Waschbären, Asiatische Hornissen und Nilgänse breiten sich in NRW aus.
WDR. 04:25 Min.. Verfügbar bis 03.06.2028.
Klimawandel und Globalisierung haben dafür gesorgt, dass immer mehr Tiere in NRW heimisch werden, die aus anderen Ecken der Welt kommen. Hierbei wird unterschieden zwischen den harmlosen "gebietsfremden" Arten sowie den "invasiven": Diese breiten sich stark aus, verdrängen heimische Arten, verändern Lebensräume und verursachen ökologische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden.
Diese sieben Tiere sorgen in Nordrhein-Westfalen immer wieder für Probleme und Diskussionen:
Asiatische Hornisse
Verspeist am liebsten Honigbienen: Die Asiatische Hornisse
Eine der Arten, auf der gerade besonderes Augenmerk liegt, ist die Asiatische Hornisse. 2020 wurde sie das erste Mal in NRW nachgewiesen, seitdem breitet sie sich vor allem im Rheinland und im Ruhrgebiet rasant aus. Nach Zahlen des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW (Lanuk) wurden 2024 knapp 1.400 Funde der Asiatischen Hornisse gemeldet, 2025 waren es bereits mehr als 7.300. 2026 gab es bisher schon fast 2.000 bestätigte Sichtungen - so viele wie noch nie um diese Jahreszeit. "Es ist Wahnsinn, wie sich das entwickelt", sagt Lanuk-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia.
Die Asiatische Hornisse hat hier keine natürlichen Feinde, findet aber viel Nahrung. Ihre bevorzugte Beute sind Honig- und Wildbienen, teilweise gehen ganze Bienenvölker bei den Attacken ein. Die aggressiven Hornissen lauern den Bienen oft an ihrem Stock auf und töten sie im Flug. Der Stich einer Asiatischen Hornisse ist für Menschen ohne besondere Allergien zwar schmerzhaft, aber in der Regel zunächst ungefährlich. Problematisch ist aber, dass das Insekt beim Stechen eine Duftmarke setzen und den Gestochenen so als Angreifer markieren kann. "Dann fliegen die Tiere ihm in Massen hinterher und stürzen sich auf ihn", so Kaiser de Garcia.
In Gescher (Münsterland) setzen die Imker inzwischen auf Hightech bei der Hornissen-Bekämpfung. Wenn sie eine der Hornissen fangen, befestigen sie einen kleinen Peilsender an deren Körper und lassen sie wieder fliegen. So lassen sich die Nester leichter aufspüren und beseitigen. Und das lohnt sich nicht nur für die einheimische Tierwelt, sondern auch für die Imker und Schädlingsbekämpfer. Das Land NRW zahlt für ein entferntes Primärnest, das die Königin nach dem Winter im Frühjahr baut, 150 Euro Prämie. Und für ein Sekundärnest, das im Sommer dem deutlich gewachsenen Hornissenvolk als Heimat dient, gibt es sogar 300 Euro.
Nosferatu-Spinne
Für viele ein Albtraum auf acht Beinen: Die Nosferatu-Spinne
Schon bei normalen Spinnen läuft es vielen Menschen kalt den Rücken herunter. Wenn diese dann aber auch noch besonders groß und nach einem Vampir benannt sind, ist der Schreikrampf oft nur einen Gang in den Keller entfernt. Bis zum Sommer 2022 wurde die Nosferatuspinne nur wenige hundert Male in Deutschland nachgewiesen, doch inzwischen zählt sie auf dem NABU-Meldeportal naturgucker.de zu den meistgemeldeten Tierarten.
Auch in NRW hat sich die Nosferatu-Spinne stark ausgebreitet, das Lanuk stuft sie bei uns inzwischen als "etabliert" und "verbreitet" ein. Die Chance, auf ein Exemplar zu treffen, ist besonders groß, wenn es kühler wird: Dann zieht es die Spinnen, die ursprünglich am Mittelmeer heimisch waren, in die Häuser. Tatsächlich ist die Nosferatu-Spinne giftig, ein Biss ist mit dem Stich einer Biene oder Wespe vergleichbar. Generell ist sie nicht aggressiv, es sei denn, sie fühlt sich angegriffen oder bedrängt. Welchen Effekt die Ankunft der Nosferatu-Spinne auf unsere Flora und Fauna hat, ist derzeit noch nicht abzusehen.
Waschbär
Sehen nett aus, verursachen aber große Schäden: Waschbären
Putzig, niedlich, süß: Das Urteil über Waschbären ist meist positiv - allerdings nur aus der Ferne oder im Zoo und Tierpark. Wer einen in der Nachbarschaft hat, sieht das wahrscheinlich anders. Denn wenn es ein Waschbär ins Haus schafft, kann schnell ein Schaden von mehreren tausend Euro entstehen: Verwüstete Dachstühle, zerstörte Isolierungen, zerbissene Kabel, Schläuche und Leitungen sind keine Seltenheit. Auch die Fische im Gartenteich oder die Hühner hinter dem Haus sind nicht sicher vor dem Allesfresser.
Und selbst, wenn sie sich von Siedlungen fernhalten, stören Waschbären, die sich seit den 1930er-Jahren bei uns ausbreiten, das natürliche Gleichgewicht: Der NABU sieht in ihnen ein Problem für seltene Amphibien, Kiebitze oder Rotmilane, deren Gelege sie gerne fressen.
