"Alles fing mit einer Werkzeugkiste an, die ich mit Opa gebaut hab"

WDR 02:41 Min. Verfügbar bis 25.07.2028

Mülheimer Wirtschaftspreis 2026 "Alles fing mit einer Werkzeugkiste an"

Stand:

Viele Betriebe schließen, weil sie keine geeignete Nachfolge finden. Eine Mülheimer Tischlerei setzt auf die nächste Generation.

"Als ich klein war, hat mich Opa mit in die Werkstatt genommen und mit mir gemeinsam eine Werkzeugkiste gebaut", erinnert sich Arian Mombour. Jetzt ist er 26 Jahre alt, Tischlermeister im Betrieb seiner Eltern - und übernimmt schon Verantwortung. Aktuell ist er verantwortlich für die beiden Auszubildenden, bringt ihnen den Umgang mit Säge und Holz bei.

Ein Mann und eine Fraus stehen vor einem Plan

Tischlermeister Arian leitet Azubi Ella an

Sein Ziel: Er wird Chef, wenn sein Vater in Rente geht. "Man wird schon ein bisschen belächelt, dass man in die Fußstapfen der Eltern tritt, aber für mich ist es ein besonderes Gefühl, Verantwortung zu übernehmen und die Tradition weiterzuführen, die andere Generationen vorher aufgebaut haben", sagt der 26-Jährige.

Das Mülheimer Traditionsunternehmen hat offenbar alles richtig gemacht und frühzeitig den Nachwuchs fürs Handwerk begeistert. Der Nachfolger steht fest, die Zukunft des Betriebes ist gesichert.

Gründe für fehlende Unternehmensnachfolge im Ruhrgebiet

Eine Herausforderung, vor der zahlreiche Unternehmen im Ruhrgebiet stehen. Traditionsreiche Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants oder Handwerksbetriebe mussten in der Vergangenheit schließen, weil sie keinen Nachfolger gefunden haben.

Das wird häufig nicht offiziell kommuniziert, dann heißt es "aus Altersgründen", oder wegen "Ruhestand". Auch demografischer Wandel, verändertes Konsumverhalten, neue Technologien, Strukturwandel im Handel, all das spielt eine Rolle, warum Betriebe aufgeben müssen.

Mülheimer Wirtschaftspreis: Vorbilder für Nachfolge gesucht

Die Mülheimer Wirtschaftsförderung will mit dem Wirtschaftspreis Best-Practice-Beispiele hervorheben und anderen Unternehmen Wege aufzeigen, um die Betriebsnachfolge frühzeitig zu regeln.

Unter dem diesjährigen Motto "Erfolgreiche Unternehmensnachfolge - Zukunft sichern, Substanz bewahren" werden in diesem Jahr Betriebe ausgezeichnet, die den Generationenwechsel beispielhaft gemeistert und ihren Betrieb erfolgreich in die Zukunft geführt haben. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.

Marc Buchholz

Mülheims OB Marc Buchholz (CDU)

"Viele der erfolgreichsten Mülheimer Unternehmen wurden über Jahrzehnte aufgebaut. Wenn es gelingt, dieses unternehmerische Erbe verantwortungsvoll weiterzuführen, ist das ein Gewinn für die gesamte Stadt. Deshalb laden wir ausdrücklich dazu ein, sich zu bewerben oder herausragende Nachfolgen für den Mülheimer Wirtschaftspreis vorzuschlagen", beschreibt Oberbürgermeister Marc Buchholz die Idee hinter dem diesjährigen Wettbewerb.

Noch bis zum 16. August können sich Betriebe bewerben, im November ist Preisverleihung.

Nachwuchs früh fürs Handwerk und den Betrieb gewinnen

Die Tischlerei Mombour in Mülheim gibt es seit 1921, ununterbrochen in Familienbesitz. Arian ist Mitarbeiter der fünften Generation. Er hat sich bewusst dafür entschieden, im Familienbetrieb zu arbeiten, mit dem Handwerk ist er groß geworden.

"Schon mit 11 Jahren habe ich angefangen, meine Sommerferien in der Werkstatt zu verbringen. Am Anfang habe ich alle genervt, aber irgendwann habe ich mit meinem Vater ein Gartenhaus gebaut, mit 14 hab ich mein erstes Fenster alleine eingebaut".

Vier Männer stehen in einer Werkstatt

Drei Generationen im Familienbetrieb: Arian (rechts) mit seinem Vater (links), seinem Großvater und seinem Onkel

Generationen im Betrieb: Alt und Jung lernen voneinander

Sein Vater Lars Mombour hat den Junior ausgebildet und kann sogar schon einiges von ihm lernen. Arian hat sich mit dafür eingesetzt, eine computergesteuerte Fräse anzuschaffen. Moderne Technik ersetzt teilweise das Handwerk und damit kennt sich Arian bestens aus.

Aktuell produziert er mithilfe der Maschine Pizzaschaufeln, die an Kunden verschenkt werden sollen. "Ich bin sehr zufrieden mit ihm, er leitet die Mitarbeiter an, teilt sie morgens ein und fährt auch zu Kunden raus, bespricht dort die Bauvorhaben, schreibt Angebote, eigentlich so, wie ich mir das vorgestellt habe", sagt Lars Mombour stolz.

"Ich hab 50 Jahre hier gewirkt, das bleibt in den Adern stecken." Gerd Hermann Mombour, Senior im Familienbetrieb

Auch Arians Opa Gerd Hermann Mombour ist froh, dass sein Enkel Nachfolger wird. Jeden Tag kommt der 81-Jährige in die Werkstatt, um nach dem Rechten zu schauen, "auch wenn ich nichts mehr so viel zu sagen habe", gesteht er lachend.

Zwei Männer stehten in einer Werkstatt

Opa Gerd Hermann Mombour hat Enkel Arian fürs Handwerk begeistert.

Arian wird wohl in etwa zehn Jahren den Betrieb übernehmen, wenn sein Vater in Rente geht, der mit seinem Onkel gemeinsam die Geschäfte führt.

Damit erfüllt die Tischlerei zwar nicht die Voraussetzungen für den diesjährigen Wirtschaftspreis, dennoch ist die Tischlerei ein gutes Beispiel dafür, wie man ein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führt. Und für die Familie ist Arian auch ohne Preisgeld ein Gewinn.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort
  • Stadt Mülheim
  • Mülheimer Wirtschaftspreis 2026

Sendung: WDR.de, Mülheimer Wirtschaftspreis - erfolgreiche Unternehmensnachfolgen gesucht, 26.07.2026, 05:07 Uhr

Weitere Beiträge über Unternehmen aus NRW

1 / 2