Loveparade-Katastrophe nach 15 Jahren

01:57 Min. Verfügbar bis 24.07.2027

Loveparade-Opfer: "Die ersten fünf Jahre wie in einer Blase gelebt"

Stand:

Am Vorabend des Jahrestages der Loveparade-Katastrophe stellen Angehörige und Augenzeugen am Mittwoch hunderte Kerzen auf. Dieses Gedenken an die Todesopfer des Massengedränges gab es das vorerst letzte Mal.

Von Julian Schildheuer

Der Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg ist seit 15 Jahren ein Ort der Trauer, des Gedenkens und des Erinnerns an eine schlimme Katastrophe. 21 Menschen verloren hier am 24.07.2010 ihr Leben, hunderte wurden traumatisiert.

Am Vorabend jedes Jahrestages legen Angehörige der Todesopfer und Augenzeugen Blumen nieder und zünden hunderte Kerzen an. Der Karl-Lehr-Tunnel ist gesperrt und wirkt ruhig, während er von flackernden Kerzen erhellt wird. Es ist die Nacht der 1000 Lichter in Duisburg.

Augenzeugen verarbeiteten Trauma erst nach vielen Jahren

15 Jahre Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe bei der Nacht der 1000 Lichter

Ralf Schnee (rechts) und andere Angehörige zünden die Kerzen zur Nacht der 1000 Lichter an.

In den letzten Jahren sind es weniger geworden. Weniger Menschen, weniger Kerzen. Trotzdem ist die Erinnerung stark, erklärt Nicole Ballhausel. Sie war bei der Loveparade als Sicherheitsmitarbeiterin im Einsatz und seitdem plagen sie Schuldgefühle: "Wir können und wollen das hier nicht vergessen. Ich komme jedes Jahr hierher und trauere mit den anderen. Ich kann nicht zu Hause sitzen."

Mit psychologischer Hilfe hat sie den Schmerz verarbeitet, den die Massenpanik, die Bilder der Toten und Verletzten sowie die Schreie der eingeklemmten Menschen bei ihr ausgelöst haben: "Ich habe die ersten fünf Jahre wie in einer Blase gelebt. Ich habe kaum Erinnerungen an die Zeit. Es ist erst mit der Zeit besser geworden. Aber zum Jahrestag kommen alle Gefühle hoch."

Nacht der 1000 Lichter wird es so nicht mehr geben

15 Jahre Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe bei der Nacht der 1000 Lichter

Kerzen erinnern an die schreckliche Tragödie, die sich hier im Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg abgespielt hat.

Jeder der Angehörigen und Augenzeugen trauere auf seine eigene Art und Weise, meint der Vorstand der Erinnerungsstiftung "24.07.2010", Jürgen Widera: "Wir haben mit vielen Angehörigen gesprochen, sie bei der Trauer begleitet. Jetzt lösen wir uns als Stiftung auf. Aber die Erinnerung bleibt."

Was er meint: Laut Satzung der Stiftung, die sich 2015 gegründet hat und Jahrestage und Gedenkveranstaltungen organisiert hat, löst sie sich nach zehn Jahren auf. Genau heute. Am 24.07.2025. Auch die Nacht der 1000 Lichter wird nicht mehr offiziell organisiert. Das sei von Anfang an der Plan gewesen und der werde jetzt umgesetzt.

Angehörige und Augenzeugen wollen weiter zusammenkommen

Ganz abschließen mit den Gedenkveranstaltungen wollen und können die Angehörigen und die Betroffenen nicht. Ralf Schnee war damals mit im Tunnel, konnte sich nur dadurch retten, dass er relativ weit vorne war, als das Massengedränge ausbrach. Er habe zittrige Hände, wenn er zurückdenke. Er hält seine Hand nach vorne und behält Recht. Die Nacht der 1000 Lichter helfe vielen bei der Trauerbewältigung: "Und deshalb will ich das Ganze mit den anderen weiter organisieren. Das Gedenken bleibt und wir setzen uns dafür ein, dass es künftig auch noch die Nacht der 1000 Lichter gibt."

Dann kleiner, privater, aber immer noch mit vielen Gesprächen zwischen Angehörigen und Augenzeugen. Auch das Denkmal am Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg bleibt. Für die offiziellen Gedenkveranstaltungen ist dann die Stadt Duisburg zuständig. Wie die Veranstaltungen dann aussehen, weiß man noch nicht.

Gedenken an Loveparade-Opfer

WDR Studios NRW 24.07.2025 01:04 Min. Verfügbar bis 24.07.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen WDR-Reporter vor Ort
  • Interview Stiftung 24.07.2010
  • Interview Bürger für Bürger e.V. Duisburg

Über dieses Thema berichtet auch die Lokalzeit aus Duisburg am 24.07.25 ab 19:30 Uhr.

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