Nun kommt sie also doch: die Bezahlkarte für Asylbewerber in Duisburg. Zwei Jahre nach dem Gesetzesentwurf und einem ersten Antrag im Rat der Stadt sollen Asylbewerber seit dem 1. Juli mit einer elektrischen Karte bezahlen. Die Karte gilt seit jeher als umstritten.
Die Partei "Die Linke" wil Möglichkeiten schaffen, das Kartenguthaben gegen Bargeld zu tauschen.
Linke will Alternativen zur Karte bieten
Die Linke bezeichnet die Karte als diskriminierend. Ratsmitglied und Bundestagsabgeordneter Mirze Edis warnt, Menschen würden damit von vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. "Gerade Wochenmärkte bieten eine Möglichkeit, günstig an Lebensmittel zu kommen. Das ist mit einer Bezahlkarte nicht möglich." Die Partei will mit anderen Vereinen und Verbänden Möglichkeiten schaffen, das Kartenguthaben gegen Bargeld zu tauschen. Mit solchen Angeboten hatte die Linke auch in anderen Städten für Aufsehen, aber auch für viel Kritik gesorgt.
Die Grünen wollen beantragen, dass die Bezahlkarte zurückgenommen wird.
Grüne: Karte ist "teure Symbolpolitik"
Auch die Grünen finden, dass Asylbewerber weiterhin die Chance haben sollten, sich selbst zu verwalten. Sie stellen deshalb in der heutigen Ratssitzung (02.07.) den Antrag, die Bezahlkarte zurückzunehmen. Fraktionschef Felix Lütke sieht die Karte außerdem als "Bürokratiemonster" und fürchtet massiven Mehraufwand für die Verwaltung in einer Zeit, in der die Stadt dringend sparen müsse.
Das Wählerbündnis "Junges Duisburg" befürwortet die Bezahlkarte.
Das Wählerbündnis Junges Duisburg hatte die Karte schon 2024 gefordert und freut sich über die Einführung. Ratsherr Oliver Beltermann sieht den Mehraufwand zur Einführung zwar auch, auf Dauer würde die Karte Abläufe aber vereinfachen und die Verwaltung sogar entlasten.
Karte für Asylbewerber wird schrittweise eingeführt
Seit dem 1. Juli sollen Asylbewerber in Duisburg schrittweise mit einer Bezahlkarte versorgt werden. Monatlich können sie damit 50 Euro Bargeld abheben. Das restliche Geld steht nur für elektronische Zahlungen bereit, etwa in Supermärkten. Überweisungen ins Ausland, Missbrauch oder zum Beispiel Glücksspiel sollen so erschwert und Barauszahlungen reduziert werden.
Zunächst werden nach Angaben der Stadt etwa 30 Leistungsbezieher auf das neue System umgestellt. Zum 1. August sollen dann bereits 120 Personen die Bezahlkarte nutzen können, so die Stadt Duisburg auf Anfrage. In Duisburg sind 650 Asylbewerber anspruchsberechtigt.
Stadt rechnet mit erhöhtem Verwaltungsaufwand
Die Stadt hat für Betroffene schon im Mai auf mehreren Infoveranstaltungen über die Einführung der Karte informiert. "Ich bin überzeugt, dass sie sich auch in Duisburg als sicheres und transparentes Verfahren durchsetzen wird", so Oberbürgermeister Sören Link.
Allerdings rechnet die Stadt zunächst mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand. In welchem Umfang und für welche Dauer, das könne allerdings nicht eingeschätzt werden. Dazu würden Erfahrungswerte fehlen.
Hamminkeln zieht positive Bilanz
Die kann Hamminkeln schon vorweisen. Die Stadt im Kreis Wesel gehörte zu den ersten Kommunen, die die Bezahlkarte eingeführt haben. Etwa 120 Karten wurden seit September 2025 verteilt. Das habe in der Vorbereitungsphase kurzfristig zu einem "erhöhten Workload" geführt, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Grundsätzlich beurteilt die Kommune die Einführung der Karte als positiv.
Zuvor wurden zwei Mal monatlich Schecks ausgegeben. Das sei mit viel Aufwand verbunden gewesen - durch die Vorbereitung und die Vergabe vor Ort. Die Karte würde all das langfristig kompensieren. Ebenso die Kosten der Karte.
Städte müssen selbst entscheiden
Die NRW-Landesregierung überlässt die Entscheidung den Kommunen. Etwas mehr als jede dritte Kommune hat die Karte inzwischen eingeführt. Viele kleine Kommunen, aber auch Großstädte wie Düsseldorf, Bochum oder Dortmund haben sich gegen die Karte entschieden, auch aufgrund des befürchteten Verwaltungsaufwandes. Neben Duisburg führt zum Beispiel auch Essen die Karte in diesen Tagen ein. In beiden Städten sollen bis Ende 2026 schrittweise alle Asylbewerber mit Bezahlkarten versorgt werden.
Unsere Quellen:
- Eigene Recherchen und Interviews
- Stadt Duisburg
- Land NRW
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 2.7.2026, 10:31 Uhr
