Seltene Europäische Flusskrebse werden in Alter Emscher angesiedelt
Bildquelle: Rheinischer FischereiverbandLokalzeit aus Duisburg . 25.11.2025. 3 Min. 15 Sek.. Verfügbar bis 25.11.2027. WDR. Von Markus Waerder.
Vorsichtig greifen die beiden Finger den Panzer, und zwar genau an der Körperstelle hinter den Scherenhänden. Sonst kann es schmerzhaft werden. So fuchtelt der kleine Krebs mit den Scheren in der Luft herum, aber zwicken kann er nicht. Langsam ins Wasser tauchen und - weg ist er.
Auf dem Grund der Alten Emscher in Duisburg tummeln sich einige der Tiere. Nun finden 300 Edelkrebse - aufgezogen in einem Zuchtbecken in der Eifel - ihr neues Zuhause im Landschaftspark Nord. "Der Edelkrebs braucht gute Gewässereigenschaften, insofern ist es ein Ritterschlag für den Emscherumbau, dass wir dieses Tier jetzt hier wieder etablieren können", sagt Gunnar Jacobs, Biologe bei der Emschergenossenschaft, die an diesem Projekt ebenso beteiligt ist wie der Rheinische Fischereiverband und der Naturschutzbund NRW.
Die Emscher: Von der Kloake zum sauberen Fluss
Mit Beginn der Industrialisierung wurde die Emscher vor allem eines: Abwasserkanal für Industrie und Haushalte. Erst in den vergangenen 30 Jahren änderte sich das. Nach dem Ende des Bergbaus wurden unterirdische Abwasserkanäle gebaut und die Emscher renaturiert.
Ein Edelkrebs kurz vor seiner Aussiedlung in die Emscher.
Bildquelle: Rheinischer FischereiverbandHeute schwimmen wieder Fische in ihr. Und der Edelkrebs, der einst zum festen Bestandteil hiesiger Flüsse und Seen gehörte, kann wieder heimisch werden. Das ist gut so, sagt Katrin Bernard vom NABU. Denn der Edelkrebs sei ein Allrounder, der jedem Gewässer gut tue. "Sie sind auch Aasfresser, ernähren sich also auch von erkrankten oder schon verendeten Tieren, wodurch sie zur Reinigung des Gewässers beitragen und somit eine Art Gesundheitspolizei darstellen."
Der größte Feind ist der Signalkrebs
Beim "Edelkrebsprojekt NRW" bemühen sich Wissenschaftler schon seit zehn Jahren um eine erfolgreiche Ansiedlung. Das kann allerdings nur dort gelingen, wo die größten Feinde nicht vorkommen: Amerikanische Flusskrebse wie der Signalkrebs. Der ist nicht nur dominanter und verdrängt die heimischen Arten, er überträgt auch die tödliche Krebspest.
Marina Nowak ist Gewässerbiologin und arbeitet ehrenamtlich für das Edelkrebsprojekt. 30.000 kleine Edelkrebse haben sie bereits ausgesetzt. Vor allem in Seen und stehenden Gewässern. Für die größeren Flüsse bleibt der Edelkrebs bislang unerreichbar: "Die größeren Fließgewässer hier in ganz NRW und auch in ganz Deutschland sind schon von amerikanischen Flusskrebsen besiedelt. Das sind Gewässer, da können wir den Edelkrebs nicht wieder ansiedeln."
Aber immerhin: In mehr als 85 Prozent der Seen und Alten Flussarme, in denen sie es probiert haben, hat die Ansiedlung funktioniert. Vielleicht jetzt also auch in der Alten Emscher in Duisburg. In den nächsten Jahren soll ein Monitoring zeigen, ob der Edelkrebs sich hier wohl fühlt und vermehren kann.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen WDR Reporter vor Ort
- NABU
- Emschergenossenschaft
- Rheinische Fischereiverband
- Naturschutzbund NRW
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 25.11.2025, 19:30 Uhr