Wie digital sind Deutschlands Großstädte? Der "Smart City Index" zeigt große Unterschiede auch in NRW.
Bildquelle: imago/Jochen TackWie steht es um die Digitalisierung der Verwaltung? Welche smarten Verkehrsangebote gibt es? Und wie gut ist das Internet in den Schulen? All diese Fragen beleuchtet der "Smart City Index" des Branchenverbands Bitkom. Er gilt als eines der wichtigsten Rankings zur Digitalisierung deutscher Städte. Seit acht Jahren wird er veröffentlicht.
In diesem Jahr gibt es einen neuen Spitzenreiter. Stuttgart ist nach Einschätzung von Bitkom mittlerweile die digitalste Stadt in Deutschland, gefolgt von München und Hamburg. Die baden-württembergische Landeshauptstadt überzeugt vor allem im Bereich der Verwaltung.
"In Stuttgart haben alle städtischen Mitarbeiter Zugang zu Künstlicher Intelligenz", sagt Sven Wagner, Verfasser des Rankings bei Bitkom: "Dazu kommt, dass Stuttgart alle wesentlichen Verwaltungsleistungen digitalisiert hat."
Düsseldorf in NRW am besten
NRW liegt im Bundesländer-Vergleich im Mittelfeld, hat aber aufgeholt. Unter den besten zehn Städten sind mit Düsseldorf (Rang 5), Köln (Rang 6), Bochum (Rang 8) und Aachen (Rang 10) auch vier NRW-Städte.
"Es ist ein relatives Ranking. So sehr uns Stuttgart überzeugt hat, auch dort ist es noch ein Weg hin zu einer vollständig digitalen Stadt." Sven Wagner, Bitkom e.V.
Für den "Smart City Index" untersucht Bitkom alle 83 deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Bewertet werden verschiedene Bereiche, darunter die Verwaltung, die IT-Infrastruktur und Mobilität. Über 14.000 Datenpunkte wurden erhoben, aus ihnen ergibt sich der Index.
Mönchengladbach holt auf
Eine enorm positive Entwicklung hat Mönchengladbach genommen. Die Stadt klettert im deutschlandweiten Ranking von Platz 30 auf Rang 12. Und das auch, weil sich viel im Bereich Mobilität getan hat.
WLAN an Bord gehört in Städten wie Mönchengladbach und Bochum längst zum Nahverkehr.
Bildquelle: imago/Jochen TackTeile des Verkehrs in der Stadt werden mittlerweile über KI gesteuert und im öffentlichen Nahverkehr gibt es WLAN. "Mönchengladbach ist eine Stadt, die enorm von Bundesfördermitteln profitiert hat", erklärt Sven Wagner: "Daran sieht man, wie wertvoll das sein kann." Der Digital-Experte beobachtet: In den Kommunen ist neben den finanziellen Mitteln oft der Wille zur Umsetzung entscheidend.
Das zeigt sich auch in Krefeld. Insgesamt landet die Stadt im Mittelfeld, auf Rang 45. Doch im Bereich der digitalen Verwaltung teilt sie sich mit Nürnberg den ersten Platz. "Am Beispiel von Krefeld sieht man, dass man mit engagiertem Vorgehen der kommunalen Politik viel erreichen kann", sagt Sven Wagner.
Remscheid ganz hinten
Im Smart City Ranking lässt Düsseldorf viele kleinere Städte in NRW hinter sich.
Bildquelle: akg-images / euroluftbild.de / Hans BlosseyInsgesamt ist das Bild in NRW gemischt. Während größere Städte wie Köln und Düsseldorf Fortschritte machen, hinken andere bei der digitalen Infrastruktur hinterher. Das lässt sich auch im "Smart City Ranking" ablesen: Sieben der 15 am schwächsten bewerteten Städte kommen aus NRW. Dazu zählen Recklinghausen, Siegen und Bottrop. Schlusslicht des Rankings ist Remscheid.
Warum einige Kommunen bei der Digitalisierung hinterherhinken, ist auch für die Experten nicht immer ersichtlich. Klar ist aber: Nicht selten sind es bei kleineren Kommunen strukturelle Standortnachteile, die die Umsetzung digitaler Projekte zusätzlich erschweren:
"Generell sehen wir, dass finanziell geförderte Städte und Universitätsstädte besser abschneiden." Sven Wagner, Bitkom e.V.
Mehr Tempo bei Digitalisierung nötig
Mit dem "Smart City Index" will Bitkom erfolgreiche Digital-Projekte sichtbar machen. Der Branchenverband verbindet das aber auch mit einer Forderung: Nach einer bundesweit einheitlichen digitalen Infrastruktur.
Bislang gleiche die eher einem "Flickenteppich", sagt Sven Wagner: "Wir sollten aufhören, in jeder Kommune für viel Geld immer wieder alles neu zu entwickeln, sondern uns voneinander inspirieren lassen." Möglichkeiten dazu gebe es schon jetzt. Zum Teil, sagt Wagner, seien die Programmcodes für einzelne Anwendnungen offen zugänglich: "Sie müssen nur eingesetzt werden."
Eine stärkere Vereinheitlichung digitaler Lösungen und eine gezielte Unterstützung der Kommunen könnten helfen, das Digitalisierungstempo in deutschen Städten zu erhöhen. Und dass dabei Handlungsbedarf besteht, macht Wagner deutlich: "Mangelnde Digitalisierung ist ein internationaler Standortnachteil."
Unsere Quellen:
- Interview mit Sven Wagner von Bitkom e.V.
- Smart City Index 2026
Sendung: WDR aktuell, Tag um zwölf, 08.09.2026, 12:06 Uhr