Tryna Loules sitzt auf einem Sessel im Backstage. Sie hat rote Haare und einen hoch-gebundenen Zopf. Sie trägt ein braunes Top und eine hellblaue Jeansshorts.

Tryna Loules tourt mit Culcha Candela durch Deutschland.

Bildquelle: WDR / Marie Vandenhirtz

Sängerin und Produzentin Tryna Loules: Die Musikerin, die nach Bottrop zurückkehrte

Stand:

Tryna Loules hat mit Chris Brown und Vanessa Mai zusammengearbeitet, mit Fifth Harmony den Soundtrack zum Kinderfilm "Paw Patrol" produziert, und tourt heute mit Culcha Candela. Trotzdem lebt sie seit einiger Zeit wieder in ihrer Heimatstadt Bottrop. Was der Pott besser kann als LA oder Berlin.

"Ich komme aus Bottrop. Deswegen liegt mir der Auftritt hier am Herzen", ruft Tryna Loules ins Mikrofon. Es ist ein Sonntagabend im Spätsommer. Loules steht in Jeanshose, Jeanshemd, weißem Top und hochgebundenem Zopf auf der Bühne des Burgtheaters in Dinslaken – mit Culcha Candela.

Eigentlich singt Loules im Hintergrund, im Chor der Band. Im Lied, das gerade zu Ende ist, hat sie allerdings einen Solo-Teil und tritt kurz aus der zweiten Reihe hinaus.

Heimspiel für die Bottroperin

Für die gerade vierzig Jahre alt gewordene Sängerin ist der Auftritt ein Heimspiel. Etwa zwanzig Kilometer von der Stadt entfernt, in der sie aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, darf sie heute auf der Bühne stehen.

Genau deswegen sitzen heute auch ihre Tochter, ihre Mutter, ihr Bruder und einige Freundinnen im Publikum. Sie alle sind in Bottrop groß geworden, leben heute immer noch dort oder – wie in Loules Fall – wieder.

In Los Angeles konnte sie ihren Traum leben

Dass Tryna Loules heute mit Culcha Candela auf der Bühne steht, hat sie sich lange erarbeitet: 2003, mit gerade einmal 16 Jahren, landete Loules bei der Castingshow "Popstars", danach ging es nach Hamburg und mit 25 schließlich nach Los Angeles.

Tryna Loules tanzt auf der Bühne. Sie trägt ein weißes Top mit einem Jeans-Hemd und einer Jeans-Shorts.

Tryna Loules bei Culcha Candela in Dinslaken: Anreisezeit nur 30 Minuten.

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Von dort aus verlief ihre Karriere ziemlich schnell: "Ich hatte jemandem mein Demo vorgespielt und am nächsten Tag stand ich mit Chris Brown im Studio", sagt sie. Über den Produzenten Max Martin lernte sie auch Stars wie Ariana Grande, Taylor Swift und Mick Jagger kennen.

Das Ruhrgebiet hat sie auf Los Angeles vorbereitet

Während andere bei diesen Pop-Größen ins Stottern gerieten, kam Loules mit ihnen auf Augenhöhe ins Gespräch. Im Backstage in Dinslaken erzählt Loules, sie habe diese Offenheit aus dem Ruhrgebiet mit nach Los Angeles gebracht. Hier würde man eben jedem gleich begegnen – egal, wie bekannt die Person ist.

In Los Angeles sei Bottrop dann schnell zu einem Running Gag geworden, sagt sie. Wenn sie erzählte, wo sie herkam, folgte meist ein ungläubiges "What the hell is Bottrop?" (Deutsch: Was zum Teufel ist Bottrop).

"Die Deutsche"

Loules erzählt dann stolz weiter: vom Ruhrpott, davon, dass sie aus einer Arbeiterfamilie komme. Die Amerikanerinnen und Amerikaner seien davon begeistert gewesen: "Die fanden das immer total geil. Die wussten: Ich kann die Ärmel hochkrempeln und mache was."

In Los Angeles wären die Leute anders: "Da ist so viel Träumerei, aber auch so viel Energie auf den Straßen, dass du wirklich glaubst, morgen Millionär sein zu können." Von ihr aber wussten alle, sie setzt um, was sie verspricht – wie, sagt sie scherzend, die meisten Deutschen eben.

Tryna Loules kramt in ihren Make-up Taschen.

Um das Styling für das Konzert kümmert sich Tryna Loules selbst.

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Eine typische Ruhrgebiets-Familie

Geboren wurde Loules in Bottrop als drittes von vier Kindern griechisch-portugiesischer Eltern, die beide in ihrer Jugend ins Ruhrgebiet gekommen waren.

