Smart City Bochum

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3 Min. 19 Sek. Verfügbar bis 23.09.2028

Bochum digital Wie klug ist die Smart City Bochum wirklich?

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Seit fünf Jahren fördert der Bund Bochum als Smart City. Ausweise aus dem Automaten, Schadensmeldungen per App, Sensoren an Stadtbäumen: Vieles läuft schon. Im Alltag zeigt sich aber auch, wo es noch hakt.

Ein Spielplatz im Bochumer Süden. Benjamin Wiesrecker geht hier oft mit seinem Hund spazieren. Früher stand hier eine Bank, heute gibt es nur noch einen kaputten Mülleimer. Das ärgert den 41-Jährigen.

Er öffnet den Mängelmelder auf seinem Handy und fotografiert den Schaden. "Die Stadt müsste sonst mit eigenem Personal den ganzen Tag durch die Stadt laufen, um solche Dinge zu finden“, sagt er. "So haben die Bürger die App in der Hosentasche und helfen der Stadt, auf Mängel aufmerksam zu machen.“ Ist das sinnvolle Digitalisierung? "Ja, absolut.“

Bochum: Top Ten der digitalsten Großstädte Deutschlands

Bochum will bei der Digitalisierung vorne sein. Seit 2021 gehört die Stadt zu 73 von der Bundesregierung geförderten Smart City-Modellprojekten. 820 Millionen Euro gibt der Bund insgesamt dafür aus. Rund 10 Millionen Euro fließen davon nach Bochum.

Die Stadt selbst gibt noch einmal rund 5 Millionen Euro in das Projekt. Ganz praktisch gesehen geht es dabei z.B. um die Entwicklung von zahlreichen Angeboten wie der Bochum-App, über die man nicht nur Mängel melden kann, sondern auch Spielplätze findet oder Termine im Rathaus buchen kann.

Auch dadurch liegt Bochum im Smart City Index des Branchenverbands Bitkom derzeit auf Platz acht. Bochum ist damit beste Ruhrgebietsstadt, Essen liegt auf Platz 15, Dortmund auf Platz 21. Trotzdem geht die Meinung bei den Bochumerinnen und Bochumern beim praktischen Nutzen der Digitalisierung auseinander.

Mehr als hundert städtische Onlinedienste

"Man spart Zeit und auch Papierkram“, sagt ein Passant. Eine Frau winkt ab: "Ich mache alles schriftlich. Ist sicherer. Online ist immer so gefährlich.“ Alexander von der Stein ist dagegen neugierig. Im Bürgerbüro nutzt er zum ersten Mal die Dokumentenausgabebox und holt dort seinen Ausweis ab, ohne zu warten. "Ich find das gut, weil man hier flexibel, ohne zweiten Termin, hinkommen kann, um den abzuholen.“

EIn Mann sitzt in einem Büro. Hinter ihm ist ein weiterer Mann am Schreibtisch zu sehen

Denes Küçük koordiniert das Projekt Smart City Bochum

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Solche Rückmeldungen hört Denes Kücük gern. Als Chief Digital Officer ist er mit seinem Team für das Digitalprojekt der Stadt zuständig. Gerade arbeiten sie an einem Update für die Bochum-App. "Wir haben mittlerweile mehrere hundert Onlinedienste, wo man nicht mehr ins Rathaus kommen muss, wo man den Antrag digital einreichen kann, alle erforderlichen Unterlagen“, sagt Kücük. Nicht jede Dienstleistung sei für alle gedacht, "aber insgesamt wird es halt ein Mehrwert für die Bevölkerung.“

Dazu sollen auch Sensoren an Grünflächen oder Teichen beitragen. Sie messen Klimadaten und die Qualität von Gewässern oder helfen bei der Frage, ob Stadtbäume gegossen werden müssen. Trotzdem bleibt viel zu tun.

Nachholbedarf bei der Digitalisierung im öffentlichen Dienst

"Der öffentliche Dienst, das ist kein Geheimnis in Deutschland, hat noch ganz, ganz viel Nachholpotenzial“, sagt Kücük. "Wir sind längst nicht da, wo viele große Unternehmen stehen in der Qualität ihrer Dienstleistungen.“

Kritik äußern die Digitalexperten des Verbandes Bitkom zum Beispiel an der Weiterentwicklung im Bereich Energie und Umwelt der Stadt, z.B. bei intelligentem Parkraummanagement oder einem digital vernetzten ÖPNV. Bochum dürfe insgesamt nicht an Dynamik bei der Digitalisierung verlieren.

Digitale Angebote im Familienalltag

Bei Benjamin Wiesrecker und seiner Frau Chiara Marsala gehören die digitalen Angebote zum Familienalltag. Blick auf den Müll-Kalender im Handy: "Sag mal, hattest du die gelbe Tonne bereitgestellt?“ – "Nee, hab ich noch nicht.“ Ganz zufrieden sind die beiden trotzdem nicht. "Bei der Bochum-App merkt man an der ein oder anderen Stelle, dass die Benutzerfreundlichkeit nicht so gut ist“, sagt Wiesrecker.

Ein Mann und eine Frau sitzen am Tisch

Benjamin Wiesrecker und Chiara Marsala finden das Bochumer Digitalangebot noch ausbaufähig.

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Oft werde man auf andere Websites weitergeleitet, die Nachrichten seien ziemlich verschachtelt. "Teilweise wirkt es etwas überfrachtet. Man hat versucht, alles abzubilden. Grundsätzlich aber cool, dass es das überhaupt gibt.“

Das Urteil der Familie fasst Chiara Marsala zusammen: "Mein kleiner Sohn würde sagen: einen Daumen hoch. Aber keinen Doppel-Daumen.“ Der Vierjährige grinst: "Wofür denn?“ – "Für das digitale Angebot.”, sagt seine Mutter. “Aber das erklären wir dir später.“

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Digitalverband Bitkom - Smart City Index 2026
  • Denes Kücük, Chief Digital Officer Stadt Bochum
  • Eindrücke von Nutzern

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 22.09.2026, 19:30 Uhr

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