Die Warnung der Stadt Duisburg vor falschen Jugendamtsmitarbeitern stellt sich nach WDR-Recherchen als unbegründet heraus. Die Polizei stellt nach ersten Ermittlungen klar, in Duisburg gebe es derzeit "keine Fälle, bei denen Kinder wahllos von falschen Jugendamtsmitarbeitern aus Familien herausgeholt werden."
Stadt warnte vor Männern
Hintergrund: Die Stadt hatte am vergangenen Freitag in einer Pressemitteilung vor "kriminellen Personen" gewarnt. Zwei Männer hätten in den Tagen zuvor bei einer Familie im Stadtteil Marxloh verlangt, die Kinder herauszugeben. Die betroffenen Eltern hätten "richtigerweise sowohl den Einlass als auch die Herausgabe der Kinder verweigert. Es wurde stattdessen das Jugendamt und die Polizei informiert", hieß es in der städtischen Mitteilung vom 11. September.
Entsprechende Meldungen hatten sich in den vergangenen Tagen auch in Social Media verbreitet und für beunruhigte Reaktionen gesorgt.
Nach WDR-Recherchen ergibt sich nun aber ein anderes Bild. Die Polizei war bis zur Anfrage unserer Redaktion am Dienstag nicht über den Sachverhalt informiert und begann erst daraufhin mit den Ermittlungen.
Nach ersten Ermittlungen eine Beziehungstat
"Erste Ermittlungen haben ergeben, dass es sich um eine Beziehungstat handelte", so ein Polizeisprecher am Freitag. Demnach handelte es sich nicht um eine kriminelle Masche, sondern um eine Tat mit Vorgeschichte im privaten Umfeld. "Uns ist kein Sachverhalt bekannt, dass Fremde irgendwo Kinder einsammeln", so der Polizeisprecher.
Die vermeintlichen Jugendamtsmitarbeiter waren demnach auch keine Männer, sondern Frauen. Sie sollen zuvor beauftragt worden sein, unter Vorwand die Kinder in Obhut zu nehmen. In diesem Zusammenhang würden jetzt Ermittlungen wegen "versuchter Entziehung Minderjähriger" laufen. Die Polizei betont: Es ging ausdrücklich um die Kinder aus diesem Haushalt.
Stadt hielt Anruf für glaubhaft
Der Fall spielte nach Ermittlungen der Polizei nicht in Marxloh, sondern im benachbarten Stadtteil Obermarxloh. Die Stadt hatte auf WDR-Nachfrage zunächst mitgeteilt, die betroffenen Eltern hätten sich nach dem Vorfall beim Jugendamt gemeldet. Man habe die Schilderungen für glaubhaft erachtet und die Warnung veröffentlicht, um für das Thema zu sensibilisieren. Eine erneute Stellungnahme hat der WDR bei der Stadt Duisburg angefragt.
Unsere Quellen:
- Polizei Duisburg
- Stadt Duisburg
Sendung: WDR.de, Duisburger Eltern in Sorge - Warnung war unbegründet, 18.09.2026, 13:57 Uhr