Waschbären gibt es in fast allen Kreisen NRWs, vor allem aber im Osten und Südwesten des Landes. Wie viele es genau sind, ist unklar. Dass es immer mehr werden, lässt sich an der Jagdstatistik des Landes ablesen: Im Jagdjahr 2024/25 wurden in NRW etwa 33.000 Waschbären erlegt, zehn Jahre zuvor waren es nur rund 10.000 Tiere. Inzwischen fordern viele Jäger, die Schonzeit zwischen März und Juli abzuschaffen und die Tiere das ganze Jahr zu bejagen.
Nutria
Auch als Biberratte bekannt: Die Nutria
Im Gegensatz zu Waschbären haben Nutrias in NRW keine Schonzeit. Die auch als Biberratten oder Sumpfbiber bekannten Nager, die aus Südamerika kommen, können das ganze Jahr gejagt werden. 41.500 Nutrias wurden im Jagdjahr 2024/25 erlegt, fünf Jahre zuvor waren es 25.200, 15 Jahre zuvor nur 5.600. In vielen Kommunen NRWs erhalten Jäger sogar Prämien für ihre Fänge, in Münster sind es 15 Euro, in Soest 8,50 Euro.
Nutrias richten auf Feldern mit Salat, Mais oder Zuckerrüben immer wieder Schäden an. Sie können die Bestände von Wasserpflanzen, Bäumen in Wassernähe und Uferfeuchtgebieten schädigen. Außerdem graben sie Tunnel in Böschungen und Deiche, was den Hochwasserschutz gefährdet.
Nilgans
Sorgt für ganz schön viel Kot: Die Nilgans
Ob in Essen oder Mülheim, in Düsseldorf oder Köln: In vielen Städten NRWs machen sich Nilgänse breit. Und die Tiere werden immer mehr zum Ärgernis. Da ist einerseits der Kot, den die Tiere auf vielen Grünflächen hinterlassen und der schon so mancher Familie das Picknick versaut hat. Auch im Wasser, etwa in kleinen Teichen und Weihern, verursachen die Hinterlassenschaften der Tiere Probleme und können dort die Nährstoffverteilung beeinträchtigen. Zudem zeigen sich Nilgänse aggressiv gegenüber Enten, verletzen und töten deren Küken und verdrängen sie aus ihren Revieren.
Außerdem machen die Tiere ganz schön viel Lärm. Wer in der Nähe eines Gewässers wohnt, muss damit rechnen, zum Sonnenaufgang von Gänserufen geweckt zu werden, die für manch einen nach einer rostigen Hupe klingen.
In Köln klagen Anwohner des Rautenstrauchkanals über derart laute Gänse, dass sie auch im Sommer ihre Fenster schließen müssen, um halbwegs konzentriert arbeiten zu können. Um die Bestände zu reduzieren, können Nilgänse in NRW gejagt werden. Allerdings meist nicht in den innerstädtischen Gebieten und somit nicht dort, wo das Problem am größten ist. "Das bringt nichts", sagte dazu BUND-Experte Dirk Jansen dem WDR. "Je größer der Bejagungsdruck außerhalb der Städte, desto eher kommen die Tiere in die Städte."
Sikahirsch
Sikahirsche gelten erst seit kurzem als invasive Art
Sikahirsche stammen ursprünglich aus Ostasien und sind in vielen Zoos und Wildparks zu sehen. Nachdem ausgesetzte und ausgebrochene Tiere Mitte des 20. Jahrhunderts Wildpopulationen begründet haben, gibt es inzwischen mehrere Gebiete in Deutschland, wo die Tiere heimisch geworden sind. In NRW ist das vor allem im Sauerland der Fall: Im Arnsberger Wald leben 4.000 Exemplare - laut Regionalforstamt die größte Sikawild-Population in Deutschland.
Doch das könnte sich bald ändern. Denn Sikahirsche wurden von der EU auf die Liste der invasiven Arten gesetzt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie auf Dauer heimisches Wild verdrängen und zu viele junge Bäume anbeißen. Wie genau die freilebende Sikawild-Population reduziert werden soll, ist noch unklar. Ab 2027 ist aber die Haltung und Züchtung nicht mehr erlaubt - mit Folgen für die Sika-Bestände in den Wildparks und Zoos des Landes. Möglicherweise müssen die dort lebenden Tiere bis August 2027 getötet werden.
Kamberkrebs
Kamberkrebse verdrängen einheimische Krebsarten
Auch unter Wasser gibt es invasive Arten, die den heimischen das Leben schwer machen. Vor allem aus Nordamerika stammende Krebsarten wie der Kamberkrebs stehen auf der Liste. Der Kamberkrebs überträgt nämlich einen Pilz namens "Krebspest", gegen den er selbst immun ist, der aber für die heimischen Tiere tödlich ist. Deshalb hat er sich in vielen Kanälen in NRW und auch in Flüssen wie Rhein, Ruhr, Sieg oder Lippe ausgebreitet und stellenweise die ursprünglich dort lebenden Edel- und Steinkrebse verdrängt.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa, AP
- Gespräch mit Lanuk-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia
- Gespräch mit BUND-Experte Dirk Jansen
- NABU
- Bundesamt für Naturschutz
- Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
- BUND NRW
Sendung: WDR.de, Was diese sieben invasiven Arten in NRW anrichten, 01.06.2026, 5 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 02.06.2026, 19:30 Uhr
