Ärger um CSD in Lünen: Sparkasse sagt Sponsoring ab

WDR 01:46 Min. Verfügbar bis 01.07.2028

Sparkasse sagt Sponsoring ab Ärger um CSD in Lünen

Stand:

In zweieinhalb Wochen findet in Lünen der erste Christopher Street Day statt. Die Sparkasse sagt nun das Sponsoring dafür ab.

In zweieinhalb Wochen findet in Lünen der erste Christopher Street Day (CSD) statt. Ursprünglich sollte das Event mit Mitteln des Bundesförderprogramms „Demokratie leben“ unterstützt werden. Aber daraus wird nichts.

Das Geld für das Förderprogramm kommt in Lünen von der Sparkasse an der Lippe. Besser: sollte kommen. Nach WDR-Informationen ist die Sparkasse aber von jemandem davor gewarnt worden, den CSD finanziell zu unterstützen, weil die Veranstaltung am 18.07.2026 in Lünen „parteipolitisch“ sein könnte. Die Sparkasse teil uns mit, dass sie als öffentlich-rechtliches Unternehmen keine parteipolitischen Veranstaltungen fördern dürfe. Von wem dieser Hinweis kam, sagt die Sparkasse nicht. Unter anderem, um den Hinweisgeber zu schützen, so ein Sprecher.

Anmelder kritisiert Vorgehen der Sparkasse

Ian Marx hat den CSD in Lünen angemeldet. Der 20-jährige Abiturient kritisiert, dass die Sparkasse sich mit ihrem Verdacht nicht an die CSD-Veranstalter gewandt habe. Im WDR-Interview sagt Marx, dass er einen Anruf von der Stadt bekommen habe, in dem ihm die Bedenken mitgeteilt worden seien.

"Ich denke, dass das Programm „Demokratie leben“ auch in anderen Städten CSDs fördert und es dafür gemacht ist, demokratische Projekte zu fördern." Ian Marx – Anmelder Christopher Street Day Lünen

Marx ist für die Partei Die Linke im Kreis Unna aktiv. Früher war er bei der Nachwuchsorganisation Solid. Die wird in NRW vom Verfassungsschutz beobachtet. Marx betont, dass im Vorfeld alle demokratischen Parteien in Lünen eingeladen worden seien, sich bei der Organisation des ersten Lüner CSD einzubringen. Damit es gerade keine parteipolitische Veranstaltung werde. Die AfD hatte er nicht angeschrieben.

Ein junger Mann guckt verärgert in die Kamera. Er hat ein rundes Gesicht und pink gefärbte Haare.

Der 20-jährige Abiturient Ian Marx kritisiert, dass die Sparkasse sich mit ihrem Verdacht nicht an die CSD-Veranstalter gewandt habe.

Stadt argumentiert wie Sparkasse

Die Stadt Lünen, die für die Verteilung der Fördergelder zuständig ist, teilt dem WDR heute schriftlich mit, dass eine Förderung des CSD nur möglich wäre, wenn es sich um eine parteipolitisch neutrale Veranstaltung handeln würde. Die Stadt würde grundsätzlich das "Eintreten für Vielfalt, Toleranz und gesellschaftlichen Zusammenhalt" unterstützen.

Da der Lüner CSD aber als Demonstration angemeldet sei, werde eine Beteiligung "der zur Neutralität verpflichteten Sponsoren als kritisch" gesehen. Deshalb sei die Förderung im gegenseitigen Einvernehmen zurückgenommen worden.

Auch Bundesministerium verlangt Neutralität

Auch das Bundesministerium für Bildung, das für das Förderprogramm "Demokratie leben!" zuständig ist, bestätigt, dass "alle Projekte, die gefördert werden" zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet seien. Ob einzelne Maßnahmen die Fördervoraussetzungen erfüllen, sei "anhand des konkreten Einzelfalls zu beurteilen".

Ein CSD, der keinerlei politische Botschaft hat, ist kein CSD mehr. Er verliert seinen Kern, weil ein CSD immer eine politische Demonstration ist. Ian Marx – Anmelder Christopher Street Day Lünen

Das fehlende Geld hat Marx jetzt über einen Spendenaufruf im Internet reingeholt. Der erste Christopher Street Day in Lünen findet statt.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • WDR-Gespräch mit Ian Marx, Anmelder Christopher Street Day Lünen
  • Antwort Stadt Lünen auf WDR-Anfrage
  • Telefonat mit dem Pressesprecher der Sparkasse an der Lippe
  • Antwort Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf WDR-Anfrage

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 01.07.2026, 19:30 Uhr

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