Polizeieinsatz in Duisburg lässt viele Fragen offen
WDR. 02:32 Min.. Verfügbar bis 24.07.2028.
Nach einem Polizeieinsatz auf der Essenberger Straße in Duisburg Neuenkamp am Sonntag, den 19. Juli 2026, ist ein 37-jähriger Mann gestorben. Er soll sich zuvor im Badezimmer eines Bekannten eingeschlossen und randaliert haben.
Die Polizisten vor Ort sollen den Mann mit Hand- und Fußfesseln auf dem Bauch liegend fixiert haben. Diese Methode gilt seit Jahren als extrem riskant.
Gestorben ist der 37-Jährige im Krankenhaus an Sauerstoffmangel, so das vorläufige Obduktionsergebnis.
Innenminister: "Ich kann das nicht bewerten"
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bedauert den jüngsten Fall aus Duisburg. Im WDR-Interview sagte er aber auch, dass er die Geschehnisse zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bewerten könne. Es sei jetzt Aufgabe der Staatsanwaltschaft zu untersuchen, ob Beamte Fehler gemacht hätten.
"Jeder Mensch, der bei einem Polizeieinsatz stirbt, ist nicht in Ordnung. Das mag ich nicht, das will ich nicht, das will kein Mensch." Herbert Reul, NRW-Innenminister
Damit werden aktuell drei umstrittene Fälle untersucht, in denen Menschen auf dem Bauch gefesselt wurden. Zwei Menschen sind ums Leben gekommen, einer liegt im Wachkoma. Sollte sich heraustellen, dass diese Methode dafür verantwortlich ist, müsse man laut Reul natürlich Konsequenzen ziehen. Derzeit gelte aber auch für Polizisten die Unschuldsvermutung.
Reul erinnerte auch daran, dass die Polizei Gewalt anwenden dürfe, wenn beispielsweise Menschen nicht zu bändigen seien. Die Beamten würden solche Szenarien trainieren und sollten darauf achten, Menschen nicht zu lange in Bauchlage zu halten. Dafür gebe es feste Vorgaben.
Ermittlungen laufen
Das Polizeipräsidium Düsseldorf ermittelt nun unter Leitung der Staatsanwaltschaft Duisburg wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Es soll geklärt werden, welche Rolle die Maßnahmen der Polizei und der Rettungskräfte bei dem Einsatz spielten. Außerdem soll es noch weitere medizinische Gutachten geben.
Auch ob die Einsatzkräfte alles dafür getan haben, das Leben des Mannes zu retten, wird untersucht. Auf weitere Nachfragen wollte die Staatsanwakltschaft am Freitag nicht reagieren.
Unsere Quellen:
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
- Interview mit Innenminister Herbert Reul
- Gemeinsame Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft
- Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Duisburg
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 24.07.2026, 18:45 Uhr