Während Flüsse wie der Rotbach in Dinslaken austrocknen, fließt die Emscher scheinbar ganz normal weiter. Dabei liegen die Gewässer nah beieinander und münden beide in den Rhein. Das Glück der Emscher - das Abwasser. Was die Emscher jahrzehntelang zum Problem gemacht hat, stellt sich bei der Trockenheit als Gewinn heraus.
Prof. Dr. Frank Obenaus von der Emschergenossenschaft und dem Lippeverband erklärt, wie das funktioniert: Das Abwasser kommt aus den Kläranlagen Bottrop und Dortmund sowie dem Klärwerk Emschermündung. Auf diese Weise gibt es immer einen Basisabfluss in die Emscher. "Das macht vielleicht den größten Unterschied aus zu den kleineren Gewässern, die jetzt schon trocken gefallen sind", so Obenaus.
Die Emscher: Von der "Köttelbecke" zum "blauen Wunder"
Die Emscher entspringt in Holzwickede und fließt Richtung Dortmund, Herne und Oberhausen. In Dinslaken mündet sie dann in den Rhein. Viele Jahre galt sie als der schmutzigste Fluss Deutschlands: Sie transportierte oberirdisch die Abwässer des Ruhrgebiets. Hier konnten aufgrund der Zechen keine unterirdischen Rohre verlegt werden.
Über die Jahre sind die meisten Zechen jedoch stillgelegt worden. So konnte damit begonnen werden, die Emscher umzubauen und zu renaturieren. Seit 2022 fließt nur noch geklärtes Abwasser in den Fluss.
Schwammstadt-Prinzip als Lösung gegen Wetterextreme
Für andere Gewässer, die teilweise ausgetrocknet sind, müssen andere Lösungen her, sagt Obenaus. Eine davon könne das sogenannte "Schwammstadt-Prinzip" sein. Regenwasser soll dabei nicht mehr direkt über die Kanalisation in die Kläranlagen fließen. Stattdessen nehmen Städte das Wasser wie eine Art Schwamm auf, zum Beispiel über Grünflächen, Entsiegelung oder Fassadenbegrünung.
Das Wasser kann dann zeitverzögert abgegeben werden, wenn es benötigt wird. Die Emschergenossenschaft und der Lippeverband arbeiten daran, dieses Prinzip mit Ruhrgebietskommunen umzusetzen, erklärt Obenaus.
Unsere Quellen
- Gespräch mit Prof. Dr. Frank Obenaus von der Emschergenossenschaft und dem Lippeverband
- Schwammstadt-Prinzip: Deutsches Institut für Urbanistik
- Emschergenossenschaft und Lippeverband
- Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 05.08.2026, 19:30 Uhr