"Das ist eine absolute Willkür, dass ich existiere", sagt sie über die Zufälligkeit dieser Familienkonstellation, und lacht dabei über die Vorstellung, dass zwei Menschen aus so unterschiedlichen Ländern sich ausgerechnet in Bottrop trafen. So wie bei vielen Kindern des Ruhrgebiets.

Bottrop: Wenig Chancen für Musiker

Ihre Kindheit beschreibt sie als behütet und unbeschwert. Trotzdem sei ihr Bottrop schnell zu klein geworden: "Bottrop ist zwar kein Dorf, aber hatte trotzdem seine Begrenzung." Gegen den Rat eines Berufsberaters, lieber etwas "Vernünftiges" zu lernen, ging sie deswegen zum "Popstars"-Casting.

Den Mut dazu erklärt sie schlicht mit fehlenden Alternativen: "Es gab damals einfach keine Möglichkeiten für mich als Künstlerin, in Bottrop irgendwas zu machen." Wer etwas mit Musik vorhatte, musste gehen.

Tryna Loules steht auf der Bühne und singt. Sie trägt ein weißes Top mit einem Jeans-Hemd und einer Jeans-Shorts.

Die Sängerin arbeitet gerade an ihrer eigenen Musik.

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Heute kann Loules auf die Zusammenarbeit mit vielen Pop-Größen zurückblicken. Und sie sei, wie sie selbst betont, lange nicht fertig. Doch jetzt geht es eben in Bottrop weiter. Denn weg will sie erst einmal nicht.

Aus Bottrop zog es Loules nicht mehr weg

Eigentlich wollte die Sängerin nur für die Geburt ihrer Tochter vor sieben Jahren nach Deutschland zurückkehren und wieder nach Kalifornien gehen. Dann kam die Corona-Pandemie. "In so einer Situation will man nach Hause, in Sicherheit, zu der Familie – und das ist halt für mich Bottrop", sagt sie.

Statt zurück in die USA zu ziehen, baute sie sich mit ihrem damaligen Ehemann ein eigenes Musikstudio ins Haus. Künstlerinnen und Künstler, mit denen die beiden zusammenarbeiteten, kamen fortan einfach zu ihnen – nach Bottrop, nicht umgekehrt.

"In Bottrop bin ich einfach Katerina." Tryna Loules

Inzwischen schätze Loules das Leben in einer kleineren Stadt. Dort sei sie nicht die Künstlerin, sondern Katerina – wie sie eigentlich heißt.

Auch praktisch organisiert sich ihr Leben in Bottrop gut. Wochentags kümmert sie sich um ihre Tochter und die Schule, an den Wochenenden tourt sie mit Culcha Candela quer durch Europa.

An diesem Abend in Dinslaken lässt sich beides gut kombinieren. Ihre Mutter und ihre Tochter folgen ihr auf Schritt und Tritt: beim Soundcheck, Backstage, im Publikum.

Tryna Loules schaut in den Spiegel. In der Hand hält sie eine Lidschattenpalette. Sie trägt ein braunes Top und hat ihre roten Haare in einem Zopf gebunden.

Eine Stunde vor Show-Beginn: Tryna Loules bereitet sich auf ihren Auftritt vor.

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Nächstes Ziel: Musikschule

Ganz unkritisch ist Loules' Verhältnis zu ihrer Heimat allerdings nicht. "Ich würde am liebsten zu meinem 16-jährigen Ich zurückgehen und sagen: Ich helfe dir", sagt sie und erinnert sich daran, dass es in vielen Situationen schwierig war, für ihren Traum als Musikerin einzustehen. Das will sie ändern.

Gemeinsam mit dem befreundeten Musiker Maverick Scholl plant Loules eine Musikschule, die 2027 in Bottrop eröffnen soll. Ihre Vision geht dabei über klassischen Musikunterricht hinaus: ein modernes Ensemble, das aktuelle Lieder singt, mit Praxiserfahrung durch befreundete Künstlerinnen und Künstler.

Brücken schlagen – für die nächste Generation

"Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwo anders eine Musikschule zu gründen, weil ich das Gefühl habe, dass ich diese Brücke schlagen muss": Die Brücke zwischen der jungen Katerina, die damals ohne Unterstützung im Musik-Business landete, und den Kindern von heute, denen sie das ersparen möchte.

Auch eigene Musik soll bald erscheinen, verrät Loules. Im kommenden Jahr wird sie aber auch wieder mit Culcha Candela auf Tour gehen. Am Ende aber kommt sie dann wieder zurück, nach Hause. Nach Bottrop.

Tryna Loules: Die Sängerin, die nach Bottrop zurückkehrte

WDR 05.09.2026 42 Sek. Verfügbar bis 04.09.2028

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Tryna Loules
  • Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Tryna Loules: Die Musikerin, die nach Bottrop zurückkehrte, 14.09.2026, 05.05 Uhr

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