Diese Party macht Frauen mit Lipödem Mut
Bildquelle: WDR/Valerie HayerWDR. 3 Min. 10 Sek.. Verfügbar bis 03.09.2028.
Die Stimmung ist gut in Janina Gierkes Garten in Hagen. Zwischen Glitzerdeko und Pool sitzen einige Frauen und lassen die Beine ins Wasser baumeln. Das Besondere: Viele von ihnen tragen bunte Kompressionsstrümpfe. Denn alle Partygästinnen hier haben Lipödem. Das ist eine chronische Erkrankung, die zu schmerzhaften Fettanlagerungen in den Beinen und manchmal auch in den Armen führt. Die Strümpfe helfen, die Schmerzen in den Beinen zu lindern.
Viele Betroffene meiden öffentliche Schwimmbäder
Auch Veranstalterin Gierke trägt solche Strümpfe. In öffentliche Schwimmbäder geht sie schon lange nicht mehr. Zu groß ist die Sorge vor schrägen Blicken und abwertenden Kommentaren zu ihrem Körper. Auch bei Ärzten fühlen sich andere Betroffene auf der Party manchmal nicht ernst genommen.
"Es wird immer wieder gesagt: Ihr seid nur zu dick, ihr seid einfach zu faul für Sport. Aber so einfach ist es eben nicht. Das Gewicht spielt beim Lipödem zwar eine Rolle, aber längst nicht so stark, wie viele Menschen annehmen." Gisa Grawunder, Lipödem-Betroffene
Vorurteile wie diese sind für Betroffene wie Gisa Grawunder aus Hagen eine zusätzliche Belastung. Die 18-Jährige lebt schon seit fünf Jahren mit der Diagnose.
Die Behandlung soll vor allem Schmerzen lindern
Da die Ursachen bislang nicht vollständig geklärt sind, konzentriert sich die Behandlung vor allem darauf, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Die Patientinnen leiden fast immer unter Schwellungen und Schmerzen an den Körperstellen mit Lipödem und haben eine höhere Druckempfindlichkeit. Das kennt auch Gastgeberin Gierke: "Wenn man mich ganz normal am Oberarm anfässt, dann tut mir das weh." Im Safespace ihrer Poolparty muss sie das nicht erklären.
Die Frauen auf der Party lachen viel miteinander. Trotzdem haben auch ernstere Themen rund um das Lipödem ihren festen Platz in den Gesprächen. Immer wieder geht es um das Leben mit täglicher Kompression. Die Frauen geben sich gegenseitig Tipps zu Lymphdrainagen und tauschen Erfahrungen zu weiteren Behandlungsmöglichkeiten aus. Auch die sogenannte Liposuktion, eine Operation zur Fettabsaugung, wird diskutiert. Einige Frauen haben den Eingriff bereits hinter sich, andere denken darüber nach.
Mehr als nur eine Poolparty
Für viele der Teilnehmerinnen ist die Poolparty deshalb ein ganz besonderer Tag. Neben dem Austausch über ernste Themen, darf für Veranstalterin Gierke der Spaß aber nicht zu kurz kommen. Die Party steht unter dem Motto "Lipnixen". Passend dazu liegen am Pool Meerjungfrauen-Flossen mit denen die Frauen für Fotos posieren und im Pool schwimmen können.
Poolparty-Veranstalterin Janina Gierke: "Ich bin eine Lipödem-Mutmacherin."
Bildquelle: WDR/Valerie HayerDabei wird fleißig mitgefilmt, denn Gierke betreibt auch einen Instagram-Kanal, auf dem sie ihr Leben mit Lipödem dokumentiert. Dort geht sie selbstbewusst mit der Erkrankung um: "Ich möchte anderen Frauen zeigen, dass man sich auch mit Kompression schön kleiden kann." Der 40-Jährigen ist es wichtig, anderen Betroffenen durch die Vernetzung online oder mit einer Veranstaltung wie der Poolparty Mut zu machen und zu zeigen, dass niemand mit dieser Diagnose allein ist.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Veranstalterin Janina Gierke und Partygästinnen vor Ort
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Infobeitrag der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 03.09.2026, 19:30 Uhr