Darf in Duisburg-Baerl eine Deponie errichtet werden?
Bildquelle: DAH1WDR. 2 Min. 28 Sek.. Verfügbar bis 09.09.2028.
In lauen Sommernächten ist der Ruf von Kreuzkröten über hunderte Meter zu hören. Die seltenen Tiere haben die ehemalige Bergehalde "Lohmannsheide" in Duisburg-Baerl erobert. Seit 1990 wird hier kein Gestein mehr abgelagert, das bei der Förderung von Steinkohle in Moers zuvor angefallen war.
Nun leben hier neben Kreuzkröten auch Zauneidechsen und Kammmolche, allesamt bedrohte Arten. Obwohl der Zutritt offiziell verboten ist, sind Spaziergänger mit ihren Hunden auf der Halde unterwegs. Mountainbiker nutzen das Gelände für ihren Sport. Schon bald soll genau hier auf der bestehenden Halde eine Deponie entstehen. Dagegen klagen unter anderem der BUND und die Stadt Moers.
"Das wichtigste Argument ist unsere Grundwassersicherheit. Wir haben jetzt schon einen ganz veritablen Grundwasserschaden und alles, was noch obendrauf kommt, verpresst noch weiter. Ich mag nicht über diese Umweltkatastrophe nachdenken." Kerstin Ciesla, BUND NRW
Gefahren für das Grundwasser?
Der 20. Senat des Oberverwaltungsgerichts Münster muss sich unter anderem mit der Frage beschäftigen, ob die geplante Deponie für mäßig belastete Stoffe, zum Beispiel Bauschutt, eine Gefahr für das Grundwasser darstellt.
Innerhalb von 15 Jahren sollen 5,4 Millionen Tonnen auf die bisherige Bergehalde gekippt werden. Die Befürchtung des BUND: Durch das zusätzliche Gewicht werden Giftstoffe, die sich schon in der Bergehalde befinden, ins Grundwasser gedrückt.
Die Richter des Oberverwaltungsgerichts in Münster.
Bildquelle: WDR/Kai TossIm vergangenen Jahr hatte das Oberverwaltungsgericht bereits entschieden, dass der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Düsseldorf zum Betreiben der Deponie "voraussichtlich rechtswidrig" sei. In der Konsequenz durfte die Deponie "Lohmannsheide" vorerst nicht errichtet werden.
Haldenbetreiber: Halten an Standort fest
Die DAH1 GmbH will die Deponie errichten. Deren Miteigentümer, die AGR Abfallentsorgungsgesellschaft teilte auf Anfrage des WDR mit, dass das Unternehmen am geplanten Standort in Duisburg-Baerl festhalte.
"Die Halde Lohmannsheide wird nach der Beendigung des Steinkohlenbergbaus nicht mehr für bergbauliche Zwecke benötigt. Die vorgesehene Nutzung als Deponie stellt aus unserer Sicht eine sinnvolle Anschlussnutzung dar." AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH
Breiter Widerstand gegen die geplante Deponie
Neben dem BUND klagt auch die Stadt Moers gegen die geplante Deponie. Die Stadt Duisburg hatte sich der Klage nicht angeschlossen. Aus dem Rathaus heißt es jedoch: "Die Städte Duisburg und Moers sowie der BUND verfolgen weiterhin uneingeschränkt das gemeinsame Ziel, die Deponie "Lohmannsheide" zu verhindern, und stehen dabei eng zusammen."
Komplexes Verfahren – unklar, wann Urteil zu erwarten ist
Nach Angaben des BUND hat die Bezirksregierung kurzfristig neue Unterlagen bei Gericht eingereicht. Aus ihnen soll hervorgehen, dass der Realisierung des Projekts aus Sicht der Bezirksregierung nichts mehr entgegenstehe. Der Sprecher des Haldenbetreibers ergänzte, dass laut Bezirksregierung die Bergehalde für eine Deponienutzung geeignet sei.
Eine Entscheidung bei der mündlichen Verhandlung am Mittwoch gibt es nicht. Ein Ende ist laut Gericht auch noch nicht absehbar.
Der BUND klagt gegen die geplante Deponie
Bildquelle: WDR/Kai TossDie ersten Pläne für die Deponie waren 2012 bekannt geworden. Die Natur konnte sich auf der derzeitigen Bergehalde seitdem ungestört entwickeln. Sollte die Deponie kommen, müssen Kreuzkröten und Zauneidechsen umgesiedelt werden.
Unsere Quellen:
- BUND
- AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft, Oberverwaltungsgericht
- Oberverwaltungsgericht Münster
- Stadt Duisburg
Sendung: WDR.de, Streit um geplante Mülldeponie in Duisburg-Baerl, 09.09.2026, 15:48 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 09.09.2026, 19:30 Uhr
