Forderung nach einem Verbot von Einweg-E-Zigaretten | Westpol

WDR 04:58 Min. Verfügbar bis 31.05.2028

Akku-Brände NRW macht Druck für Verbot von Einweg-Vapes

Stand:

Akkus von Einweg-Vapes lösen inzwischen regelmäßig Brände auf Entsorgungs -und Recyclinganlagen aus. Vier Minister aus NRW fordern in einem Schreiben an die Bundesregierung nun ein Verbot.

Von Daniela Becker und Maria Koch

Anfang Mai war es wieder soweit: Eine Recyclinganlage in Krefeld brannte. 700 Tonnen Schrott in Flammen, große dunkle Rauschwaden zogen über das Gelände. Mutmaßlich ausgelöst, wieder einmal, von einem Akku.

Nach Angaben von Entsorgungsverbänden kommt es auf deutschen Entsorgungs- und Recyclinganlagen inzwischen täglich zu rund 30 Bränden. Immer wieder entstehen dabei auch Großbrände. Und immer wieder scheint die Ursache: Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus, wie sie unter anderem in Smartphones, Laptops und Einweg-E-Zigaretten verbaut sind.

Eine junge Frau raucht eine Vape

Viele junge Menschen rauchen Vapes

Vor diesem Hintergrund fordern vier Ministerinnen und Minister aus Nordrhein-Westfalen in einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesregierung ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten oder auch Einweg-Vapes. Zu den Unterzeichnern gehören Umweltminister Oliver Krischer, Familienministerin Verena Schäffer (beide Bündnis 90/Die Grünen), Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (beide CDU).

"Die Recycling- und Entsorgungswirtschaft leidet seit einigen Jahren unter der hohen Anzahl von Bränden durch Lithium-Batterien", heißt es in dem Schreiben. Neben der Gefahr für die Mitarbeitenden entstünde durch solche Brände zusätzlich ein hoher Sachschaden für die Betriebe.

Einweg-Vapes als "Wegwerfprodukt"

Als "Wegwerfprodukt" landen Einweg-Vapes nach einmaliger Nutzung schnell im Restmüll oder in der gelben Tonne. In ihrem Schreiben betonen die NRW-Minister, dass dadurch auch wertvolle Rohstoffe wie Lithium verloren gingen. Und auch aus Gründen des Jugendschutzes seien Einweg-E-Zigaretten kritisch zu sehen: Die bunte Aufmachung, der günstige Preis, die unterschiedlichen, meist fruchtigen Geschmacksrichtungen würden besonders attraktiv auf Jugendliche wirken, heißt es in dem Schreiben. Dabei würden die gesundheitlichen Risiken häufig unterschätzt.

Der Markt für E-Zigaretten wächst stark: Im Jahr 2023 stieg der Umsatz nach Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) um über 40 Prozent. Einweg-E-Zigaretten haben daran einen Anteil von 30 Prozent.

Recyclinghof-Brände auch durch andere Akku-Geräte ausgelöst

Die zunehmende Zahl von Bränden auf Müllentsorgungsanlagen steht laut BVSE auch im Zusammenhang mit den steigenden Verkaufszahlen elektronischer Geräte allgemein. Während 2013 in Deutschland noch rund 1,3 Millionen Tonnen Elektrogeräte in Verkehr gebracht wurden, waren es zehn Jahre später bereits etwa 2,8 Millionen Tonnen - ein Anstieg von rund 115 Prozent. Dabei habe sich laut BVSE der Trend zu akkubetriebenen Geräten deutlich verstärkt.

Die Recyclinganlage IMR in Krefeld: Ein großer Berg aus Material, danaben zwei Bagger.

Recyclinganlage IMR in Krefeld

"Am Ende des Tages sind wir die letzten in der Kette, die die Symptome bekämpfen und dann auch mehr oder weniger mit dem finanziellen Schaden dastehen", erklärt Marc Laumen, Geschäftsführer des Recyclingbetriebs IMR in Krefeld. Der Brand Anfang Mai war dort der zweite innerhalb weniger Wochen. "Das ist ein großes unternehmerisches Risiko, das wir tragen."

