Falsch entsorgte Akkus sorgen für Brände
WDR. 02:35 Min.. Verfügbar bis 14.07.2028.
Diesen Tag werden die Mitarbeiter des Dorstener Baustoff-Recycling-Unternehmens Humbert nicht vergessen. Am 7. Juli passiert es: Ein Mitarbeiter greift mit dem Bagger in den Papierhaufen, direkt in ein Glutnest. Versuche das Glutnest noch mit dem Bagger aus dem riesigen Papierhaufen zu ziehen, scheitern. Er muss sich in Sicherheit bringen, 20 Tonnen Papier brennen: Es besteht Lebensgefahr.
Spektakuläre Bilder der Überwachungskamera
Wäre die Feuerwehr nicht in "drei bis vier Minuten" gekommen, hätte der Brand noch viel größer werden können, sagt Johannes Humbert, Inhaber und Geschäftsführer des Dorstener Unternehmens, in dem es vor einer Woche gebrannt hat. Überwachungskameras aus dem Papiersilo zeigen, wie schnell das Feuer größer wurde.
Der Brand in Dorsten im Zeitraffer
WDR. 00:42 Min.. Verfügbar bis 14.07.2028.
"Ich war in einer Entfernung von zwei bis drei Metern und hatte das Gefühl, die Luft ist schon 50 Grad warm", erzählt Betriebsleiter Michael Lievertz. Dann habe sich das Feuer immer weiter ausgebreitet. "Das hab ich in dem Sinn so noch nicht erlebt."
Immer wieder entzünden sich Akkus
Johannes Humbert vermutet, dass sich im Papier ein Akku oder eine Batterie entzündet hat, als der Bagger in den Haufen gegriffen hat. Das sei in zwölf Jahren der erste Brand, mittlerweile passiere das aber laut Humbert bundesweit täglich. Das macht ihm große Sorgen.
Vergangene Woche herrschte bei Firma Humbert in Dorsten großer Aufruhr
Müllgebühren könnten steigen
Karsten Meyer ist Stadtkämmerer in Dorsten und appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, aufzupassen, was sie in die Mülltonne werfen - allein schon aus Eigeninteresse. Denn wenn in Zukunft besondere Sicherheitsmaßnahmen an den Wertstoffhöfen ergriffen werden müssten, wäre das teuer. Die Müllgebühren würden steigen. Noch gebe es aber keine konkreten Planungen, die Gebühren zu erhöhen.
"Mein Appell wäre, Akkus fachgerecht zu entsorgen, also abgeben bei den Sammel- und Annahmestellen und nicht in den Hausmüll, Papiermüll oder auf eine andere Weise zu entsorgen."
Drei Brände am Tag auf Wertstoffhöfen in Deutschland
Dorsten ist nur ein Beispiel von vielen. Deutschlandweit brennt es nach Angaben von Entsorgungsverbänden auf Recyclinganlagen und dergleichen jeden Tag rund drei Mal. Immer wieder sind Lithium-Ionen-Akkus schuld - aus Smartphones, Laptops und Einweg-E-Zigaretten.
Die Bundesregierung hatte bereits im November 2025 angekündigt, ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten auf den Weg zu bringen. Weil das nicht passiert sei, haben sich Anfang Juni vier Ministerinnen und Minister aus NRW an die Bundesregierung gewandt. In einem Schreiben fordern sie endlich das Verbot von Einweg-E-Zigaretten oder Einweg-Vapes.
Rücknahmepflicht von Vapes ab Juli
Seit dem 1. Juli können Einweg-Vapes überall dort, wo sie verkauft werden, auch zurückgegeben werden. Das setzt aber die Mitwirkung der Verbraucher voraus. Kritiker sagen, ein Pfandsystem wäre deshalb sinnvoller. Das ist aber noch in weiter Ferne.
Was kann man selbst tun?
- Viele Produkte gehören nicht in die Recycling- oder Restmüll-Tonne, sondern in den Elektroschrott, selbst wenn die Batterie oder der Akku leer ist. Dazu gehören etwa Handys, E-Zigaretten, Schuhe mit Leuchteffekt, elektrische Zahnbürsten, zahlreiches Spielzeug sowie kabellose Kopfhörer und Hörgeräte.
- Kleinere Geräte kann man sogar bei vielen Supermärkten zurückgegeben. "Für größere Geräte gilt das Prinzip Alt gegen Neu", teilt die Verbraucherzentrale NRW mit. Bedeutet: Kauft man ein Gerät, muss der Händler ein Gerät der gleichen Kategorie kostenfrei zurücknehmen.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Johannes Humbert, Inhaber Baustoff-Recycling Humbert und Betriebsleiter Michael Lievertz
- WDR-Gespräch mit Karsten Meyer, Stadt Dorsten
- Eindrücke und Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 14.07.2026, 16:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 14.07.2026, 19:30 Uhr
