Einem Bochumer Jugendfußballtrainer wird sexuelle Gewalt vorgeworfen
WDR. 02:54 Min.. Verfügbar bis 15.07.2028.
Die Mutter eines heute sechsjährigen Opfers hört den schwer zu ertragenden Ausführungen der Staatsanwaltschaft gefasst zu. Auch ihr Sohn soll über Monate vom angeklagten ehrenamtlichen Trainer immer wieder in der Umkleide des Fußballvereins missbraucht worden sein. Der Angeklagte ist nach Angaben des Strafverteidigers in fast 40 Fällen geständig.
Der Fußballverein war nur ein "Spielfeld" des 27-Jährigen für Missbrauch. Der Bochumer trickste und täuschte laut Anklage Kinder, um sich zu befriedigen. Anfangs soll er Freunden seines eigenen Bruders sexuelle Gewalt angetan haben.
Prozess gegen Jugendtrainer: Taten wurden mit Fotos und Videos dokumentiert
Bei den ersten Taten war er selbst erst 14 Jahre. In der Pubertät wurden eigene Schulfreunde zu Opfern. Als Erwachsener soll er Kinder von engen Freunden missbraucht haben, schließlich Kinder von Arbeitskollegen.
Die Strafverteidiger Stephan Schultz (links) und Michael Emde
Die meisten der angeklagten Taten soll der 27-Jährige per Foto und Video dokumentiert haben. Das Material war bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden worden. "Er nutzte es ausschließlich für eigene Zwecke, nicht um es zu verbreiten", sagt sein Strafverteidiger Stephan Schultz.
Vorgeworfenen Taten wurden immer raffinierter
Die Familien der betroffenen Kinder hatten den Missbrauch in ihrem privaten Umfeld nicht bemerkt.
Über zwölf Jahre scheinen die Methoden des Bochumers immer raffinierter geworden sein, um Opfer gefügig zu machen. In großen Teilen schienen die Kinder durch Ablenkung und Augenbinden nicht begriffen zu haben, was ihnen angetan wurde.
Sein jüngstes Opfer war erst drei Jahre alt. Der Sohn eines Kollegen soll ihm zur Betreuung anvertraut worden sein. In einem nicht einsehbaren Bereich seines Arbeitsplatzes soll er den Jungen vergewaltigt haben.
Eltern zeigten Angeklagten an
Im Fußballverein soll er eine Vorrichtung gebastelt haben, mit der er ein Krafttraining vortäuschte und so geschickt vom Missbrauch ablenkte - darunter auch ein Mädchen. So ist zu erklären, dass offenbar keines der Kinder auffällig wurde oder etwas von den Übergriffen erzählte.
Die Jugendstrafkammer Bochum entscheidet, ob der 27-Jährige nach Jugendstrafrecht verurteilt wird. Er war bei den Taten teilweise minderjährig.
Auf die Spur kamen die Ermittler dem Bochumer durch die Anzeige von Eltern aus dem Umfeld des Arbeitsplatzes des Angeklagten und den Schilderungen ihres beim Übergriff elfjährigen Sohnes.
Appell: Veränderungen bei Kindern wahrnehmen
Die Konsequenzen? Der Fußballkreis Bochum mahnt seine Vereine an, Schutzkonzepte zu verbessern. Aber vor allem eins: "Wir müssen die Kinder genau im Blick haben und auch kleine Veränderungen wahrnehmen", so der Vorsitzende Axel Zimmermann.
Bei der nächsten Sitzung kann der 27-Jährige die Chance nutzen, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Unsere Quellen:
- Reporterin bei der Gerichtsverhandlung
- Gespräch mit den Strafverteidiger
- Gespräch mit Angehörigen
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 15.07.2026, 16:31 Uhr