Gewässerqualität im Ruhrgebiet: Dortmunder Schüler liefern neue Forschungsdaten
Bildquelle: Vanessa Wiebe / WDRWDR. 3 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 10.09.2028.
Schüler erforschen Bach : Wie geht es den Gewässern in NRW wirklich?
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"Boah, ist der fett", ruft ein Schüler. Sofort rennen alle zum Wasserbehälter, über den er sich gerade beugt. Mit seinen Klassenkameraden hat er was Großes, Schwarzes aus dem Bach gefischt: einen waschechten Egel. Was der und andere Lebewesen über die Gewässerqualität des kleinen Emscherzweiges hinter der Dortmunder Schule aussagen, wollen sie herausfinden - und das Umweltbundesamt auch.
Der Egel ist relativ anspruchslos. Ihm reicht wenig Sauerstoff im Wasser. Gute Gewässerqualität zeichnet sich aber durch einen hohen Sauerstoffgehalt aus. "Dann ist ein Fließgewässer nah an seinem natürlichen, vom Menschen unberührten Zustand", erklärt Projektleiterin Nora Lösing von der Universität Duisburg-Essen. Erst dann fühlen sich besonders viele Lebewesen darin wohl. Das sei wichtig für den Schutz der Biodiversität.
Schüler finden Egel und andere Organismen in Dortmunder Emscher-Bach für Forschungsprojekt
Bildquelle: WDR / Vanessa WiebeUni-Projekt: Schüler schließen wichtige Datenlücke in ganz NRW
Genau solche Zeigerorganismen hoffen die Schülerinnen und Schüler zu finden. Dazu spritzen sie selbst genommene Wasserproben durch einen speziellen Filter. Anna-Lena Hinze beobachtet, wie er sich gelblich verfärbt. "Man sieht schon, obwohl das Wasser eigentlich klar ist, dass da Sachen im Filter hängen bleiben", stellt sie fest. "Das sind diese DNA-Spuren, die wir herausfiltern sollen." Genauer: Umwelt-DNA-Spuren.
Die Wasserproben werden durch einen speziellen Filter gespritzt, der eDNA-Spuren (environmental) aus dem Bach auffängt
Bildquelle: Vanessa Wiebe / WDRDas sind Hautzellen, Schuppen und andere Hinterlassenschaften von Tieren, die im Bach leben. Die Filterproben werden später im Uni-Labor ausgewertet. Mit einem Kescher fischen die anderen Schüler direkt Befunde aus dem Wasser.
Eine Großlibellen-, Kleinlibellen- und Eintagsfliegenlarve finden sie. Die zeigen eine gute Gewässerqualität an. "Und was ist das Kleine, Rote?", fragt ein Schüler. Eine Zuckmückenlarve. Kein gutes Zeichen. Die mögen es lieber sauerstoffarm.
"Ich finde, das macht immer mehr Spaß, als im Klassenraum zu sitzen und sich alles theoretisch mit Texten zu erarbeiten." Helena Daiber, 17-jährige Schülerin
60 Prozent der Gewässer in NRW in einem schlechten Zustand
Die Daten helfen Nora Lösing und vor allem dem Bundesumweltamt, dem Förderer des Projekts, zu erfassen, wie es den Gewässern in NRW wirklich geht. Nur 30 Prozent des insgesamt 50.000 Kilometer umfassenden Fließgewässernetzes werden offiziell überwacht. Mehr schafft das Umweltministerium allein gar nicht.
Etwa 60 Prozent dieser Gewässer sind in einem ökologisch schlechten Zustand. Die Emscher ist mit ihrem jahrzehntelangem Renaturierungsprozess noch mit am besten aufgestellt. Am Projekt nehmen Schulen aus ganz NRW teil.
"Sehr hoch gestecktes Ziel": EU-Richtlinie fordert gute Gewässerqualität bis Ende 2027
Die aktuelle EU-Wasserrahmenrichtlinie besagt, dass bis Ende 2027 alle Gewässer in einem ökologisch guten Zustand sein sollen. "Das ist ein sehr hoch gestecktes Ziel", findet Nora Lösing von der Fakultät für Biologie. Durch die Industrialisierung ist das Ruhrgebiet besonders vorbelastet. Das Projekt soll helfen, politische Maßnahmen zur Renaturierung voranzubringen.
"Vor allem der Schutz der Auen, also eines großflächigen Uferbereichs, steht im Vordergrund, um Fließgewässer und deren Biodiversität vor direkten und indirekten menschlichen Einflüssen wie Düngemitteleintrag oder Klimaerwärmung zu schützen." Svea Kleinert - Projektleitung "DNA macht Schule"
Wegen des schleppenden Fortschritts hat die Europäische Union die Frist bereits verlängert: bis 2050. Im Ruhrgebiet seien laut beiden Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht worden.
Schülerinnen und Schüler analysieren selbst gewonnene Forschungsergebnisse zur heimischen Gewässerqualität in Dortmund
Bildquelle: Vanessa Wiebe / WDRProjekt soll Umweltbewusstsein bei Schülern fördern
Ein paar Wochen später erhalten die Schüler endlich ihre Forschungsergebnisse auf ihren Tablets: 19 Arten konnten sie nachweisen. Darunter den Fisch "Rheingroppe". "Die steht für eine gute Gewässerqualität", freut sich Helena. Insgesamt stellt sich die Gewässerqualität im Bach hinter der Schule als eher gut heraus. Das Projekt "DNA macht Schule" läuft noch bis Ende 2027.
"Wenn ich jetzt an der Emscher vorbeigehe, weiß ich, was darin vor sich geht. Da hatte ich vorher gar keinen Bezug zu. Das finde ich eigentlich ganz schön." Helena Daiber, 17-jährige Schülerin
Unsere Quellen:
- Beochatungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Interviews mit Schülerinnen und Schülern
- Interviews mit Projektleiterinnen der Universität Duisburg-Essen
- Statements der Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf
- Projekt-Homepage "DNA macht Schule"
Sendung: WDR.de, Gewässerqualität im Ruhrgebiet: Dortmunder Schüler liefern neue Forschungsdaten, 10.09.2026, 5:05 Uhr