Urteil gegen Fußballtrainer wegen sexuellen Missbrauchs
Bildquelle: WDRWDR. 2 Min. 35 Sek.. Verfügbar bis 24.09.2028.
Am Landgericht Bochum ist am Donnerstag ein Urteil gegen einen ehemaligen Jugendtrainer gefallen. Danach hat der 27-Jährige in seinem Fußballverein, aber auch im Freudeskreis und in seinem Arbeitsumfeld jahrelang Kinder schwer missbraucht. Das Strafmaß: Fünf Jahre und sechs Monate Jugendhaft.
Damit folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Zugutegekommen sei dem Angeklagten, dass er voll geständig sei und auch Taten einräumte, die nur durch seine Angaben bekannt seien. Die Verteidigung hatte eine "mildere Strafe" und eine Therapie gefordert.
Die Strafverteidiger Stephan Schultz (links) und Michael Emde
Bildquelle: WDR / Carmen KrafftBei den ersten Übergriffen war der 27-Jährige selbst erst 14 Jahre. Laut Anklage soll er das Vertrauen von Eltern im Verein, von Freunden und Berufskollegen ausgenutzt haben und in fast 40 Fällen Kinder missbraucht und teilweise sogar vergewaltigt haben. Der Angeklagte nahm das Urteil aufmerksam, aber ohne erkennbare Regung auf.
Jüngstes Opfer war gerade einmal drei Jahre alt
Zuvor hatte eine Gutachterin ihm eine pädophile Neigung zu jüngeren Kindern attestiert. Sein jüngstes Opfer war gerade mal drei Jahre. Bei einer Durchsuchung war bei ihm kinderpornografisches Material von seinen Opfern gefunden worden.
Vor allem das laut Gericht "planvolle und gezielte Vorgehen" des Täters und die Folgen seiner Taten machen betroffene Familien sprachlos. Teilweise hatte er dessen Notsituation ausgenutzt und war für eine Betreuung eingesprungen. So entband die Frau eines Kollegen ihr zweites Kind, während der Bochumer ihren dreijährigen Sohn über Stunden am Arbeitsplatz auf schwerste Weise wiederholt missbrauchte.
Missbrauch wurde immer raffinierter
Über zwölf Jahre wurden die Methoden des Bochumers immer raffinierter, um Opfer gefügig zu machen. Er trickste und täuschte laut Urteil Kinder, um sich zu befriedigen. Die Mutter eines Siebenjährigen aus der F-Jugend sagte aus, ihr Sohn ließe sich seit den Übergriffen nicht mehr anfassen, sei distanziert. Andere Eltern berichten, ihr Kind sei in die digitale Welt abgetaucht.
Sexuelle Gewalt an Kindern im Fußballverein waren das letzte "Spielfeld", das sich der Bochumer ab 2024 offenbar gezielt ausgesucht hatte. So bastelte er eine Vorrichtung, mit der er ein Krafttraining vortäuschte und so geschickt vom Missbrauch ablenkte - darunter auch ein Mädchen. So ist zu erklären, dass offenbar keines der Kinder etwas von den Übergriffen erzählte.
Die Tarnung im Fußballverein war "perfekt"
Mehr als sonst lässt ein Strafverfahren wegen massiver sexualisierter Gewalt die Öffentlichkeit so ratlos zurück wie das des 27-jährigen ehemaligen Jugendtrainers. Nach WDR-Informationen war die Tarnung besonders im Fußballverein perfekt: Er soll sowohl ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegt als auch Präventionskurse absolviert haben.
Während er die Betreuung auf dem Platz für einige Minuten Eltern überließ, missbrauchte er in der Umkleidekabine deren Kinder. Wie also sind Kinder besser zu schützen? Der Fußballkreis Bochum mahnt seine Vereine an, Schutzkonzepte zu verbessern. Aber vor allem eins: "Wir müssen die Kinder genau im Blick haben und auch kleine Veränderungen bei ihnen wahrnehmen", so der Vorsitzende Axel Zimmermann.
Keine Einfühlung in das Leid der Kinder
Die Richterin fasste einen wichtigen Teil der Persönlichkeit des äußerlich gepflegt auftretenden Bochumers so zusammen: "Sie haben versucht, sich bei den Eltern zu entschuldigen und zerbrochene Beziehungen bedauert. In die Kinder - und was dies alles mit ihnen macht - haben sie sich auch hier nicht eingefühlt."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
- Landgericht Bochum
- Gespräche mit betroffenen Eltern
- Vorherige Berichterstattung
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 23.09.2026, 12:45 Uhr