Podcast "Junge Psyche" soll Teenagern helfen
WDR. 03:19 Min.. Verfügbar bis 02.06.2028.
Petra Ullrich-Gerard macht gerade eine schwierige Zeit durch. Die alleinerziehende Mutter aus Mülheim hat zwei Kinder, die psychisch belastet sind und aktuell mit ihrem Leben nicht so gut klarkommen. "Mein siebenjähriger Sohn hat ADHS und kann sich in der Klasse schlecht anpassen, meine Tochter ist mitten in der Pubertät und häufig sehr traurig".
Die alleinerziehende Petra Ullrich-Gerard nutzt den Podcast "Junge Psyche"
Tatsächlich ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Störungen angestiegen, vor allem seit der Corona-Pandemie. Das belegen Studien. Weltpolitische Veränderungen wie Kriege, Terrorismus und Umweltkatastrophen lösen bei vielen jungen Menschen Zukunftsängste aus.
Wartezeit auf den Therapieplatz überbrücken
Schwerwiegende Symptome können Depressionen, Essstörungen, Schulverweigerung oder Panikattacken sein. Einen ersten Termin zur Abklärung der Situation oder eine Diagnose bei einem Therapeuten bekommen Betroffene meist innerhalb weniger Tage. Doch wer eine Therapie braucht, wartet sechs bis neun Monate oder länger auf einen Platz.
Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen Samra Fazlic aus Mülheim und Mila Ould Yahoui aus Hamm wissen, wie sehr betroffene Familien leiden. Auch sie haben lange Wartelisten in ihren Praxen. Das brachte sie auf eine Idee: Sie bieten den Podcast "Junge Psyche" an, kostenlos bei Streamingdiensten abrufbar.
Podcast kein Therapieersatz
In einem lockeren Dialog gehen die Expertinnen auf Themen ein, mit denen viele Familien konfrontiert sind, zum Beispiel Hausaufgabenstress, ADHS, Schulangst, Pubertät, Zocken.
"Der Podcast soll eine erste Anlaufstelle für Eltern und ihre Kinder sein: eine Orientierungshilfe zur Einordnung, ob bestimmte Verhaltensweisen normal sind oder nicht." Mila Ould Yahoui, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
In einer Folge geht es zum Beispiel um Mädchen und Jungen, ihre Herausforderungen in unserer Gesellschaft und traditionelle Rollenbilder. Der Podcast hilft weiter, wie Kinder für sich herausfinden, was ihnen wichtig ist und wie Eltern sie zu selbstbewussten Menschen erziehen können.
"Im Podcast legen wir den Fokus auf die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und zeigen auf, wann sich Eltern möglicherweise professionelle Hilfe suchen sollten", sagt Samra Fazlic. Wenn ein Kind zum Beispiel heftige und immer wiederkehrende Wutanfälle habe und sich kaum beruhigen lasse, sollte man das abklären, rät die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin.
Krankenkassen machen digitale Angebote für psychische Gesundheit
Auch viele gesetzliche Krankenkassen bieten digitale Programme an, die die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken sollen. Das läuft meist über sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen, also geprüfte Apps oder Online-Programme, die von Psychotherapeuten verordnet werden können und von der Krankenkasse bezahlt werden. Auch die Terminservicestelle unter 116117 für psychotherapeutische Sprechstunden kann weiterhelfen.
Petra Ullrich-Gerard hat den kostenlosen Podcast abonniert. "Mir als Mama hilft es einfach, den Alltag etwas entspannter anzugehen. Der Podcast hilft mir dabei, Situationen besser zu verstehen, in denen meine Kinder gerade stecken". Sogar ihre 13-jährige Tochter hört sich den Podcast inzwischen gerne an. Wann sie einen Therapieplatz bekommt, weiß sie noch nicht.
Unsere Quellen:
- Interview mit einer betroffenen Familie
- Interview mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Samra Fazlic
- Interview mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Mila Ould Yahoui
- Informationen von Krankenkassen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 02.06.2026, 19:30 Uhr
