Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Hattingen.
Bildquelle: WDR / picture alliance / imageBROKER / Getty ImagesSeit Tagen fiebern die Menschen in Hattingen dem hohen Besuch entgegen. Und seit Tagen merken sie auch, dass sich etwas Großes ankündigt. "Unten am Hotel kommst du schon seit einer Woche gar nicht mehr mit dem Auto durch, da ist alles abgesperrt", sagt Manfred Trampitz.
Bundespräsident Steinmeier ist beliebt
Finden den Besuch des Bundespräsidenten klasse (von links): Manfred, Helmut und Heinz.
Bildquelle: WDR/Olaf BiernatDer Rentner sitzt mit seinen Freunden in einem Café in der Hattinger Altstadt und unterhält sich über den Besuch des Bundespräsidenten. "Ich bin angenehm überrascht, dass der überhaupt hierhin kommt", sagt Trampitz. Und sein Freund Heinz Moog fügt hinzu: "Ich mag den Steinmeier. Der ist ruhig und zurückhaltend und für unsere Stadt ist das ne gute Werbung".
Hattingens Bürgermeisterin ist aus dem Häuschen
Der Bundespräsident zum Anfassen. Und das für ganze drei Tage, denn so lange wird Frank-Walter Steinmeier im beschaulichen Hattingen bleiben - der Stadt im südlichen Ruhrgebiet mit 56.000 Einwohnern.
Hattingens Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing freut sich auf den Besuch des Bundespräsidenten.
Bildquelle: WDR/Olaf BiernatDass ihre Stadt den Zuschlag bekommen hat, konnte Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing zunächst gar nicht fassen: „Es war erst mal total unwirklich, also das glaubt man nicht sofort, dass man letztendlich drei Tage lang der Amtssitz des Bundespräsidenten ist", erzählt sie.
"Das ist für diese Stadt schon ein einmaliges Erlebnis. Was für eine Riesen-Chance.“ Melanie Witte-Lonsing, Hattingens Bürgermeisterin
Ziel des Besuchs: Nähe zu Bürgerinnen und Bürgern zeigen
Steinmeier kommt im Rahmen seiner so genannten "Ortszeit". Dabei besucht er jeweils drei Tage lang kleine und mittlere Städte in ganz Deutschland und will mit Bürgerinnen und Bürgern und Lokalpolitikerinnen und -politikern ins Gespräch kommen. Dabei haben Menschen Gelegenheit, das Staatsoberhaupt aus nächster Nähe zu erleben.
Unter anderem wird der Bundespräsident im Sportverein rudern, ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt besuchen, mit Lokalpolitikerinnen und Politikern und Wirtschaftsvertreterinnen und Vertretern sprechen und an einem Kneipenquiz teilnehmen. Das wird von der Bürgermeisterin moderiert. Steinmeier wird in einem Team mit Hattingern spielen und Fragen beantworten müssen, unter anderem auch über Hattingen und zum Thema Heimat.
Kochen und Selfie mit dem Bundespräsidenten
Die beiden 17-Jährigen Aras (links) und Diler werden mit dem Bundespräsidenten gemeinsam kochen.
Bildquelle: WDR/Olaf BiernatEin Highlight wird das gemeinsame Kochen mit Jugendlichen in einer Nachmittagsbetreuung. Es gibt Kartoffelsuppe. Die beiden 17-Jährigen Diler und Aras dürfen dabei sein und sind schon etwas nervös.
"Das ist eine große Ehre, mit dem Bundespräsidenten zu kochen, der ist ja schon eine große Nummer." Diler
Sein Freund Aras wird versuchen, ein Selfie mit Steinmeier zu bekommen: "Das wäre cool, das würde ich sogar aufhängen in meinem Zimmer."
Die beiden Schüler Damian und Clara wollen den Bundespräsidenten live erleben.
Bildquelle: WDR/Olaf BiernatAuch Clara Voß und Damian Brinkmann freuen sich auf den Besuch. Die beiden Schüler wissen aber gar nicht viel über den Bundespräsidenten: "In der Schule sprechen wir eigentlich immer über Bundeskanzler Merz. Ich weiß nur, dass der Bundespräsident Gesetze unterschreibt", sagt Clara.
Standarte wird auf Hotel-Dach gehisst
Aber die Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten laufen auch in Hattingen weiter. Drei Tage lang hat er sich in einem Hotel eingemietet, auch zahlreiche Mitarbeiter werden hier Räume beziehen.
Die Standarte kommt nach Hattingen
Bildquelle: Wolfgang Kumm/dpaAuf dem Dach wird die Standarte gehisst, die offizielle Flagge für Staatsoberhäupter. Die Sicherheitsvorkehrungen sind in der gesamten Stadt spürbar, sei es durch Absperrungen, Security-Mitarbeiter oder der Einsatz von Spürhunden.
Hattingen ist eine Stadt im Wandel
Bei seinem Besuch in Hattingen will Steinmeier vor allem über den Wandel und das gesellschaftliche Zusammenleben sprechen. Hattingen hat Ende der 1980er Jahre einen tiefen Einschnitt erlebt, als die Stahl-Hütte mit 10.000 Mitarbeitenden von heute auf morgen geschlossen wurde.
Die Henrichshütte in Hattingen
Bildquelle: WDR / Frank RognerMittlerweile hat die Stadt es geschafft, die Arbeitsplätze unter anderem mit dem Wirtschaftszweig Tourismus zu kompensieren.
Heute hat Hattingen die niedrigste Arbeitslosenquote im Ruhrgebiet, sagt Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing: „Wie diese Transformation gelingen kann, wird auch eben ein Punkt sein, den wir darstellen, und genauso sehe ich Hattingen eben auch. Neben der Tatsache, dass wir finanziell immer noch erhebliche Probleme haben, sind wir auf der anderen Seite, wenn ich unsere Stadtgesellschaft sehe, eine verdammt reiche Stadt.“
Steinmeiers Amtszeit endet im März
Es ist die letzte "Ortstzeit" von Frank Walter Steinmeier, seine Amtszeit endet im kommenden März. Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger soll bereits im Januar gewählt werden. Noch gibt es keine Vorschläge.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Bürgermeisterin Melanie Witte-Lonsing
- Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern in der Stadt
- Beobachtungen des WDR-Reporters in Hattingen
Sendung: WDR.de, Bundespräsident kommt nach Hattingen, 23.09.2026, 05:00 Uhr
