Hilfe darf jedoch nur angefordert werden, wenn Brände eine bestimmte Gefahrenstufe erreichen.
“In Spanien werden Brände nach ihrer Größe und Gefährlichkeit eingestuft. Erst ab einer bestimmten Kategorie dürfen internationale Einsatzkräfte hinzugezogen werden", erklärt Pressesprecher Frenser und ergänzt: "Offenbar haben die verbliebenen Brände diese Schwelle derzeit nicht erreicht. Deshalb dürfen wir dort auch nicht eingesetzt werden."
Kurzer, aber wichtiger Einsatz der Feuerwehr
Der kurze Einsatz sei dennoch wichtig gewesen. Vor allem im schwierigen Berggelände hätten die deutschen Feuerwehrleute die spanischen Einsatzkräfte entlastet.
Die Dankbarkeit der Bevölkerung sei zudem groß gewesen, berichtet Frenser. In den nächsten Stunden werden die Feuerwehrleute ihr Lager wieder räumen, bevor die rund dreitägige Heimreise nach Nordrhein-Westfalen beginnt.
NRW-Feuerwehr verlässt Waldbrandgebiet in Spanien
Bildquelle: WDR/Alexander KleinWDR. 02.08.2026. 00:50 Min.. Verfügbar bis 01.08.2028.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- WDR-Gespräch mit Frank Frenser, Pressesprecher der Feuerwehr Bonn
- WDR-Gespräch mit den Feuerwehrmännern Thomas Trautewig und Andreas Wilhelm
- Spanische Behörden
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 02.08.2026, 23.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.08.2026, 18:45 Uhr