Durch mechanisches Quetschen oder Drücken bei der Müllverarbeitung können die Akkus beschädigt werden und Feuer fangen. Die Brände breiten sich dabei besonders schnell aus. Auch in Abfallsammelfahrzeugen kann es auf diese Weise zu Bränden kommen.

Trotz Ankündigung immer noch kein Verbot von Einweg-Vapes

Die Bundesregierung hatte bereits im November 2025 angekündigt, ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten auf den Weg zu bringen. Fünf Monate später sei immer noch nichts passiert, kritisieren die NRW-Ministerinnen und Minister. "Wir appellieren daher an Sie als hautbetroffene Bundesministerinnen und Bundesminister, das zugesagte Verbot zeitnah im Bundeskabinett auf den Weg zu bringen."

"Leider wurde es in den verschiedenen Ressorts der Bundesregierung hin- und hergeschoben und es wurde viel diskutiert", sagt Andreas Brukschen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE). "Ob es nur ein Kniefall vor der Tabakindustrie ist, kann ich nicht sagen. Aber natürlich sind dort viele Interessen der Industrie, ein solches Verbot nicht in Kraft treten zu lassen", schildert Brukschen.

NRW-Umweltminister Krischer fordert Pfandsystem

Zumindest eine erste Maßnahme zur besseren Regulierung von Einweg-Vapes soll ab Juli in Kraft treten. Dann können E-Zigaretten überall dort, wo sie verkauft werden, wieder zurückgegeben werden. Bislang ist eine Rückgabe nur in größeren Geschäften möglich. Ob damit das Problem verringert wird, bezweifelt Brukschen allerdings. Denn hierbei werde auf die Bereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher gesetzt, die genutzten Einweg-Vapes freiwillig zurückzubringen. Ein Pfandsystem, "das im Zweifel auch wehtut", sei aus Sicht des BDE eine vielversprechendere Lösung.

Oliver Krischer, Umwelt- und Verkehrsminister

Oliver Krischer (B'90/Grüne), NRW-Umweltminister

Auch NRW-Umweltminister Krischer setzt sich für die Einführung eines Pfandsystems für akkubetrieben Elektrogeräte ein. "Die Umweltministerkonferenz hat die Bundesregierung aufgefordert, ein Pfandsystem zu prüfen oder vergleichbare Maßnahmen zu ergreifen", betont Krischer. "Bislang gibt es leider wenig bis gar keine Aktivitäten der Bundesregierung."

Lachgas-Kartuschen können Explosionen auslösen

Ein weiteres Problem bei der Müllentsorgung sind Lachgasbehälter. Wenn die Kartuschen nicht vollständig entleert sind, können sie in Müllverbrennungsanlagen Explosionen auslösen. Teilweise kommt es dabei zu starken Beschädigungen am Kessel, sodass Anlagen für mehrere Tage stillstehen. Hier hat die Bundesregierung bereits gesetzlich eingegriffen: Seit April dürfen Lachgasverpackungen nur noch wenige Gramm enthalten. An Minderjährige dürfen sie gar nicht mehr verkauft werden. Die Entsorgungsbranche hofft, dass die Explosionen jetzt seltener vorkommen.

Bleibt die Diskussion über ein Verbot von Einweg-Vapes. In Belgien und Frankreich sind diese E-Zigaretten bereits verboten, in Österreich soll ein Verbot ab Ende 2026 kommen.

"Aus unserer Sicht sollte daher eine Zustimmung der Europäischen Kommission auch für ein nationales Verbot von Einweg-E-Zigaretten in Deutschland erreichbar sein", schreiben die vier NRW-Minister in ihrem Brief an die Bundesregierung.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Interview mit IMR Krefeld
  • Interview mit AGR Gruppe Ruhr
  • Interview mit Oliver Krischer, NRW-Umweltminister
  • Interview mit Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE)
  • Schreiben der NRW-Minister an die Bundesregierung
  • Informationen des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE)

Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 31.05.2026, 19:30 Uhr

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