Nutria lebt im Gartenteich von Christa Koch
Bildquelle: Nutria/WDR-Archiv, WDRWDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 05.08.2028.
Beim morgendlichen Spaziergang durch ihren Garten macht Christa Koch aus Waltrop vor rund zehn Tagen eine kuriose Entdeckung: Das dichte Schilf am Ufer ihrer Teichlandschaft ist verschwunden - komplett abgegrast. Der Übeltäter: Eine wilde Nutria, die sich rund um die Teichlandschaft im Garten einquartiert hat.
Christa Koch hat einen ungebetenen Gast in ihrem Teich
Bildquelle: WDR / Philip RaillonWenig später entdeckt Christa Koch das Tier sogar: "Als ich mal morgens kam, lag er ganz gemütlich hier und schob sich da seine Frühstücksmahlzeit rein." Ihre Vermutung: Das Tier hat durch die offene Garagentür seinen Weg in den Garten gefunden. Und sich hier in einer alten Amphore am Teichrand eingenistet.
Christa Koch sorgt sich um ihren Teich und die Kois
So eine Nutria, auch Biberratte genannt, bringt gleich mehrere Probleme mit sich: Die bis zu 70 Zentimeter langen Nagetiere sind Pflanzenfresser und bedienen sich ausgiebig am grünen Buffet, wie am Teichufer im Garten der Familie Koch. Die Nager vermehren sich außerdem schnell und können sich tief in die Erde graben. Die Nutrias kommen eigentlich aus Südamerika und wurden in Europa in Pelztierfarmen gehalten. Inzwischen gelten sie als invasive Art.
Welche Folgen eine zunehmende Ausbreitung dieser invasiven Tierart haben kann, erklärt Andreas Schneider vom Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen: "Bei den Nutrias kommt erschwerend dazu, dass die Nutrias Schäden an Wasserbauanlagen wie Deichen und Dämmen verursachen."
"Wenn wir Pech haben, geht er auch unter die Teichfolie. Und dann verlieren wir Wasser. Dann sind auf einmal über Nacht 15.000 Liter Wasser weg", sorgt sich Christa Koch.
"Und die Kois liegen im Trockenen. Dann können wir ganz viel Koikarpfen essen, das hatten wir eigentlich nicht vor." Christa Koch
In diesem Teich hat es sich eine Nutria bequem gemacht.
Bildquelle: WDR / Philip RaillonEinige kleine rote und mehrere große weiße Kois sind die eigentlichen tierischen Bewohner in der Teichlandschaft der Familie Koch. Jetzt haben sie Gesellschaft bekommen.
Ein Jäger soll das Tier einfangen
Um die wilde Nutria aus dem Teich zu bekommen, wendet sich Christa Koch zunächst an den zuständigen Jäger. Der erklärt sich schnell bereit das verirrte Tier einzufangen, braucht dafür aber eine Genehmigung vom der zuständigen Kreisverwaltung Recklinghausen. "Wir Jäger brauchen innerhalb der häuslichen Bebauung, also auch inklusive der Gärten, eine Ausnahmegenehmigung, weil das nicht mehr vom Jagdrecht abgedeckt ist", fasst Andreas Schneider vom Landesjagdverband NRW die Rechtslage zusammen.
Andreas Schneider vom Landesjagdverband kennt die Probleme mit den Nutrias.
Bildquelle: WDR / Philip RaillonFür Christa Koch wird das zur Geduldsprobe. Seit ihrer Entdeckung versucht sie täglich jemanden bei der Kreisverwaltung zu erreichen, zunächst ohne Erfolg. Auf eine WDR-Anfrage meldet sich der Kreis Recklinghausen dann zurück. In der unteren Jagdbehörde gäbe es aktuell krankheitsbedingte Ausfälle. Nachdem der WDR den Kontakt zwischen dem Kreis und Christa Koch vermittelt hat, gibt es eine Wende: Man wolle nun zeitnah dem Jagdpächter eine Ausnahmegenehmigung erteilen, so der Kreis.
Bis der Jäger zum Einsatz kommen und die Nutria einfangen kann, bleibt der ungewöhnliche Gartenbewohner erst einmal am Teich von Familie Koch. Trotz aller Sorgen versucht Christa Koch, die Situation mit Humor zu nehmen – sie hat dem Tier mittlerweile sogar einen Namen gegeben: Karlheinz.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Christa Koch
- Jasin Murati, Firma Biovex
- Andreas Schneider, Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen
- Anfrage an den Kreis Recklinghausen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 05.08.2026, 19:30 Uhr