Abschreckung mit Autowrack: Warnung vor Rasern

Bildquelle: Solveig Barder

Aktuelle Stunde 22.10.2025 18:25 Min. UT Verfügbar bis 22.10.2027 WDR Von Fritz Sprengart

Autowrack am Bahnhof: Wie die Polizei Oberhausen Raser wachrütteln will

Stand:

Die Polizei Oberhausen will Raser mit einer ungewöhnlichen Aktion wachrütteln und auf die verheerenden Folgen von illegalen Autorennen aufmerksam machen.

Von Solveig Bader

Die Motorhaube eingedrückt, die Frontscheibe gesplittert, Blut auf dem baumelnden Airbag - ein völlig demoliertes Autowrack auf dem Vorplatz des Oberhausener Hauptbahnhofes in Oberhausen. Es stammt aus einem echten Autounfall.

Polizistin Melanie Bierr steht vor einem Autowrack und zeigt auf Blutflecken im Airbag

Melanie Bierr ist Polizeibeamtin und Verkehrssicherheitsberaterin in Oberhausen

Bildquelle: Solveig Barder

"Alle Airbags sind aufgegangen, aber wenn solche Kräfte wirken, dann nützt auch kein Sicherheitssystem mehr. Da sind zu viele Kräfte im Spiel", erklärt Melanie Bierr, Polizeibeamtin bei der Verkehrsunfallprävention in Oberhausen den Menschen, die fassungslos vor dem Wrack inmitten der Stadt stehen bleiben und das Gespräch mit ihr suchen.

"Das macht auf jeden Fall Eindruck", sagt der 24-jährige Lorenz Gottemeier. "Wir sind aus dem Bus raus und als wir hierhin gekommen sind, war das ein Schock. Da geht einem alles Mögliche durch den Kopf."

"Wir wollen keine Angst machen, sondern wachrütteln"

Wachrütteln, vor Raserei warnen - genau das will die Polizei Oberhausen mit dieser ungewöhnlichen Aktion erreichen. "Damit erzeugen wir natürlich Aufmerksamkeit im Gegensatz zu einem Flyer, Plakat oder Infostand. Das gehört natürlich auch dazu, um den Bürger zu informieren, aber dadurch catcht man natürlich die Leute: So sieht das dann aus, wenn so ein schlimmer Unfall passiert", sagt René Anhuth, Pressesprecher der Polizei Oberhausen. Zusammen mit Melanie Bierr sind zur Aufklärung da. Erzählen mehrfach die Geschichte hinter dem Autowrack.

Autowrack als Mahnmal

Der braune SUV, der auf einem Anhänger ausgestellt ist, soll zeigen, wie schnell Leichtsinn und überhöhte Geschwindigkeit Leben kosten können. So wie das von Marian R., der darin ums Leben gekommen ist, ein 46-jähriger Familienvater. Im Jahr 2022 verunglückt er im Kreis Gütersloh in Versmold bei einem illegalen Autorennen.

Ein Autowrack welches Vorne eingedrückt ist , steht auf einer Art Podest in einem Zelt

Mit diesem Autowrack soll vor Gefahren zu schnellen Fahrens gewarnt werden

Bildquelle: Solveig Barder

Früh morgens auf dem Weg zur Arbeit liefert er sich mit einem anderen Arbeitskollegen ein Autorennen. Beide beschleunigen ihre Fahrzeuge auf etwa 160 km/h. In einer Kurve kommt Marian R. von der Fahrbahn ab, prallt gegen zwei Bäume. Er stirbt noch in seinem Fahrzeug.

Zielgruppe sind vor allem Fahranfänger

Innenanasicht eines Autowracks. Ein augelöster Airbag mit Blutspritzern und eine zebrochene Frontscheibe sind zu erkennen

Der Fahrer dieses Autos starb bei einem illegalen Autorennen

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Zielgruppe dieser ungewöhnlichen Aktion der Polizei Oberhausen sind insbesondere junge Fahranfängerinnen und -anfänger zwischen 17 und 23 Jahren - also diejenigen, die am Anfang ihres Lebens auf vier Rädern stehen. Sie sollen für die Sicherheit im Straßenverkehr besonders sensibilisiert werden.

1250 illegale Autorennen hat die Polizei in NRW im ersten Halbjahr 2025 dokumentiert. 320 Unfälle sind dabei passiert. Im Jahr 2024 waren laut Verkehrsbericht der Stadt Oberhausen 8221 Menschen in Autounfälle verwickelt, davon sind 650 verunglückt, darunter zwei Todesopfer.

"Über Emotionen kann man die Menschen am besten erreichen"

"Sehr schlimm", meint Abdel Alhdi, als er vor dem verformten Wagen stehen bleibt und das Blut des Unfallopfers am Airbag sieht. "Das wurde bewusst auch so belassen, weil wir die Emotionen der Leute auch ansprechen wollen, denn über die Emotionen kann man die Menschen am besten erreichen", erklärt ihm die Polizeibeamtin Melanie Bierr.

Eine Person vor einem Autowrack

Abdel Alhldi macht grade seinen Führerschein und ist geschockt

Bildquelle: Solveig Barder

Der 19-Jährige macht gerade seinen Führerschein. Der beste Zeitpunkt, um ihn für die Risiken im Straßenverkehr zu sensibilisieren, hofft die Polizei Oberhausen. "Wir sehen sehr viele junge Menschen, die hier sehen können: So sieht's dann wirklich aus, nicht auf'm Foto oder Video, sondern hier vor Ort, wenn sich so ein schwerer Unfall ereignet hat", sagt René Anhuth von der Polizei Oberhausen.

"Wir wollen keine Angst machen, sondern wachrütteln"

WDR Studios NRW 22.10.2025 00:46 Min. Verfügbar bis 22.10.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Polizei Oberhausen

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